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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Freimaurerei - ein Weg zum Gedankenaustausch?


Prometheus
07.05.2008, 22:47
Guten Abend zusammen,

seit geraumer Zeit interessiere mich für die Freimaurerei, nachdem ich vor längerer in der P.M. einen interessanten Artikel über die Freimaurerei las - der war zwar nicht unbedingt glänzend recherchiert, ließ mich aber doch aufmerksam werden, ebenso wie die Information, die die Wikipedia liefert.

Mich bewegt momentan die Frage, ob die Freimaurerei wirklich das verkörpert, was ich suche.

Ich bin ein Mensch, der gerne seine Umwelt und die Gesellschaft, die ihn umgibt, reflektiert, kritisch überdenkt oder auch einmal Gedankenspiele nach dem Motto "Was wäre wenn" durchspielt. Leider fehlt mir heute immer mehr die Gelegenheit dazu - während meiner Schulzeit hatte in meinem Philosophie Kurs viele Mitstreiter, die für angeregte Diskussionen offen waren. Seit meiner Ausbildung und nun Berufstätigkeit ist das eigentlich verloren gegangen. Die meisten Menschen um mich herum erleben die Welt nur noch mit Scheuklappen, links die Arbeit, rechts die Familie und gerade aus kein klarer Blick mehr über den Tellerrand. Und je mehr die Abwechslung fehlt, desto mehr registriere ich ebenfalls diese gesellschaftliche "Abstumpfung" bei mir, es fehlt einfach ab und an das angeregte Gespräch.

Ich frage mich, ob meine Vorstellung richtig ist, diese Abwechslung und den Austausch von Gedankengut über unsere Welt bei den Freimaurern zu finden, oder ob ich mich da "irre".

Auch bin ich nicht sicher, ob meine religiöse Seite zur Freimaurerei passt. Ich bin zwar per Papier Christ, aber mir fehlt der klassische Glauben an "den" Gott des Christentums. Ich bin zwar der Überzeugung, dass dieses Universum von Mächten beherrscht wird, die weit jenseits unserer Vorstellungskraft liegen, aber ein "Gott" wie ihn das Christentum beschreibt passt irgendwie nicht so recht in mein Weltbild. Das bedeutet aber nicht, dass die christlichen Werte auf denen diese Gesellschaft sich über Jahrhunderte entwickelt hat, mir egal sind - ganz im Gegenteil, sie sind schließlich historischer und kultureller Schatz der Welt wie wir sie kennen.

Stelle sich also die Frage, wie weit meine Einstellung und meine Suche nach neuen Blickwinkeln eine Schnittmenge mit der Freimaurerei haben.

Dieser Frage würde ich gerne mit der Hilfe der hier Anwesenden nachgehen, zumal ich im Juni nach Frankfurt am Main ziehe (beruflich bedingt) und dort überdenke, evtl. die ein oder andere Loge zu besuchen - es scheint ja mehrere in Frankfurt zu geben.

Ich freue mich sehr auf Ihre hilfreichen Antworten!

Mit besten Grüßen,

Florian P. Meyer

oberon
08.05.2008, 07:10
Ich möchte natürlich keine das passt / das passt nicht Antwort geben, aber ich denke, dass Du grundsätzlich schon in der Freimaurerei mit Deiner Suche richtig bist. Ob die jeweilige Loge zu Deiner Suche passt, dass musst Du dann vor Ort prüfen.

Das gleiche gilt für Deine religiöse Einstellung. Soweit ich das einschätze entspricht sie dem, was in Deutschland unter den Alten Pflichten verstanden wird. Die Lehrart der GLLFvD wird eher nichts für Dich sein, aber bei den anderen Großlogen dürftest Du schon die richtigen Ansprechpartner finden können.

Viele Grüße,

Thomas

Prometheus
08.05.2008, 18:24
Hallo,

vielen Dank für diese Antwort. Selbstverständlich erwarte ich keine "Passt / Passt nicht" Antwort, dafür ist das Thema viel zu komplex und mir ist bewusst, dass sich die Logen auch nicht einander exakt gleichen.

Mir ist es wichtig, eine Orientierung zu haben, welche Wege sich mir mit meiner Einstellung öffnen und welche nicht.

Meine Frage ist jetzt: Woran erkenne ich, ob eine Loge meiner religiösen Veranlagung entspricht und welche eher nicht?

Viele Grüße,

Florian

oberon
08.05.2008, 19:01
Ein Gästeabend würde sich für so eine Frage anbieten. Besser noch als eine konkrete Frage fände ich aber, dieses Thema im Laufe des Kennenlernens zu thematisieren. Da wird man sicherlich ein umfassenderes Bild bekommen als bei einer direkten Frage. Denn allein schon die Frage nach der Religiösität ist sehr komplex.

Thomas

Loewenstein
11.05.2008, 23:43
Auch bin ich nicht sicher, ob meine religiöse Seite zur Freimaurerei passt. Ich bin zwar per Papier Christ, aber mir fehlt der klassische Glauben an "den" Gott des Christentums. Ich bin zwar der Überzeugung, dass dieses Universum von Mächten beherrscht wird, die weit jenseits unserer Vorstellungskraft liegen, aber ein "Gott" wie ihn das Christentum beschreibt passt irgendwie nicht so recht in mein Weltbild. Das bedeutet aber nicht, dass die christlichen Werte auf denen diese Gesellschaft sich über Jahrhunderte entwickelt hat, mir egal sind - ganz im Gegenteil, sie sind schließlich historischer und kultureller Schatz der Welt wie wir sie kennen.


Eigentlich ist ja das wichtigste, freimaurerei betreffend, schon gesagt. Denoch eines noch:
"den" gott des christentums gibt es ebensowenig wie "die" beschreibung - es gib nur beschreibungsversuche verschiedener christlicher konfessionen und denominationen, und wenn man sich einmal klar macht, dass es auch noch koptische und äthiopische und sonstwelche christen gibt, merkt man auch schnell, dass es "die" beschreibung "des" gottes "des christentums" nicht gibt, sondern nur eine bestimmte art der christlich-symbolhaften rede des wirkens gottes in der welt, die in verschiedenen entfaltungen christlicher weltsicht sich verschieden manifestiert hat und immer wieder manifestiert.
Also, wie schon oberon andeutet:
wo ist das problem?
.L.

Mercenary
12.05.2008, 09:37
Auch bin ich nicht sicher, ob meine religiöse Seite zur Freimaurerei passt. Ich bin zwar per Papier Christ, aber mir fehlt der klassische Glauben an "den" Gott des Christentums. Ich bin zwar der Überzeugung, dass dieses Universum von Mächten beherrscht wird, die weit jenseits unserer Vorstellungskraft liegen, aber ein "Gott" wie ihn das Christentum beschreibt passt irgendwie nicht so recht in mein Weltbild.

Werter Herr Meyer
Prüfen Sie sich, ob Sie mehr Deist oder Theist sein wollen. Danach suchen Sie eine für Sie geeignete Grossloge/Loge/Brüder.

Das bedeutet aber nicht, dass die christlichen Werte auf denen diese Gesellschaft sich über Jahrhunderte entwickelt hat, mir egal sind - ganz im Gegenteil, sie sind schließlich historischer und kultureller Schatz der Welt wie wir sie kennen.

Neigen Sie eher zum Deismus, werden Sie ohnehin über das Christentum hinweg direkt auf die Geistesgeschichte zurückgreifen. Die sogenannten christlich ethischen Werte sind weit über 2000 Jahre alt und lediglich adaptiert.

Ihre Entscheidung. Sie werden aber in der Maurerei so oder so fündig und Ihr Problem ist in Wirklichkeit keines. Wünsche Glück.

Hammurapi
13.05.2008, 23:27
Eigentlich ist ja das wichtigste, freimaurerei betreffend, schon gesagt. Denoch eines noch:
"den" gott des christentums gibt es ebensowenig wie "die" beschreibung - es gib nur beschreibungsversuche verschiedener christlicher konfessionen und denominationen, und wenn man sich einmal klar macht, dass es auch noch koptische und äthiopische und sonstwelche christen gibt, merkt man auch schnell, dass es "die" beschreibung "des" gottes "des christentums" nicht gibt, sondern nur eine bestimmte art der christlich-symbolhaften rede des wirkens gottes in der welt, die in verschiedenen entfaltungen christlicher weltsicht sich verschieden manifestiert hat und immer wieder manifestiert.
Also, wie schon oberon andeutet:
wo ist das problem?
.L.

Ja, so ist das.
Und noch mehr.

Wenn ich in die Augen meines Arbeitskollegen sehe, der Moslem und Araber ist, dann sehe ich genau dieselben Leidenschaften, die ich auch bei meinen christlichen Kollegen und Mitmenschen sehe. Ich bin der Meinung, dass uns das gleiche Höhere aus Menschen unterschiedlicher Konfession und Religionszugehörigkeit entgegenfunkelt. Wir müssen nur bereit sein hinzuschauen, um es zu erkennen.

Grüße,
Hammurapi