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Ahura Mazda
15.04.2008, 12:36
Hier ist's so ruhig,
daher vielleicht ein klein Gedicht als Gedankenanregung!

An sich (von Paul Fläming)

Sei dennoch unverzagt, gib dennoch unverloren.
Weich keinem Glück nicht, steh höher als der Neid.
Vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid.
Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren, Nimm dein Verhängnis an, laß alles unbereut.
Tu was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst wird dir stets geboren.
Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke ist Ihm ein jeder selbst.
Schau aller Sachen an: Dies ist alles in dir.Laß deinen eitlen Wahn.
Und eh du förder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die weite Welt Untertan.

schickt euch mit einem auf Bewegung hoffenden Gruß
euer Andreas

Hammurapi
15.04.2008, 21:28
Hier ist's so ruhig,
daher vielleicht ein klein Gedicht als Gedankenanregung!

An sich (von Paul Fläming)

Sei dennoch unverzagt, gib dennoch unverloren.
Weich keinem Glück nicht, steh höher als der Neid.
Vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid.
Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren, Nimm dein Verhängnis an, laß alles unbereut.
Tu was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst wird dir stets geboren.
Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke ist Ihm ein jeder selbst.
Schau aller Sachen an: Dies ist alles in dir.Laß deinen eitlen Wahn.
Und eh du förder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die weite Welt Untertan.

schickt euch mit einem auf Bewegung hoffenden Gruß
euer Andreas


Ein schönes Gedicht
welches mir aus dem Herzen spricht.

Grüße,
Hammurapi

Ulli
16.04.2008, 00:22
Hallo Andreas,

„wer sein Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die weite Welt Untertan.“

- wiederum ein schönes Gedicht von Paul Fläming. Nach meiner Auffassung klingt die letzte Zeile nach der „Arbeit am rauen Stein“.

Und eben auch die klare Aussage, sein Leben aktiv und selbst bestimmt zu führen. Annehmen, was das Leben präsentiert. Vergangenem und Versäumten nicht hinterher trauern. Handeln, bevor andere das Handeln einfordern und dessen Intention bestimmen.

Viele Grüße

Ulli

Ahura Mazda
16.04.2008, 05:28
...Wer sein Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die weite Welt Untertan.

Vorher wurde bereits darauf hingewiesen dass alles in mir ist Glück und Unglück.
Daher bedeutet für mich dieser letzte Satz, eben dieses Vorhalten des Spiegels des Bewusstsein, wer die Welt beherrschen möchte muss in sich schauen, sich erkennen und beherrschen denn die vermeintliche Aussenwelt kann er nur in sich selber finden.

Gruß Andreas

Ulli
16.04.2008, 21:29
Hallo Andreas,

ich kann in mir nicht die Außenwelt gespiegelt entdecken, vielleicht nur in Ansätzen. Es sei denn ich idealisiere die Außenwelt, die mich umgibt. Ansonsten kann ich mich mit vielen Dingen nicht abfinden und möchte so nicht sein oder werden. Was ist mit Gerechtigkeit, Solidarität, Mitgefühl? Das sind Werte, die ich in mir sehen möchte – aber in der mich umgebenden Außenwelt nur mit einer abnehmenden Präsenz wahrnehme.

„Sei dennoch unverzagt, gib dennoch unverloren.
Weich keinem Glück nicht, steh höher als der Neid.“

Die klare Aufforderung, sein Leben in die Hand zu nehmen, zu gestalten. Eine sehr bemerkenswerte Aufforderung zu einer Wesenshaltung steckt m. E. in diesen Worten: „steh höher als der Neid“ – Altruismus. Ist aber auch nur meine persönliche Meinung, meine Gedanken dazu.

Viele Grüße

Ulli

Hammurapi
16.04.2008, 21:32
An sich (von Paul Fläming)

Sei dennoch unverzagt, gib dennoch unverloren.
Weich keinem Glück nicht, steh höher als der Neid.
Vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid.
Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren, Nimm dein Verhängnis an, laß alles unbereut.
Tu was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst wird dir stets geboren.
Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke ist Ihm ein jeder selbst.
Schau aller Sachen an: Dies ist alles in dir.Laß deinen eitlen Wahn.
Und eh du förder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die weite Welt Untertan.


Siehe dazu auch die Maslowsche Bedürfnispyramide und Selbstaktualisierung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnispyramide

Grüße,
Hammurapi

Ahura Mazda
17.04.2008, 05:38
Hallo Andreas,

ich kann in mir nicht die Außenwelt gespiegelt entdecken, vielleicht nur in Ansätzen. Es sei denn ich idealisiere die Außenwelt, die mich umgibt. Ansonsten kann ich mich mit vielen Dingen nicht abfinden und möchte so nicht sein oder werden. Was ist mit Gerechtigkeit, Solidarität, Mitgefühl? Das sind Werte, die ich in mir sehen möchte – aber in der mich umgebenden Außenwelt nur mit einer abnehmenden Präsenz wahrnehme...

Ulli

Das scheint unter anderem unser Problem, dass wir meinen, dass das was wir da sehen sei die reale Welt, tatsächlich jedoch läuft diese reale Welt durch unseren Bewusstseinsfilter, wir formen sie für uns, daher sollten wir immer wieder in uns gehen und hinterfragen ist dieses die Realität welche ich gerade wahrnehme oder sieht sie vielleicht doch anders aus, wie kann sie für meinen nächsten aussehen?

Was wir tatsächlich wahrnehmen sind wir unsere Einstellung,. unser Wertesystem unsere Bewertung und in den seltensten Fällen die Realität, wenn wir sie überhaupt jemals erfahren dürfen.

Gruß Andreas

Ulli
17.04.2008, 22:16
Hallo Andreas,

wir leben also unter der gläsernen Haube unserer Vorstellungen von Werten und dem Leben. Hermetisch abgeschlossen. Die Realität spielt außerhalb dieser trennenden Schicht. Ergo sind wir nicht realexistent? Nur die Summe elektronischer Schaltvorgänge in unseren Nervenbahnen? Das Bild vom Leben, das wir sehen ist auf einer „Matrix“ erzeugt, die uns aber eine dreidimensionale Darstellung suggeriert. Wie gelange ich dann in die Realität, zu anderen Menschen? Vielleicht mit Hilfe der „Wurmlochtheorie“, durch einen besonderen Port? Im Grunde Descartes: je pense – alors, je suis. – ich denke, also bin ich. Wiederum sind wir bei unseren Kernfragen angelangt. Durch ein Gedicht.

Es ist nicht wichtig,
woher du kommst;
es ist wichtig,
wohin du gehst. Ella Fitzgerald

Viele Grüße

Ulli

Ahura Mazda
18.04.2008, 12:26
...
Es ist nicht wichtig,
woher du kommst;
es ist wichtig,
wohin du gehst. Ella Fitzgerald

Viele Grüße

Ulli

Ich würde es noch einmal umformulieren:

Es ist nicht wichtig, woher du kommst;
es ist wichtig, wohin du gehst,
und noch wichtiger wie du gehst.

Gruß Andreas

Skimble
18.04.2008, 12:34
Ich find´s klasse das es hier mal wieder hoch philosophisch wird :yes:

Aber da ich mich zur zeit mit anderen fragen beschäftige und der titel des Thema´s past nehm ich mal all meinen mut zusammen und Frage hier mal ein offenes Publikum (euch und zufällig vorbeistöbernde :yes:) nach eurer meinung zu einem Gedicht welches ich vor einigen Jahren mal Geschrieben habe. Je nach resonanz oder bei bedarf gibts dann auch später ein paar hintergrund Info´s dazu.

Ein Traum? Von Axel B.

Einst Träumte ich,
ein Flammend Schwert zu führen,
dass nur das Böse könnt berühren.
Es zu treffen in den Herzen,
es zu zerschmettern, zu zerbersten.
Auf das nur das gute bleibt in jenen,
mit ihren Problemen.

Und wenn es mal auf gutes trifft,
so nimmt es kein schaden,
auf das sich keiner soll beklagen.
Dies liegt an seinem schliff,
und auch an dem weisen Griff,
der zu unterscheiden weiß,
was Gutes und was Böses heißt.

Auf einer Reise,
einer langen,
musst ich um ein leben bangen.
Meines Vaters Leben, lang und schön,
sollte nun zu ende gehn.
Die Krankheit stark, sein Körper schwach,
so verlor am ende, er die Schlacht.

Sein Leben ging aus dieser Welt,
hinauf zum hohen Sternenzelt.
Wo Flammend Schwerter nicht von Nöten,
weil dort es nicht von Nöten,
das Böse auch zu töten.

Einst Träumte ich,
von einer Welt, in der der Frieden ewig hält.
Weil dort der Mensch die Tugend hält,
als größtes aller ziele,
denn dort herrscht auch die ewig bruderliebe.
Die erzieht ganz ohne hiebe,
zu der treuen Menschenliebe.


Danke im vorraus,
Euer Axel aka Skimble

Ahura Mazda
18.04.2008, 19:09
Ich find´s klasse das es hier mal wieder hoch philosophisch wird :yes:

Aber da ich mich zur zeit mit anderen fragen beschäftige und der titel des Thema´s past nehm ich mal all meinen mut zusammen und Frage hier mal ein offenes Publikum (euch und zufällig vorbeistöbernde :yes:) nach eurer meinung zu einem Gedicht welches ich vor einigen Jahren mal Geschrieben habe. Je nach resonanz oder bei bedarf gibts dann auch später ein paar hintergrund Info´s dazu.



Danke im vorraus,
Euer Axel aka Skimble

Mir hat es sehr gut gefallen, sehr schön, es fehlt mir zwar ein wenig der Aufbau aber dennoch sehr schöne Zeilen.
Man könnte meinen, das es zu unterschiedlichen Zeiten entstand, bzw. die ersten Zeilen erweitert wurden?

Was mir besonders gefallen hat:


Sein Leben ging aus dieser Welt,
hinauf zum hohen Sternenzelt.
Wo Flammend Schwerter nicht von Nöten,
weil dort es nicht von Nöten,
das Böse auch zu töten.

Dieses bereits im Dieseits erreichen wäre ein hohes Ziel.
Zu sehr bewerten wir, und versuchen das vermeintlich böse zu töten und ziehen doch nur neue Qual ins leben.
Sich dem entziehen scheint jedoch fast unmöglich.


Gruß Andreas

Ulli
24.04.2008, 22:57
Hallo Skimble,

spät, aber hoffentlich nicht zu spät, hier noch meine Gedanken zu deinem Gedicht:

Ich persönlich finde es schön, wenn Menschen ihre Gedanken und Gefühle in Worte und Bilder fassen. Noch schöner, wenn sie dieses – so wie du, in die Tat umsetzen. Sie fordern damit „Nichtpoeten“ – so wie ich es einer bin – auf, zu verweilen und nachzudenken. Verwerflich jedoch, wenn diesem mit Intoleranz und Ignoranz begegnet wird.

„Nicht was der Mensch ist, nur was er tut, ist sein unverlierbares Eigentum.“
Friedrich Hebbel

Viele Grüße

Ulli

Skimble
27.04.2008, 15:33
Hallo zusammen,

als erstes möchte ich mich für die positive und ehrliche resonanz bedanken und dann wie versprochen hier die kleine geschichte dazu erzählen.
Das gedicht ist wärend meines Afgahnistans Einsatzes im ersten halbjahr 2006 entstanden, nachdem ich schon einiges über die freimaurerei gelesen hatte und auch mit freude das ein oder andere werk von göthe verschlungen hatte. Am 31.3.06 verstarb mein Vater an ungezählt vielen Krebs arten in der Uniklinik Kiel, ich selbst war zu diesem zeitpunkt wie oben angemerkt in Afgahnistan.
Wärend meines, ich will es mal Fronturlaub nennen, sah ich im fehrnsehen einen bericht in dem auch über Freimaurer etwas erzählt wurde. Nach einem tipp meiner mutter googlete ich ein bissle im internet lass und lass und lass...
und dann habe ich das schreiben eines Tagebuches und dieses gedichtes als ventiel genutzt.

@Ulli Verwerflich jedoch, wenn diesem mit Intoleranz und Ignoranz begegnet wird. das müstest du mir bitte genauer erklären.

Grüße Axel aka Skimble

Ahura Mazda
27.04.2008, 20:21
...Ulli das müstest du mir bitte genauer erklären.

Grüße Axel aka Skimble

Ich denke Ulli möchte da auf einen kleinen, wie ich meine Mißstand in unserer Gesellschaft hinweisen.
So wie es dir ging, sind die meisten Gedichte, zumindest diese die es Wert sind sie zu lesen mit größerem Verbunden, haben einen Hintergrund.
Sie sind geschrieben etwas zu sage, und zwar mehr als Worte, sie sollen Gefühle transportieren mit einer Handlung und einem Wert.
Leider Ignorieren die meisten Menschen dieses und machen sich nicht die Mühe den tieferen Sinn erfassen zu wollen.
Ein Gedicht zu Lesen und zu sagen ja es reimt sich, ist wirklich banal.

Gruß Andreas

Ulli
27.04.2008, 22:54
Hallo Andreas,

... da hast du mich sehr gut verstanden und interpretiert. Vielen Dank dafür.

Ulli

Ahura Mazda
01.05.2008, 08:41
Noch ein kleines Gedicht als Gedankenfutter,

Bei Herrn Fleming muss ich mich noch entschuldigen seinen Namen falsch geschrieben zu haben.

Gedanken über die Zeit

Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit;
so wißt, ihr Menschen, nicht von und in was ihr seid.
Diß wißt ihr, daß ihr seid in einer Zeit geboren
und daß ihr werdet auch in einer Zeit verloren.
Was aber war die Zeit, die euch in sich gebracht?
Und was wird diese sein, die euch zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was und nichts, der Mensch in gleichem Falle,
doch was dasselbe was und nichts sei, zweifeln alle.
Die Zeit, die stirbt in sich und zeugt sich auch aus sich.
Diß kömmt aus mir und dir, von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit; sie ist in ihm ingleichen,
doch aber muß der Mensch, wenn sie noch bleibet, weichen.
Die Zeit ist, was ihr seid, und ihr seid, was die Zeit,
nur daß ihr wenger noch, als was die Zeit ist, seid.
Ach daß doch jene Zeit, die ohne Zeit ist, käme
und uns aus dieser Zeit in ihre Zeiten nähme,
und aus uns selbsten uns, daß wir gleich könten sein,
wie der itzt jener Zeit, die keine Zeit geht ein!

Gute Gedanken und einen schönen Feiertag wünscht euch

Andreas

Ahura Mazda
04.05.2008, 09:00
Jetzt ist aber einer enttäuscht,

ich hätte eigentlich schon ein wenig tiefsinniges erwartet.
Falls jemandem der Mut fehlen sollte, immer nur zu.
Hat denn hier niemand eine Vorstellung von der Zeit, oder hat niemand Zeit??


Gruß Andreas

Skimble
04.05.2008, 11:56
Ich weiß nicht ob ich den spruch so richtig zusammen bekomme aber er ging ungefair so:

Langsam kommt die Zukunft auf uns zu.
Pfeilschnell Jagt die Gegenwart an uns vorbei.
Ewig wart die Vergangenheit hinter uns liegen.

Ulli
04.05.2008, 21:43
Hallo Andreas, hallo Skimble

„Hat denn hier niemand eine Vorstellung von der Zeit, oder hat niemand Zeit??“

Zeit – Zeit ist ein relativer Begriff. Was ist Zeit? Das, was mir zubemessen wurde, das was mir unter den Fingern schwindet? Das, was ich viel zu wenig habe – für meine Familie, für mich, für die Zukunft? Wenn es denn eine gibt? Oder ist am Ende meiner Zeit noch zu viel Unerledigtes übrig geblieben? Ist die profane berufliche Tätigkeit, welche man in Zeitstunden bemessen absolviert, gar ein „timebandit“? Sind, mutmaßliche Freizeitbeschäftigungen – wie z. B. das Schreiben in einem Forum, insgesamt gesehen, verschwendete Lebenszeit? Gespräche, die ich führe, ohne konkrete Zielvereinbarungen zu treffen, ist das verschwendete Zeit?

Oder ist die Zeit, die ich intensiv erlebe und durchlebe, meine Zeit? Zeit, die ich zusammen mit Freunden und Familie genieße. Z.B. den Sonnenuntergang, welchen ich nie vergessen werde, den ich immer vor meinen inneren Augen sehe? Durchlebte Momente des Glücks, der Freude, der Trauer – ist das sinnvoll genutzte Zeit?

Wer hat hier eine bessere Idee – was ist Zeit? Oder fragen wir anders herum: was ist Zeit nicht?

„Langsam kommt die Zukunft auf uns zu.
Pfeilschnell Jagt die Gegenwart an uns vorbei.
Ewig wart die Vergangenheit hinter uns liegen.“

Es ist nicht nötig, der Zukunft und ihren Ereignissen entgegenzueilen – sie erreichen uns von ganz allein. (frei nach den „Hobbits – Herr der Ringe)

Die Gegenwart währt nur einen kurzen Augenblick – der Rest ist schon Vergangenheit.

Vergangenheit – der Zeitraum aus dem wir Erfahrungen schöpfen sollten – und zu lernen haben.

Das sind so meine Fragen zur Begrifflichkeit „Zeit“.

Einen schönen Restsonntag wünscht euch beiden

Ulli

Hammurapi
04.05.2008, 21:51
Jetzt ist aber einer enttäuscht,

ich hätte eigentlich schon ein wenig tiefsinniges erwartet.
Falls jemandem der Mut fehlen sollte, immer nur zu.
Hat denn hier niemand eine Vorstellung von der Zeit, oder hat niemand Zeit??


Gruß Andreas

Ich hoffe Goethe kann über die Enttäuschung hinweghelfen.


Zeit und Zeitung

A
Sag mir, warum dich keine Zeitung freut?
B
Ich liebe sie nicht, sie dienen der Zeit.
Grüße,
Hammurapi

Hammurapi
04.05.2008, 22:22
Gegenwart:
Das Leben findet in den uns bekannten und sinnlich erfahrbaren Dimensionen des Raumes und der natürlich auch der Zeit statt. Vor kurzer Zeit wurde im Forum gesagt, dass wir den Körper brauchen um etwas zu lernen. Und der Körper braucht natürlich nicht nur den Raum, den er ausfüllt, sondern auch die Zeit , um sich in Ihr zu bewegen. Also brauchen wir auch die Zeit um etwas zu lernen.

Vergangenheit:
Das Vergangene ist für uns in unserem Körper als Erinnerung gespeichert. Aber wir brauchen auch die Zeit um diese in uns wieder aufzurufen um daraus zu lernen. Die Zeit ist also auch im erneuten Durchleben aus der Erinnerung unabdingbar.

Zukunft:
Man hat vielleicht Ahnungen.
Gelernt hat man aber erst etwas, wenn es passiert ist.

Im Zweifel hilft ein kleiner Vierzeiler vom alten Goethe:

Kommt Zeit, kommt Rat

Wer will denn alles gleich ergründen!
Sobald der Schnee schmilzt, wird sich's finden.
Hier hilft nun weiter kein Bemüh'n!
Sind Rosen, nun, sie werden blüh'n.

Grüße,
Hammurapi

P.S. Kleine philosophische Frage: Kann man aus der Zukunft lernen?

Skimble
04.05.2008, 23:35
Aus der Zukunft???
Woll kaum es müste schon ein wunder geschen um das die menschheit aus der Vergangenheit lehrnt!!!
Wie sollen wir dann aus der Zukunft lehrnen?

Grüße Skimble

Ahura Mazda
05.05.2008, 05:47
Gegenwart:

Zukunft:
Man hat vielleicht Ahnungen.
Gelernt hat man aber erst etwas, wenn es passiert ist...

Grüße,
Hammurapi

P.S. Kleine philosophische Frage: Kann man aus der Zukunft lernen?

Dieses ist was uns mit vorantreibt, mir Hilfe der Vergangenheit zu erarbeiten was die Zukunft bringen soll.
Wären wir in der Lage ein klares Kausalitätengesetz zu formulieren, so könnten wir nicht erahnen sondern aus der Zukunft lernen, es wäre in unserem schöpferischen Gedankenprozess möglich die Zukunft eindeutig zu bestimmen.(Theorie)
Wessen erbaute Zukunft?
Jetzt wirds mir schon zu komplex!

Gruß Andreas

Ulli
05.05.2008, 21:39
Hallo Andreas,

„Dieses ist was uns mit vorantreibt, mir Hilfe der Vergangenheit zu erarbeiten was die Zukunft bringen soll.
Wären wir in der Lage ein klares Kausalitätengesetz zu formulieren, so könnten wir nicht erahnen sondern aus der Zukunft lernen, es wäre in unserem schöpferischen Gedankenprozess möglich die Zukunft eindeutig zu bestimmen.(Theorie)
Wessen erbaute Zukunft?“

Was tangiert mich die Zukunft? Ich lebe hier und jetzt. Ich kann mich mit „mittelfristigen Entwicklungszielen“ herumplagen, kann differenzieren zwischen „taktischer Planung“ und „strategischer Planung“ – schön zu wissen, dass es das alles gibt. Nur: es kommt immer anders als der Mensch denkt – weil vielleicht ein anderer lenkt? (reimt sich sogar)

Natürlich werden Ängste in uns geschürt vor einer dunklen Zukunft, vor dem Abstieg aus der Mittelschicht (s. aktuelle Presse). Aber ist das die Realität, welche uns erwarten wird? Sollten wir lieber Angst vor Kriegen, Unruhen, Seuchen, Katastrophen etc. haben, wenn wir in der Retrospektive die Vergangenheit bewerten? Gibt es eine Gesetzmäßigkeit der Wiederkehr dieser Ereignisse? Z.B. der französischen Revolution? Ach ja, wo ist das Gedicht geblieben?

Mit einem Gedicht gibt uns der Verfasser etwas – er teilt uns seine Emotionen mit. Lässt uns teilhaben. Wir dürfen uns mit ihm auf eine Reise begeben, miterleben, lernen – aus dem Vergangenem für die Zukunft. Oder uns einfach nur freuen an den wohlgesetzten Reimen – über den Frühling, Blumen, das Leben.

Frage: sind in der heutigen Zeit, mit ihren modernen Medien, Gedichte „unmodern“ geworden? Daddeln wir lieber am PC – anstatt zu philosophieren – und auch mal ein Gedicht zu schreiben?

Ulli

Moritz
05.05.2008, 21:47
Hallo Ulli,

auch wenn ich mit Dir d'accord bin, dass man sich durch eventuelles (prophezeites) Ungemach, das in der Zukunft liegen könnte oder sollte, nicht die Gegenwart verderben lassen soll, so ganz unberücksichtigt kann man es doch nicht lassen. Denn das wäre dann das berühmt berüchtigte "Nach-mir-die-Sintflut-Prinzip". Und lass mich raten, auch Du hast nicht alles Geld bereits am 3. ausgegeben und legst noch den einen oder anderen Cent auf die hohe Kante. Doch letztlich nur, weil auch Du die Zukunft mit einplanst, oder?

Gruß

Markus

Moritz
05.05.2008, 21:50
Ach ja, zum Thema Gedicht wollte ich noch folgende These loslassen:

Ich denke, hier hat es einen Medienwechsel gegeben. Gefühl in Versform werden heute gerappt und nicht mehr niedergeschrieben. :shocked:

Ulli
05.05.2008, 22:19
Hallo Moritz,

. . . am Ende des Geldes ist immer noch viel Monat übrig. Zitat Bodo Schäfer. Scherz.

die "normale" Zukunftsvorsorge habe ich eigentlich vorausgesetzt und bin darum nicht darauf eingegangen. Ich hoffe nicht, dass du den Eindruck von mir gewonnen hast, das ich nach dem Motto: "nach mir die Sintflut" lebe und handle. Wir sind doch hier "philosophisch" unterwegs und nicht als kühle Rechner und Buchhalter.

viele Grüße

Ulli

Moritz
06.05.2008, 09:51
. . . am Ende des Geldes ist immer noch viel Monat übrig. Zitat Bodo Schäfer. Scherz.
Gut dass Du die Quelle angegeben hast, ich hätte sonst vermutet, dass Du mein Tagebuch gelesen hast :blush:


Ich hoffe nicht, dass du den Eindruck von mir gewonnen hast, das ich nach dem Motto: "nach mir die Sintflut" lebe und handle.
Nein, den Eindruck hatte ich nicht, und wollte das auch damit nicht sagen.


Wir sind doch hier "philosophisch" unterwegs und nicht als kühle Rechner und Buchhalter.
Aber gerade weil wir hier aus Liebe zu Erkenntnis unterwegs sind, finde ich den Gedanken, aus der Zukunft zu lernen, nicht verkehrt. Auch wenn es so eben nicht ganz stimmt. Lernen kann ich nur aus der Vergangenheit, aus gemachten Erfahrungen. Trotzdem, und darauf wollte ich eben hinaus, hat die Zukunft Einfluss auf unser Verhalten. Wobei man, streng genommen, unterscheiden müsste zwischen der vermuteten (oder auch befürchteten) und der erhofften Zukunft. Sprich, was glaube ich was wird kommen und was meine ich dazu (oder auch dagegen) tun zu können.

Seien wir doch einmal realistisch: die wenigsten haben so viel Einfluss auf die Masse, dass ihr Verhalten ernsthaft ins Gewicht fällt. Und doch versucht jeder (damit meine ich hier jeden Bruder FM und Bruder im Geiste) durch das Vorleben von Menschlichkeit die Gegenwart und mittelbar auch die Zukunft zu beeinflussen. Sprich, das Ziel liegt eigentlich in der Zukunft, auch wenn die FM ausgesprochen diesseits- und gegenwartsorientiert ist.

Ich hoffe, das Beispiel ist besser als das pfennigfuchserische. Ein anderes Beispiel wäre die Erziehung der Kinder. Auch da geben wir uns doch nicht nur Mühe, damit wir es leichter haben, sondern weil wir hoffen unsere Kinder zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen (ganz hochgestochen formuliert).

Und deswegen bin ich der Meinung, darf auch der Buchhalter mal philosophieren :yes:

Gruß

Markus

Ulli
06.05.2008, 23:33
Hallo Markus,

„durch das Vorleben von Menschlichkeit die Gegenwart und mittelbar auch die Zukunft zu beeinflussen.“

. . . das ist ein sehr schöner Satz. Ich muss dir auch eingestehen, dass es mir sehr schwer fällt, hierauf aufbauend etwas zu formulieren. Es sind oftmals die kleinen Dinge, die unser Leben und unsere Einstellung zum Leben verändern. „Menschlichkeit“ vorzuleben, ist eine große Aufgabe. Wichtig ist aber, dass wir uns selbstkritisch betrachten. Gelingt es uns immer, Neid, Schadenfreude, Eifersucht & Co. auszublenden? Unser Denken und Handeln davon freizuhalten? Und wenn nicht, wie viel davon ist aus soziologischer Sicht verträglich? Wann wird das lockere „Lästern“, das die Seele ja angeblich „waschen“ soll, zur Verleumdung? Darf man stolz sein – und wenn, in welchem Maße? Endet die Dienstbeflissenheit vor den Grenzen des eigenen Gewissens? Das sind nach meiner Auffassung nur einige Parameter, die „Menschlichkeit“ definieren könnten. Ganz einfach, dem anderen auch Raum zum selbst bestimmten Leben lassen. Toleranz gegenüber den Mitmenschen üben, aber auch hier sind Grenzen zu setzen. Diese sollten, im Sinne der Menschlichkeit, meine Mitmenschen eigentlich beachten. Mir nur dass zumuten, was ich zu tolerieren bereit bin.

Wir sind uns vielleicht darin einig: Menschlichkeit kann man wohl nicht lernen oder lehren, nur vorleben. Und vorleben kann ich es nur, wenn ich jemanden habe, an welchem ich mein Verhalten abgleichen kann. Dazu gehört dann aber auch Kritikfähigkeit, sein eigenes Verhalten kritisch zu betrachten und ggfs. zu ändern.

Und um den Bogen zu den Kindern zu schlagen: diese lernen primär nur von ihren Eltern. Aber wie, wenn diese beide ganztägig berufstätig sind? In welchem Licht werden heute Mütter oder Väter dargestellt, die sich voll und ganz der Erziehung der Kinder widmen? Allein schon dadurch, dass diesen Familien das liebe Geld zum Konsumieren fehlt.

Ich habe etwas gefunden, was vielleicht zu unserem Thema passt. Leider kenne ich den
Verfasser nicht. Ich hoffe, damit den Bogen zurück zum „kleinen Gedicht“ zu spannen.

Dies ist mein Gebet:

Dass ich mutiger mich erzeig,
den Kampf besteh´ und nimmer weich
von meinem hohen Ideal,
dem Leben mich stelle jedes Mal;
dass ich mehr Geduld erweise
dem, der mich braucht auf dieser Reise;
das ich aus meinen Fehlern lerne,
sie dann aus meinem Sinn entferne,
dass ich mag derer treu gedenken,
die mir Vertrauen schenken;
dies, o Herr erbitte ich,
um würdig zu erweisen mich.

Viele Grüße

Ulli

Ahura Mazda
07.05.2008, 05:28
...
Und um den Bogen zu den Kindern zu schlagen: diese lernen primär nur von ihren Eltern. Aber wie, wenn diese beide ganztägig berufstätig sind? In welchem Licht werden heute Mütter oder Väter dargestellt, die sich voll und ganz der Erziehung der Kinder widmen? Allein schon dadurch, dass diesen Familien das liebe Geld zum Konsumieren fehlt. ...

Viele Grüße

Ulli

Hallo Ulli

Jetzt sind wir wieder mal unserem persönlichen Reibungspunkt angelangt.
Ich glaube langsam hier werden wir beide niemals brüderlich Hand in Hand gehen können.
Es ist wichtig ein Auskommen zu haben, es ist wichtig den Kindern eine brauchbare Erziehung angedeihen zu lassen, hierfür ist eine gewisse finanzielle unabhängigkeit von Nöten.
Aber die "Wichtigkeit" des Konsum in den Vordergrund zu stellen, ja zu einem Wert zu erheben so weit würde ich persönlich niemals gehen.
Meine Frau war 14 Jahre nicht berufstätig, zum Wohle unseres Sohnes, das Liebe Geld war manches mal sehr knapp, aber es ging dann doch irgend wie und heute können wir stolz darauf sein, besonders auf unseren Sohn.
Schrecklich, und hier muss ich dir unbedingt zustimmen, ist es dass es in vielen Berufsgruppen kaum noch möglich ist als alleinverdiener eine Familie zu ernähren.
Ein bekannter von mir seit 20 Jahren Vollzeit Berufsfahrer, kann schauen wie er mit 1.200 € plus Kindergeld seine Familie (Frau und ein Kind) derzeit über die Runden bringt.
Im Pflegebereich sieht es ja teilweise noch verheerender aus.

Gruß Andreas

Ulli
07.05.2008, 13:21
Hallo Andreas,

persönliche Reibungspunkte zwischen uns? Sehe ich nicht. Das zitieren des „Zitierten“ schenke ich mir jetzt einmal. Schau genau hin: jeder meiner „zitierten“ Aussagen endet mit einem Fragezeichen, und das den Familien das liebe Geld zum Konsumieren fehlt – endet mit vielen Punkten. Ich habe es offen gelassen. Bewusst offen gelassen.

Deine Erfahrung mit den Tarifen LKW – fahrender Bekannter ist keine Einzelerfahrung. Und kann noch getoppt werden – und zwar nach unten. Tariftreue, Lohndumping, Mindestlohn – fast alltäglicher Umgang für mich. Menschen die gezwungen sind zu sparen, einfach geizig geil drauf sein müssen, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Politiker die mangelnden Konsum kritisieren. „Warum kauft ihr nicht in gut sortierten Fachgeschäften? Ihr zerstört euch die Produktvielfalt.“ – „wenn die Armen kein Brot haben, so sollen sie doch Kuchen essen.“ Auch ein Zitat. Mit seinerzeit gravierenden Auswirkungen. Du musst mir schon nachsehen, dass ich mir erlaube, meine persönliche Meinung nicht auszuformulieren. Ist m.E. keine Philosophie und gehört auch in kein Forum. Niemand braucht meine „Meinung“, wer hier liest- hat selber eine. Ansonsten hat er die Wahl zwischen den stets von mir vorgeschlagenen 3 Möglichkeiten.

Aber ich habe dich ertappt: du hast den Pfad des Gedichts verlassen.

Schöne Grüße an einem sonnigen Tag

Ulli

Ahura Mazda
07.05.2008, 13:42
...
Aber ich habe dich ertappt: du hast den Pfad des Gedichts verlassen.

Schöne Grüße an einem sonnigen Tag

Ulli

Das von mir, mit den Reibungspunkten, bitte nicht zu eng nehmen!
Ein Pfad darf ruhig auch mal in eine andere Richtung führen hauptsache wir bewegen uns und sitzen nicht am Straßenrand und beobachten die Wanderer die da vorbeiziehen, denn eh man sichs versieht gibt es keine Wanderer mehr da alle am Straßenrand sitzen und beobachten.
Gedichte solle zum denken animieren, da darf sich ruhig eine Dynamik entwickeln.

Gruß Andreas

Theschnuff
15.05.2008, 17:52
Hier ist's so ruhig,
daher vielleicht ein klein Gedicht als Gedankenanregung!



Es ist schon wieder sehr ruhig hier, deshalb auch von mir ein kleines Gedicht. Ich habe es vor ca. 2 Jahren mal gefunden und aufgehoben, weiss aber leider nicht mehr von wem es ist ...

Menschen

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.
Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen.

Ahura Mazda
15.05.2008, 18:03
Es ist schon wieder sehr ruhig hier, deshalb auch von mir ein kleines Gedicht. Ich habe es vor ca. 2 Jahren mal gefunden und aufgehoben, weiss aber leider nicht mehr von wem es ist ...

Menschen

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.
Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen.

Autor: Clemens Kunze

Sehr schönes Gedicht erinnert einen daran, dass man sich bei dem ein oder anderen mal bedanken sollte.
Ein Dank an meine Frau, Danke Kater, Danke Ulli, und ein Danke an alle die sich hier beteiligen!

Gruß Andreas

Ulli
15.05.2008, 21:02
Hallo Andreas, Hallo Theschnuff,

Ein sehr schönes Gedicht.

Menschen, die die o.g. Kriterien erfüllen, wissen m.E. sehr wohl um ihre Bedeutung (etwas gefühllos und sachlich ausgedrückt). Aber sie sind bescheiden. Darum brauchen wir sie nicht darauf hinzuweisen. Sie strahlen alle diese Dinge aus – sonst würden wir es nicht spüren. Sicherlich habt ihr das auch schon einmal erlebt: ihr beginnt ein Gespräch und könnt euch dann fast nicht mehr von eurem Gesprächspartner trennen. Hinterher dann die Frage: warum? War es die Kompetenz, die Lebenserfahrung, die Rhetorische Fähigkeit, die euch gefesselt hat? Nein, es ist die besondere, persönliche Ausstrahlung, eine Art Aura, die diese Menschen umgibt. Zum einen fehlt einem oftmals der Mut, ihnen mitzuteilen, wie wir empfinden – zum anderen würde dieses „unerwartete Lob“ das Band, welches uns mit solchen Menschen verbindet – zerreißen. Denn diese Menschen sind zufrieden und ruhen in sich.

Viele Grüße

Ulli

Moritz
15.05.2008, 23:04
Hallo Ulli,

da bin ich anderer Meinung. Und ja, dass man jemanden kennen lernt und sich kaum wieder trennen kann habe ich gerade erst Pfingsten erlebt. Da habe ich mit einem (mir eigentlich völlig unbekannten) Mädel mal eben 6 1/2 Stunden telefoniert. Ja so Dinge gibt es. Und wir haben es beide sehr genossen. (Und werden es sicher wiederholen, dann aber vielleicht von Angesicht zu Angesicht.)

Ich denke aber, Du verwechselst hier etwas. Denn das Gedicht bezieht sich ja explizit auf die Menschen die es nicht wissen (Manche Menschen wissen nicht...), nicht auf die, von denen wir vielleicht meinen es Ihnen sagen zu müssen. Insofern ist die Zielgruppe schon eine andere.

Und nein, ich kann es mir nicht vorstellen durch ein einfaches Danke oder ein ausgesprochenes Lob eine "Beziehung" zu zerstören. Leute, die in sich ruhen, brauchen diese Bestätigung vielleicht nicht, d'accord, aber sie können damit umgehen. (Jedenfalls gehört das zu meiner Definition von in sich ruhen.)

Und woher weiß ich denn, ob der andere es wirklich weiß oder nicht? Vielleicht spielt er ja nur den Starken.

Solche Dinge muss ich nicht im Beisein anderer sagen, nicht jeder kann damit umgehen, manch einer wäre peinlich berührt, OK. Aber einem Freund unter vier Augen sagen, was er mir bedeutet? Jederzeit!


Gruß

Markus

Ulli
15.05.2008, 23:52
Hallo Markus,

„Solche Dinge muss ich nicht im Beisein anderer sagen, nicht jeder kann damit umgehen, manch einer wäre peinlich berührt, OK. Aber einem Freund unter vier Augen sagen, was er mir bedeutet? Jederzeit!“

Ein Freund – unter vier Augen, dass ist ja auch eine „geschlossene Angelegenheit“ die eben im Moment nur 2 Personen betrifft. Oftmals benötigt man in solchen Situationen auch keine Worte, wenn man sich lange kennt und gut versteht, läuft´s leise. Manchmal aber auch nicht ohne Reibung.

„Ich denke aber, Du verwechselst hier etwas. Denn das Gedicht bezieht sich ja explizit auf die Menschen die es nicht wissen (Manche Menschen wissen nicht...), nicht auf die, von denen wir vielleicht meinen es Ihnen sagen zu müssen. Insofern ist die Zielgruppe schon eine andere.“

Bist du dir da so sicher, das Menschen, welche eine besondere Ausstrahlung haben, darum nicht wissen? Vielleicht gehen sie mit dieser Eigenschaft nur sehr sorgsam um? Wenn wir meinen, anderen ein „positives feedback“ geben zu müssen, kann dieses ja in der Absicht geschehen, in irgendeiner Weise zu motivieren. Hat der so motivierte die Motivation abgefragt oder überhaupt nötig? Derlei Situationen habe ich schon oft beobachtet.

„Und woher weiß ich denn, ob der andere es wirklich weiß oder nicht? Vielleicht spielt er ja nur den Starken.“

Nach meiner Auffassung kann man schon feststellen ob jemand den „Strahlemann“ gibt, also nur „schauspielert“. Na und die aufgesetzten Starken – so „mancher Adler wurde schon zum Suppenhuhn“. Aber das macht unser Leben doch so reizvoll: viele Menschen und alle sind verschieden. Stell dir einmal vor, wir beiden dächten, fühlten und handelten in der gleichen Verhaltensstruktur. Und das übertragen auf die gesamte Weltbevölkerung – nur wenig würde geredet oder geschrieben. Jeder Satz endet dann mit: ich empfinde genau so wie du. Doch langweilig?

Ulli

Ahura Mazda
16.05.2008, 07:57
...

Bist du dir da so sicher, das Menschen, welche eine besondere Ausstrahlung haben, darum nicht wissen? Vielleicht gehen sie mit dieser Eigenschaft nur sehr sorgsam um? Wenn wir meinen, anderen ein „positives feedback“ geben zu müssen, kann dieses ja in der Absicht geschehen, in irgendeiner Weise zu motivieren. Hat der so motivierte die Motivation abgefragt oder überhaupt nötig? Derlei Situationen habe ich schon oft beobachtet...

Ulli

Ich persönlich denke sehr wohl, dass es diese Menschen gibt welche nicht um Ihre Ausstrahlung wissen, so wollte ich mir vorbehalten dass auch jedes Schloss seinen eigenen Schlüssel hat, so kann ein Mensch welcher auf den Größtteil der Menschheit abstossend oder abschreckend wirkt in einer einzelne Person doch etwas hervorrufen was vielleicht unsere gleichgerichtete Gesellschaft nicht schafft.
Wenn sich zwei solcher Menschern gefunden haben, denke ich können sie sich sehr viel geben, und hier ist zu Anfangs vielleicht doch ein Danke angebracht.

Gruß Andreas

Moritz
16.05.2008, 17:57
Aber das macht unser Leben doch so reizvoll: viele Menschen und alle sind verschieden. Stell dir einmal vor, wir beiden dächten, fühlten und handelten in der gleichen Verhaltensstruktur. Und das übertragen auf die gesamte Weltbevölkerung – nur wenig würde geredet oder geschrieben. Jeder Satz endet dann mit: ich empfinde genau so wie du. Doch langweilig?

Hallo Ulli,

ich bin da inhaltlich voll und ganz bei Dir. Ich frage mich nur gerade warum Du mir einen solchen Grundsatzvortrag hältst. Bin ich so rübergekommen, als dass ich keine andere Meinung gelten lasse? Das täte mir leid. So war es nicht gemeint, so soll es auch nicht sein.

Wie es scheint (zumindest mir) haben wir grundverschiedene Herangehensweisen an das Gedicht. Romantischer Träumer der ich bin, lese ich das Gedicht in seiner idealtypischen Form. Sprich gemeint sind für mich die Menschen, die einfach mal eine Bestätigung brauchen und gemeint sind die Menschen, die sie nicht geben um daran Forderungen zu knüpfen. Aus dieser Warte kann ich das Gedicht nur gut finden.

Du hingegen (so erscheint es mir!) gehst da eher sachlich, rationell dran. Du siehst/suchst die Haken die einer idealtypischen Umsetzung des Gedichtes im Wege stehen. Vielleicht durch das Wissen, dass der Mensch eben nicht idealtypisch ist. Dem ist wohl so. Insofern kann ich Deine Bedenken durchaus nachvollziehen.

Aber auch wenn ich um die Schwächen der Menschen weiß, würde ich den Satz: Alle Menschen werden Brüder (Schiller lässt grüßen) jederzeit unterschreiben. Auch wenn ich weiß, dass es eine Utopie ist.

Es gibt ein sehr schönes Gedicht von Erich Kästner. Es heißt Sachliche Romanze und beschreibt akribisch die Folgen fehlender Kommunikation.

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

Erich Kästner


(Das gibt es übrigens auch vertont von Herman van Veen, aber das nur am Rande.)

Das ist für mich eine Horrorvorstellung. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass ich lieber zehnmal zuviel meiner Frau oder meinem Kind meine Liebe erkläre als auch nur einmal zu wenig. (Und das kann auch mal nur ein in den Arm nehmen und drücken sein, klar.)

Und ja, unter Freunden geht das auch still. Aber es geht!

Aber ich denke, dass wir beide alt genug sind um sagen zu können, dass jeder auf seine Weise bisher gut gefahren ist. Es liegt mir fern Dich "umerziehen" zu wollen, würde mich aber freuen, wenn Du verstehst, warum ich anderer Meinung bin.

Gruß

Markus

Ulli
16.05.2008, 22:40
Hallo Markus,

„ich bin da inhaltlich voll und ganz bei Dir. Ich frage mich nur gerade warum Du mir einen solchen Grundsatzvortrag hältst. Bin ich so rübergekommen, als dass ich keine andere Meinung gelten lasse? Das täte mir leid. So war es nicht gemeint, so soll es auch nicht sein.“

Grundsatzvortrag? Oh nein, ich doch nicht. Da bin ich der letzte, wenn nicht sogar der Allerletzte, der denn dieses täte. Das wäre ja ein Monolog – also genau dass, was ich überhaupt nicht mag.

Die analytische Betrachtung unserer beiden differenten Interpretationsweisen der Gedichte, welche du vorgenommen hast, trifft es exakt. Ist bei mir auch wohl beruflich bedingt. Natürlich träume ich auch. Wer nicht träumt, der nicht lebt. Und natürlich werden oder sind alle Menschen Brüder und Schwestern. Nur dass ist dir sicherlich auch bewusst, Geschwister pflegen unterschiedlich zu sein. Jeder Mensch ist anders, jedes Familienmitglied ist anders. Und wieder meine These: sonst wärs´ langweilig – und zu einfach. Und um auf das Träumen zurückzukommen: ich finde man sollte immer versuchen, ein kleines Teilchen seines Traumes zu verwirklichen. Sonst bleibt man in seiner Entwicklung stehen. Jetzt ist natürlich nicht primär die Million a´ Konto gemeint.

Das Gedicht von Erich Kästner finde ich sehr schön und treffend. Es ist mit einfachen, wohlgesetzten Worten formuliert und enthält in jeder Zeile eine nachvollziehbare Aussage. Ich lese es einmal, etwas später noch einmal – inzwischen war ich eine Stunde mit Frau und Hund spazieren, habe mir so meine ersten Gedanken gemacht. Für mich ist die Sache aber mit der letzten Zeile nicht vorbei, ich frage mich, wie kann es für die beiden weitergehen? Irgendwann nach Hause – weitermachen wie bisher, von Stunde zu Stunde, Tag zu Tag, Woche zu Woche so weiterleben? Reden die beiden miteinander, finden wieder einen Weg zu einem gemeinsamen Leben? 8 Jahre sind ja doch schon mal eins mehr wie die berühmt-berüchtigten 7 Jahre, man wirft so etwas nicht einfach weg. Kriegen sie die „Kurve“ – oder waren sie sich schon vorher nicht darüber im Klaren, was sie voneinander miteinander zu erwarten hatten? Die Situation ist alltäglich – aber es ist verwerflich, in der beschriebenen Situation jetzt nicht daran zu arbeiten. Nicht weiterzumachen, egal in welche Richtung.

Na, und einen „Umerziehungsversuch“ habe ich niemals gesehen. Ich finde es einfach gut, dass wir (alle, die da so in die Tasten hauen) hier schreiben und unsere „Seelen aneinander reiben“. Das schärft den gesunden Menschenverstand. Öffnet den Blickwinkel. Ich gehe gern auf eine Party mit der „falschen“ Meinung, dann kommt man mit anderen Menschen ins Gespräch.

Viele Grüße

Ulli

Ulli
16.05.2008, 22:57
Hallo Andreas,

„so kann ein Mensch welcher auf den Größtteil der Menschheit abstossend oder abschreckend wirkt in einer einzelne Person doch etwas hervorrufen was vielleicht unsere gleichgerichtete Gesellschaft nicht schafft.“

Aus meiner Sicht: man kann aus einem „Negativbeispiel“ lernen, indem man sich von solchen Verhaltensweisen distanziert und sich selbst in seinem Verhalten positiv verändert. Und die „gleichgerichtete Gesellschaft“ wird nicht darauf bedacht sein, dass wir uns im für uns positiven Sinne ändern, wir sind erst als vollwertiges Mitglied akzeptiert, wenn wir uns ihr anpassen und nach ihr ausrichten.

„Wenn sich zwei solcher Menschern gefunden haben, denke ich können sie sich sehr viel geben, und hier ist zu Anfangs vielleicht doch ein Danke angebracht.“
Na gut, wenn man dem Betreffenden nicht gleich um den Hals fallen muss. Nein Scherz. Aber findest du nicht auch, dass es statt dem Wort „Danke“ vielleicht schöner ist, einfach den Kontakt zu halten, den Dialog nicht abreißen lässt? Applaus ist das Brot des Künstlers. Applaus ist aber auch, wenn man die Beachtung, die spürbare, persönliche Wertschätzung nicht entzogen bekommt.

Viele Grüße

Ulli

Moritz
16.05.2008, 23:12
Guten Abend Ulli,

das finde ich spannend, weißt Du das? Ich kenne das Gedicht seit knapp 20 Jahren. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, wie es für das Paar weitergehen könnte. Du hast Recht, so wie es war kann/darf/soll es nicht weitergehen. Ohne Frage. Aber mein Augenmerk war immer: wie komme ich gar nicht erst da hin?:hmmm:

Du spielst gerne den Advocatus Diaboli? Dann kennst Du sicher das Gefühl angemacht zu werden, nur weil man andere auffordert mal über den Tellerrand hinauszublicken und in eine andere Richtung zu denken.

Einen schönen Abend noch

Markus

P.S. Und ich hätte nichts gegen so etwas profanes wie eine Million Taler auf der Bank. Nein, nein :no: :icon_smile_lachuh:

Ulli
17.05.2008, 11:51
Hallo Markus,

Die Sache mit der Perspektive: Zum Teller hin / vom Teller weg.

Man sieht sich selbst, man ist sich bewusst, wo man sich aktuell befindet und auch im Klaren darüber – wohin man möchte und wohin nicht.

Kann man sich von Jemandem, der nicht in der Lage ist, über den Tellerrand zu blicken oder dieses nicht tun möchte, da sonst seine „heile Welt“ zerbricht, angemacht fühlen? Die Menschen, die mitten auf dem Teller sitzen, am Kaffeehaustisch in ihren Tassen rühren und ihre Situation beweinen, sehen nicht die vielen Blumen, den Weg der sich gabelt, die Sonne die scheint und wärmt. Sie kennen nur „ja“ und „nein“, schwarz und weiß, falsch und richtig. Die vielen Nuancen, die das Leben dazwischen bietet, sehen sie nicht und wollen sie nicht sehen. Die Melodie, die das Leben summt, bleibt ihnen verschlossen. Kann jemand der Farbenblind ist, die Farben erklären? Im Grunde tun mir diese Menschen leid. Also „Anmache“ aus dem Zentrum des Tellers? Eindeutig: nein.

Na, und die Sache mit dem Geld. Hatte ich doch bewusst den Faktor „Geld“ ausgeklammert. Hatte schon geahnt, wohin die Reise geht. Aber im „post Scriptum“ taucht es dann wieder auf. 1 Mio Taler entsprechen 3 Mio DM. Das sind nach aktueller Währung ca. 1,5 Mio €uro. Nicht gerade bescheiden. Pardon, Intention und Verifizierung der Berechnung ist nur als Scherz zu verstehen.

Die Anrede „du“ bezieht sich im Folgenden nicht auf dich, sondern stellt den Bezug zum Menschen im Allgemeinen dar. Geld ist nicht alles im Leben. Wenn du vorher nicht zufrieden bist, mit dir und deinem Umfeld im Reinen, hilft dir Geld auch nicht weiter. Für eine kurze Momentaufnahme deines Lebens bist du satt. Dann kommt wieder der Hunger. Am Ende wirst auch du mitten auf dem Teller am Kaffeehaustisch sitzen. Du wirst zwar gesehen, siehst aber selber nicht.

Im anderen Fall, also bei persönlicher Ausgeglichenheit, wirst du „Geld“ sinnvoll nutzen. Für dich, deine nächsten und auch andere, denen du vielleicht helfen kannst. Denke einmal an die Erdbebenopfer in China, die Leidtragenden der Unwetterkatastrophen von Birma.

Ein Geschäftspartner traf einmal die Aussage: „Der wichtigste Kunde ist die Familie. Wer hier keine Zufriedenheit und Einklang schafft, kriegt es auch im Beruf nicht gebacken“ Philosophie eines Kaufmannes. Dem ist nichts hinzuzusetzen.

Ein schönes WE

Ulli

Ahura Mazda
17.05.2008, 13:12
...die „gleichgerichtete Gesellschaft“ wird nicht darauf bedacht sein, dass wir uns im für uns positiven Sinne ändern, wir sind erst als vollwertiges Mitglied akzeptiert, wenn wir uns ihr anpassen und nach ihr ausrichten...


Viele Grüße

Ulli


Auch hierzu etwas lyrisches

Der Weise König

Einst herrschte in der fernen Stadt Wirani ein König, der zugleich mächtig und weise war. Er wurde gefürchtet ob seiner Macht und geliebt seiner Weisheit.
Nun gab es im Herzen jener Stadt einen Brunnen, dessen Wasser kühl und klar war wie Kristall, aus dem alle Bewohner tranken auch, auch der König und seine Höflinge, denn es gab keinen anderen Brunnen.
Eines Nachts als alle schliefen, kam eine Hexe in die Stadt und goss sieben Tropfen seltsamer Flüssigkeit in den Brunnen und sagte:"Wer von dieser Stunde an von diesem Wasser trinkt, der soll verrückt werden". Am nächsten Morgen tranken alle Bewohner außer dem König und seinem Kämmerer aus dem Brunnen und wurden verrückt, genau wie die Hexe es vorausgesagt hatte.
Und den ganzen Tag über taten die Leute in den engen Gassen und auf den Marktplätzen nichts anderes, als einander zuzuflüstern; "Der König ist verrückt. Unser König und sein Kämmerer haben den Verstand verloren.
Wir können auf keinem Fall von einem verrückten König regiert werden. Wir müssen Ihn enttrohnen."
Am selben Abend befahl der König, dass ein goldener Becher mit Wasser aus dem Brunnen gefüllt wird. Und als man Ihm den Becher brachte, tat er daraus einen tiefen schluck und gab ihn auch seinem Kämmerer, um daraus zu trinken.
Und es war eine große Freude in der fernen Stadt Wirani, denn ihr König und sein Kämmerer hatten Ihren Verstand zurück.

Autor: Khalil Gibran

Nicht nur dass naheliegendste sehen, ruhig zweimal lesen.

Ulli
19.05.2008, 20:01
Hallo Andreas,

lange nachgedacht. Eigentlich kann der Sachverhalt nicht ohne weitere Informationen beurteilt werden, wenn man nicht „präjudizieren“ möchte. Was ist „verrückt“? Was ist „normal“, was ist „Weisheit“?

Aus welcher Perspektive heraus betrachten wir das Geschehen? Waren alle Bürger und ihre Regenten vor Genuss des kontaminierten Trinkwassers eventuell anders, also nicht normal? Hat dann das Volk, da es als erstes aus dem Brunnen trank, dadurch den gegensätzlichen Zustand, also die Normalität, erreicht? Den König und sein Gefolge somit also als nicht der Norm entsprechend betrachtet und Opposition bezogen? Oder aber waren wirklich alle, vor Beginn der Verabreichung der magischen Tropfen normal? Wenn der König dann seine „crazy people“ betrachtete und dennoch aus dem Brunnen trank, um nicht aus der durch das Verhalten seines Volkes neu definierten Norm heraus zu fallen, war er dann vielleicht dumm und keinesfalls als „weise“ zu bezeichnen? Oder klebte er, schlicht gesagt, nur an seiner Macht, wollte seine Position als Herrscher nicht verlieren? Wäre es aus königlicher Sicht nicht weise gewesen, abzuwarten bis die Wirkung des „Zaubertrankes“ beim Volk nachlässt? Also Besonnenheit zu wahren?

Nein, in der Geschichte wählt der König den einfachsten weg: er trinkt aus dem Quell der vermeintlichen Erkenntnis, gemeinsam mit seinem Kämmerer. Beide ordnen sich also in das konditionierte Volk ein. Er entgeht somit der drohenden Enttrohnung und damit dem Verlust seiner Macht.

Ulli

Ahura Mazda
19.05.2008, 20:52
Hallo Andreas,

lange nachgedacht. Eigentlich kann der Sachverhalt nicht ohne weitere Informationen beurteilt werden, wenn man nicht „präjudizieren“ möchte. Was ist „verrückt“? Was ist „normal“, was ist „Weisheit“?

Aus welcher Perspektive heraus betrachten wir das Geschehen? Waren alle Bürger und ihre Regenten vor Genuss des kontaminierten Trinkwassers eventuell anders, also nicht normal? Hat dann das Volk, da es als erstes aus dem Brunnen trank, dadurch den gegensätzlichen Zustand, also die Normalität, erreicht? Den König und sein Gefolge somit also als nicht der Norm entsprechend betrachtet und Opposition bezogen? Oder aber waren wirklich alle, vor Beginn der Verabreichung der magischen Tropfen normal? Wenn der König dann seine „crazy people“ betrachtete und dennoch aus dem Brunnen trank, um nicht aus der durch das Verhalten seines Volkes neu definierten Norm heraus zu fallen, war er dann vielleicht dumm und keinesfalls als „weise“ zu bezeichnen? Oder klebte er, schlicht gesagt, nur an seiner Macht, wollte seine Position als Herrscher nicht verlieren? Wäre es aus königlicher Sicht nicht weise gewesen, abzuwarten bis die Wirkung des „Zaubertrankes“ beim Volk nachlässt? Also Besonnenheit zu wahren?

Nein, in der Geschichte wählt der König den einfachsten weg: er trinkt aus dem Quell der vermeintlichen Erkenntnis, gemeinsam mit seinem Kämmerer. Beide ordnen sich also in das konditionierte Volk ein. Er entgeht somit der drohenden Enttrohnung und damit dem Verlust seiner Macht.

Ulli

Das ist die Vordergründige Geschichte, verschiedene Perspektiven ausgeleuchtet, aber wieder beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen was ist mit den Ursachen.
Mir stellt sich die Frage wer ist die Hexe und welches Gift verwendet Sie, könnte genau dein Thema sein Ulli.

Gruß Andreas

Ulli
19.05.2008, 22:15
Hallo Andreas,

. . . diese Frage, Andreas, kann dir wohl niemand kurz und knapp beantworten. „Brunnenvergifter“ hat es in der Vergangenheit gegeben, gibt es in unserer Gegenwart und wird es in der Zukunft, sofern wir daran teilhaben, geben. Die „Hexen“ und „Hexer“ sind vielgestaltig. Das Gift, welches sie in den Brunnen träufeln, ist der Sand, den man uns in die Augen streut. Damit wir die Dinge so sehen und beurteilen, wie sie es wollen. Selbstverständlich nicht aus unserer frei gewählten Sicht, sondern wir sollen die Perspektive so wählen, wie die „Magier“ es wünschen. Und unser Verhalten dann nach ihren Wünschen ausrichten. Wir glauben dann, wir hätten uns vernünftig, den Erfordernissen entsprechend, entschieden. Die alte Geschichte der „Strategeme“. Durch eigenes, kalkuliertes Agieren bringe ich meinen Gegenspieler dazu, in meinem Sinne zu reagieren, jedoch mit minimalem Einsatz meinerseits – aber zu meinem absoluten Vorteil.

Also: „Brunnenvergifter“ und „Brandstifter“ sind allgegenwärtig, in allen Bereichen. Kann also nicht abschließend definiert werden.

Ulli

Jumalia
02.06.2008, 09:48
Von Edmund Spenser, geb. 1552, bedeutender Dichter der englischen Reneaissance.

XLIX

Warum, oh Schöne bist du voller Grimm?
Wohl deshalb, weil dein Auge töten kann?
Den wahrhaft Starken schmückt jedoch- vernimm!-
die Milde: Mächtig ist wer sie gewann!
Und wenn dein Blick ein grausammer Tyran
sein will, dann marter wenigsten den Feind,
nicht aber einen makellosen Mann,
der es doch niemals böse mit dir meint.
Den Gegner, schau ihn an, bis er versteint.
Und sei ein Basilisk! Und sei ein Biest!
Nur jenen, der in Demut vor dir weint,
gib Milde, wenn du auf ihn niedersiehst.
Denn Milde ist die allerschönste Zier:
So lebst du fort und schenkst das Leben mir.

Jumalia

Kater
03.06.2008, 14:55
Wer ist denn gemeint?
Britomart ?
Ist das Zitat aus "The Faerie Queene" ?

Jumalia
03.06.2008, 15:13
Wer ist denn gemeint?
Britomart ?
Ist das Zitat aus "The Faerie Queene" ?

Hallo Kater!

Gemeint ist damit die Tochter von König Ryence, ich glaub sie hieß Elisabeth.

Ja ist es, Britonat verkündigt der Königin das sie ihr Erbe verteidigen muß und das ihr Sohn das Erbe von König Arthus antreten wird.

LG. Jumalia

Kater
03.06.2008, 15:20
Haben Sie die deutsche, oder die englische Ausgabe?

Jumalia
03.06.2008, 15:46
Haben Sie die deutsche, oder die englische Ausgabe?

Liebe Kater!

Leider weder noch, ich habe einen Teil bei einem Freund (auf Deutsch)am Wochenende gelesen, weil es mir gut gefiehl habe ich dann mal einen Teil hier reingesetzt.
Ich mag Gedichte, that's all!

LG. Jumalia

Kater
03.06.2008, 16:00
Liebe Kater!

Leider weder noch, ich habe einen Teil bei einem Freund (auf Deutsch)am Wochenende gelesen, weil es mir gut gefiehl habe ich dann mal einen Teil hier reingesetzt.
Ich mag Gedichte, that's all!

LG. Jumalia

Liebe Jumalia,

( dann hoffe ich mal, daß sich besagter Herr weiterhin Ihrer Gunst erfreut.)
;-) verbringen Sie bitte noch weitere schöne Wochenenden dort und seien Sie bitte so freundlich sich Tittel oder ISBN zu merken, und an mich weiterzugeben ;-)

Liebe Grüße
Kater

Jumalia
03.06.2008, 18:19
Liebe Kater!


( dann hoffe ich mal, daß sich besagter Herr weiterhin Ihrer Gunst erfreut.)
;-) verbringen Sie bitte noch weitere schöne Wochenenden dort und seien Sie bitte so freundlich sich Tittel oder ISBN zu merken, und an mich weiterzugeben ;-)
Räusper ich kenne ihn schon sehr lange, es wäre unmöglich das er meine Gunst verliert. Nach der ISBN frage ich nächstesmal.

Noch ein wichtiger Aspekt zu dem Epos:
Auf den Namen Elisabeth, der im ganzen Epos nicht genannt wird, spielt Spencer interessanterweise in den letzten beiden Zeilen der "Mutalibitie Cantos" an.
Der Sprecher beschwört:
Him that is the god of Sabaoth hight.
Oh that gread Sabaoth God, graunt me that Sabaoths sight (7.8.2)
Hebräisch Eli bedeutet Gott, so das "Sabaoth God" als direkte Umschreibung des Namen Elisabeth gesehen werden kann.
Die ganze Faerie queene kreist um die Nennung oder Verschleierung des Namens, " Eli-sabeth".

Zu finden auch unter Google:
Versepos the Faerie queene Von Ulrike Horstmann, Ulrich Horstmann

LG. Jumalia

Kater
03.06.2008, 19:37
Fein, ich freu mich!

Ulli
11.08.2008, 22:21
Hallo und guten Abend,

einmal keine Gedichte, aber vielleicht auch ganz nett:

Wenn du dein Leben verändern willst:
Beginne sofort.
Tue es mit heißem Herzen,
Dulde keine Ausreden.
William James

Wenn du deine Überzeugung lebst,
kannst du die Welt verändern.
Henry David Thoreau


Viele Grüße

Ulli

manekineko
12.08.2008, 17:21
Und wie wäre das hier? Es geht um den der FMei wichtigen biblischen Schmied Tubal Kain und seinen Halbbruder Jubal, den ersten Dichter, die das auch im Studierzimmermonolog („Faust") angesprochene und im FM-Gelöbnis formulierte Dilemma verkörpern: Was ist das Wort ohne Tat?

JUBAL AND TUBAL CAIN
by Bro. Rudyard Kipling

Jubal sang of the wrath of God
And the curse of thistle and thorn,
But Tubal got him a pointed rod
And scrambled the earth for corn.
Old - old as that early mould,
Young as the sprouting grain-
Yearly green is the strife between

Jubal and Tubal Cain!

Jubal sang of the new found sea,
And the love that its waves divide:
But Tubal hollowed a fallen tree
And passed to the farther side.
Black - black as the hurricane wrack,
Salt as the under main
Bitter and cold is the hate they hold -

Jubal and Tubal Cain!

Jubal sang of the golden years,
When wars and wounds shall cease;
But Tubal fashioned the hand-flung spears
And showed his neighbors peace.
New - new as the nine-point-two,
Older than Lamech's slain
Roaring and loud is the feud avowed, 'twixt

Jubal and Tubal Cain!

Jubal sang of the cliffs that bar
And the peaks that none may crown
But Tubal clambered by jut and scar,
And there he builded a town.
High - high as the snowsheds lie,
Low as the culverts drain
Wherever they be, they can never agree-

Jubal and Tubal Cain!

Ulli
12.08.2008, 21:56
Hallo manekineko.

. . . das ist sehr interessant, aber da das "Wort ohne Tat" eigentlich leer verhallt, werde ich mich jetzt daran begeben, mir den Inhalt der Verse zu erschließen.

Das Lexikon hat mir verraten, dass Jubal und Tubal-Cain Halbbrüder waren. Von ihren Neigungen her eigentlich gegensätzlich - Musik und Schmiedekunst. Aber vielleicht auch nicht? Und bei Rudyard Kipling fällt einem sofort das Dschungelbuch ein. Interessant jedoch, was er in seinem Leben alles geschrieben hat. Und dass er eben ein Freimaurer war.

Ulli

manekineko
12.08.2008, 23:06
noch ein gruß vom br.: kipling über seine mutterloge in lahore/indien. das dschungelbuch mit mowglis inititation ins freie volk der wölfe, dem meisterwort und dem hinkenden tiger shir khan ist übrigens voll maurerischer symbolik.

Meine Mutterloge

Rundle, Bezirkswachtmeister,
Und Beazley, vom Eisenbahnamt,
Donkin, Gefangenenaufseher,
Und Achmann, der Intendant.
Und Blake, der Seargent Conductor,
(War Meister im doppelten Sinn),
Er saß mit Krämer Eduljee
Im selben Laden drin.

Draußen: "Seargent! Sir! Salute" Salam!"
Ein dienstbeflissen Gesicht!
Doch drinnen nur: "Mein Bruder!"
Mit Rang‐ und Titelverzicht.
Die Waage und dazu der Winkel,
Macht alles Ungleiche gleich.
Und ich war zweiter Schaffer
In jener Loge Bereich.

Der Rechnungsführer Bola,
Jud Saul, der Aden entstammt,
Der Zeichner Din Mohammad,
Vom Feldvermessungsamt,
Und Babu Chuckerbutty,
Und Amir Singh, der Sikh,
Und Schuppenverwalter Castro,
Ein römischer Katholik.

lm Monat eine Arbeit,
Dann saß man rauchend beisamm.
Ein festlich Mahl gab's höchstens,
Wenn einer Abschied nahm.
Dann saßen wir und sprachen
Von des einen Gottes Land,
Und jeder sprach von dem Seinen,
So wie er ihn verstand.
Ein jeder kam zu Worte,
Und keiner brach den Bann,
Bis mit dem Rufe der Vögel
Der neue Tag begann.
Ergötzlich war's. Wir gingen
Und tauschten noch zu Haus'
Mit Gott, mit Mahomet und Schiwa
Im Bett die Gedanken aus.

Wie oft in Königs Diensten
Ermattete mein Fuß!
Wie oft in fremde Logen
Bracht' ich der Loge Gruß!
Vom Bergland hoch im Norden
Ans Meer, bis Singapur.
Ich wollt', ich stände wieder
Vor meiner Mutter Tor.
Unser Tempel war eigentlich dürftig,
Die Loge ein kahler Bau.
Doch unsere Alten Pflichten
Die nahmen wir haargenau.
Und schau ich träumend rückwärts,
Kommt immer mir's in den Sinn:
Wir lebten vielleicht wie die Heiden
Und doch war Gott mitten drin.

Ich wollt', ich säh sie wieder,
Die Brüder weiß und braun.
Ich wollt', ich könnte noch einmal
Die Mutterloge schaun.
Den schläfrigen Tempelhüter
Und das alte Logenheim!
Ich wollt', ich kehrte in Ehren
Zu meiner Mutter heim!

Draußen: "Seargent! Sir! Salute" Salam!"
Ein dienstbeflissen Gesicht!
Doch drinnen nur: "Mein Bruder!"
Mit Rang‐ und Titelverzicht.
Die Waage und dazu der Winkel,
Macht alles Ungleiche gleich.
Und ich war zweiter Schaffer
In jener Loge Bereich.

Jumalia
18.08.2008, 09:10
Von Goethe:


Verschwiegenheit


Wenn die Liebeste zum Erwidern
Blick auf Liebesblicke beut,
Singt ein Dichter gern in Liedern,
Wie ein solches Glück erfreut!
Aber Schweigen bringet Fülle
Reicheren Vertrauns zurück;
Leise, leise! Stille, stille!
Das ist erst das wahre Glück.
Wenn den Krieger wild Getöse,
Tromm'l und Pauken aufgeregt,
Er den Feind in aller Blöße
Schmetternd über Länder schlägt,
Nimmt er wegen Siegsverheerung
Gern den Ruhm, den lauten, an,
Wenn verheimlichte Verehrung
Seiner Wohltat wohlgetan.
Heil uns! Wir verbundne Brüder
Wissen doch, was keiner weiß;
Ja, sogar bekannte Lieder
Hüllen sich in unsern Kreis.
Niemand soll und wird es schauen,
Was einander wir vertraut;
Denn auf Schweigen und Vertrauen
Ist der Tempel aufgebaut.


LG. Jumalia

Skimble
18.08.2008, 17:10
das kenn ich und schätze ich das einzige was ich nicht verstehe und immer zerhacke ist der anfang Wenn die Liebeste zum Erwidern
Blick auf Liebesblicke beut
kann mir den satz jemand erklären ich raf den irgentwie nicht


LG Skimble

Ulli
18.08.2008, 19:50
Hallo skimble,

vielleicht bedeutet jene Zeile, dass sich zwei Menschen einfach ohne Worte, im Schweigen, sich verstehen. Und ihre wortlose Kommunikation eben halt auf ihrem "visuellen" Kontakt und ihrer Verbundenheit "beut" (= baut)???

Ansonsten - ein Freimaurergedicht? Ich denke schon.

Viele Grüße

Ulli

Ritter Roland
18.08.2008, 23:23
Hallo,

das sehe ich auch so wie Ulli. Du wirfst der Liebsten liebende Blicke zu, auf welche sie ihre liebenden Blicke drauf baut, also erwiedert, und das ganze in Schweigen gehüllt. Vielleicht der Moment, in welchem beide entdecken, dass eine Zuneigung zwischen ihnen besteht?

manekineko
19.08.2008, 17:46
Wenn die Liebeste zum Erwidern
Blick auf Liebesblicke beut

Da muss ich leider widersprechen. „Beut" bedeutet „bietet" und keineswegs „baut". Wenn also die Liebende als Antwort auf seine Liebesblicke ihrerseits einen Liebesblick zurückschickt, um selbst wieder einen zu bekommen. Ein perpetuum mobile der Zärtlichkeit also.

Ritter Roland
19.08.2008, 18:00
Nunja,
haben wir wieder 'was gelernt :yes:

Ulli
19.08.2008, 19:35
Hallo manekineko,

"Ein perpetuum mobile der Zärtlichkeit also." - etwas was nach den Gesetzen der Physik also gar nicht funktionieren kann, da ja bekanntlich immer "Reibungsverluste" entstehen und den Ablauf bremsen?

Viele Grüße

Ulli

manekineko
19.08.2008, 19:46
Das Schöne an der Kunst ist ja, dass sie die Gesetze der Physik außer Kraft setzen kann. Wenigstens in der Gegenwelt der Dichtung können wir uns den Zauber unserer Illusionen also bewahren

Jumalia
06.10.2008, 21:35
das kenn ich und schätze ich das einzige was ich nicht verstehe und immer zerhacke ist der anfang
kann mir den satz jemand erklären ich raf den irgentwie nicht


LG Skimble


Interpretationen sind ja immer so eine Sache.....


Wenn die Liebeste zum Erwidern
Blick auf Liebesblicke beut

Im Dict. fand ich das Wort:

er beut [veraltet, geh.: bietet] he offers


Blick auf Liebesblick gebietet....?

LG.Jumalia

manekineko
06.10.2008, 23:59
pardon, irrtum (wie schon oben angemerkt):
nicht gebietet, das heißt ja befiehlt!

sondern bietet im sinn von darbietet

Ulli
07.10.2008, 20:46
Hallo manekineko,

Jumalia möchte hier sicherlich das zum Ausdruck bringen, was das Wörterbuch hergibt: er beut stellt demzufolge die veraltete, jedoch im Ausdruck gehobene Form der Feststellung "er bietet" dar. Auch durch den englischen Begriff "he offers" begrifflich eindeutiger ausgedrückt. Gebietet in Form von Befehlen kann ich so nicht auf den ersten Blick bei Jumalia herausinterpretieren.

Viele Grüße

Ulli

Jumalia
07.10.2008, 22:16
Hallo manekineko,

Jumalia möchte hier sicherlich das zum Ausdruck bringen, was das Wörterbuch hergibt: er beut stellt demzufolge die veraltete, jedoch im Ausdruck gehobene Form der Feststellung "er bietet" dar. Auch durch den englischen Begriff "he offers" begrifflich eindeutiger ausgedrückt. Gebietet in Form von Befehlen kann ich so nicht auf den ersten Blick bei Jumalia herausinterpretieren.

Viele Grüße

Ulli


Ich hab es schon als etwas das "verlangt" wird in Form von gebietet verstanden.

Wenn ich mir jetzt so einen schmalzigen Liebesblick vorstelle, erwartet der Sender ja sicher das da was zurückkommt oder?
Man nennt es ja auch schmachtende Blicke......nicht vergessen ich bin unromantisch.

LG.Jumalia

Jumalia
07.10.2008, 23:16
da fühlt sich nun der alte literaturwissenschafter manekineko aufgerufen. also:

Ja das liegt dir wirklich gut "smile". Warum hast du denn den Text weggemacht, der war doch gut!

LG.Jumalia

manekineko
07.10.2008, 23:24
weil das system spinnt und mir dauernd alles bis auf die 1. zeile löscht! aber für dich nochmals.

„beut" heißt „bietet" im sinne von darbieten und nichts sonst. „gebieten" hieße „gebeut" im sinne von anordnen, befehlen. denken wir an schillers „bürgschaft": „wie die pflicht ihm gebeut"

Wenn die Liebste zum Erwidern
Blick auf Liebesblicke beut,
Singt ein Dichter gern in Liedern,
Wie ein solches Glück erfreut!
Aber Schweigen bringet Fülle
Reicheren Vertrauns zurück;
Leise, leise! Stille, stille!
Das ist erst das wahre Glück.

das heißt in heutiger sprache:

Wenn die Liebste zum Erwidern
Blick auf Liebesblicke bietet.

das ist eine verlockungs- oder verführungssituation unter liebesleuten: die liebste bietet dem geliebten den (freien) blick auf ihre liebesblicke, damit er diese blicke erwidert. und so weiter, eine perpetuum-mobile-situation

Jumalia
08.10.2008, 06:53
Ach so hab mich schon gewundert! Noch ein Gedicht von Goethe:





Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Glaubte Goethe an Reimkarnation?



LG.Jumalia

manekineko
08.10.2008, 07:21
Ein Klassiker von Br.: Matthias Claudius


Der Mensch


Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr,
5 Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränlein dar,
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr,
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
10 Hält nichts und alles wahr,
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar,
Schläft, wachet, wächst und zehret
Trägt braun und graues Haar.
15 Und alles dieses währet,
Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.
Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kömmt nimmer wieder.