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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Utilitarismus vs. Kant in der Freimaurerei


Demon891
12.02.2008, 09:04
So ich dachte mir ich sorg mal für ein bischen Gesprächsstoff :hmmm:

Meine Frage:

Könnte man die Freimaurerei als Utilitaristisch einstufen? Wenn ja, warum war dann Kant, der ja vollkommen anders dachte, ein Freimaurer?

Ist eigentlich (in Sachen Kant) ein Endlosthema aber ich dachte mir es kommen bestimmt interessante Antworten :yes:

Penta
12.02.2008, 12:30
So ich dachte mir ich sorg mal für ein bischen Gesprächsstoff :hmmm:

Meine Frage:

Könnte man die Freimaurerei als Utilitaristisch einstufen? Wenn ja, warum war dann Kant, der ja vollkommen anders dachte, ein Freimaurer?

Ist eigentlich (in Sachen Kant) ein Endlosthema aber ich dachte mir es kommen bestimmt interessante Antworten :yes:

Hi Daimon, äh, Dämon, ups Demon,

Sie finden im Internationalen FM-Lexikon (Lennhoff/Posner/Binder), S. 452, dass Kant kein FM war, aber möglicherweise durch enge Freundschaften zu Freimaurern der FM gedanklich nahe stand.

In demselben Lexikon auf S. 866 ein weiterer Artikel über U..
Danach soll sich über das rein Utilitaristische nach Ansicht mancher Freimaurer eine Welt höherer ethischer Normen erheben.

Ich selbst finde jedoch Epikur, Heraklit, Platon, Seneca, Wittgenstein und das Tao Te King weltanschaulich reizvoll. Und gehöre zur Evangelischen Kirche.

Bei Ihrer Fragestellung müsste für Sie der großartige Band von Bernardo: Die Freimaurer und ihr Menschenbild, Passagen 1998, interessant sein.

Demon891
12.02.2008, 13:20
Ist mein Name so schwer? :rolleyes2:

Also meines Wissens war Kant ein Freimaurer. Ich kann dies allerdings nun nicht beweisen da ich mir nicht mehr sicher bin wo ich es las.

Danke aber für den interessanten Buchtipp. Ich werde es mir mal genauer angucken :yes:

Vielleicht wissen ja andere hier genauer Bescheid, in Sachen Kant?

Penta
12.02.2008, 13:26
Ist mein Name so schwer? :rolleyes2:


Nööö. Aber ich spotte gern ein bisschen, wenn ich sehe, dass sich ein Mensch bei seinem Nickname etwas gedacht haben könnte. Fand die Daimon-Erzählungen bei Sokrates immer spannend und Goethes Daimon-Gedicht rezitier ich jedem, der's nicht hören will, so sehr begeistert es mich.

Also meines Wissens war Kant ein Freimaurer.

Leider nicht.

Danke aber für den interessanten Buchtipp. Ich werde es mir mal genauer angucken :yes:



Gern geschehen. Gehört zu den Perlen unter den Masonica in meiner Bibliothek.

Theschnuff
12.02.2008, 17:23
Fand die Daimon-Erzählungen bei Sokrates immer spannend und Goethes Daimon-Gedicht rezitier ich jedem, der's nicht hören will, so sehr begeistert es mich.


Hallo Penta,

bei mir muss auch immer der gute alte Goethe herhalten wenn es ums Menschliche geht:


Seh' ich die Werke der Meister an,
So seh' ich das, was sie getan;
Betracht' ich meine Siebensachen,
Seh' ich, was ich hätt sollen machen.

Die eigene Unvollkommenheit wollen wir ja erkennen und was dran ändern, oder...?

Penta
12.02.2008, 19:02
Seh' ich die Werke der Meister an,
So seh' ich das, was sie getan;
Betracht' ich meine Siebensachen,
Seh' ich, was ich hätt sollen machen.

Die eigene Unvollkommenheit wollen wir ja erkennen und was dran ändern, oder...?

Womit wir wieder beim Utilitarismus wären(?).

Demon891
12.02.2008, 22:39
Was hat denn die Unvollkommenheit mit dem Utilitarismus zu tun?
Utilitarismus möchte doch nur das Wohl für dir MEHRHEIT des Volkes.

Penta
12.02.2008, 23:26
Was hat denn die Unvollkommenheit mit dem Utilitarismus zu tun?
Utilitarismus möchte doch nur das Wohl für dir MEHRHEIT des Volkes.

Darauf wollte ich hinaus.

Man kommt bei diesem Thema nicht allzu weit, wenn man Ismen in der FM sucht. FM ist ein Symbolbund, der geistig strebenden Menschen Entfaltungsmöglichkeiten bietet, Brüderlichkeit zu erfahren und einzuüben.

Robert
18.02.2008, 23:32
Kant hatte einen derart geregelten Tagesablauf,
da war kein Platz für einen Abstecher in die Loge.
Er war kein Freimaurer. :-)

Mercenary
19.02.2008, 13:29
Hallo Demon, gnothi seauton zum Gruss


Was hat denn die Unvollkommenheit mit dem Utilitarismus zu tun?
Utilitarismus möchte doch nur das Wohl für dir MEHRHEIT des Volkes.

Utilitarismus als Prinzip der Nutzenmaximierung?

Die Unvollkommenheit des Utilitarismus läge zum Beispiel hier:
Wir finden auf ethischem Gebiet Tugenden, wie die „selbstlose Liebe“ und Fürsorge auch Greisen und unheilbar Kranken gegenüber, von denen endgültig keine entsprechende Gegenleistung noch sonst irgend ein Nutzen mehr zu erwarten ist. Menschen pflegen ihrer Eltern bis zum Tod mit hingebender Sorgfalt, und Trauern dann noch über ihren Verlust. Für einen Utilitaristen ist das nicht normal! Unter dem Gesichtspunkt des Utilitarismus sollte man diese Zü­ge eher als falsche Sentimentalitäten verurteilen. Sich von allem abkehren was nicht mehr nutzt, heisst das Wohl der Mehrheit des Volkes fördern. Solche Empfindlichkeiten sollten also um des Nutzens willen nicht entwickelt, sondern ausgerottet worden. Jeder, der ein gewisses Al­ter überschritten hat, oder wenigstens wirkliche Zeichen der Alterschwäche bietet, müsste als nutzlos und damit als Volksfeind betrachtet werden, und nicht pensionieren sollte man die Dienstunfähigen, sondern vergiften.

Utilitarismus also eine Art von Darwinismus oder Werte Kommunismus? Zudem der „Weisheitsliebende“ unter „Wohl“ entschieden etwas anderes versteht, als die Masse des Volkes, welche nicht versteht, daß auch ein König unglücklich sein kann.[1] (http://forum.freimaurer.org/showthread.php?p=5892#_ftn1)

Rolf

[1] (http://forum.freimaurer.org/showthread.php?p=5892#_ftnref1) nach Platon

Mainzer
25.05.2008, 08:46
Utilitarismus als Prinzip der Nutzenmaximierung?

Die Unvollkommenheit des Utilitarismus läge zum Beispiel hier:
Wir finden auf ethischem Gebiet Tugenden, wie die „selbstlose Liebe“ und Fürsorge auch Greisen und unheilbar Kranken gegenüber, von denen endgültig keine entsprechende Gegenleistung noch sonst irgend ein Nutzen mehr zu erwarten ist. Menschen pflegen ihrer Eltern bis zum Tod mit hingebender Sorgfalt, und Trauern dann noch über ihren Verlust. Für einen Utilitaristen ist das nicht normal!

Falsch! Utilitarismus ist nicht das materielle oder gar monetäre Bewerten von Situationen. Der Nutzenbegriff im Utilitarismus greift sehr viel weiter: Nutzen muss nicht (und wird in sehr vielen Fällen nicht) monetärer Art sein. Um bei ihrem Beispiel mit der Altenpflege zu bleiben, wäre für einen Utilitaristen eine vorstellbare Motivation zum Beispiel die Anerkennung der Gesellschaft für das, was er tut oder die Anerkennung/Dankbarkeit der geflegten Person selbst oder aber ganz einfach nur die die eigene Genugtuung, etwas "Gutes" gemacht zu haben.

Dabei verhät sich der Utilitarist in bester Homo-Oeconomicus-Manier (denn nichts anderes ist der Utilitarismus): Er maximiert seinen Nutzen unter Kosten-Nutzen-Aspekten: Übersteigen die (materiellen oder imateriellen) Nutzen (s.o) die Kosten (aufgewandte Zeit, negative Aspekte des Verrichtens der Arbeit an sich etc.), dann ist diese Handlung (der Utilitarismus ist eine Handlungstheorie!) auch unter utlitaristischen Gesichtspunkten absolut rational (Der Utilitarismus gehört zu den Rational-Choice-Ansätzen).

Unter dem Gesichtspunkt des Utilitarismus sollte man diese Zü*ge eher als falsche Sentimentalitäten verurteilen. Sich von allem abkehren was nicht mehr nutzt, heisst das Wohl der Mehrheit des Volkes fördern. Solche Empfindlichkeiten sollten also um des Nutzens willen nicht entwickelt, sondern ausgerottet worden. Jeder, der ein gewisses Al*ter überschritten hat, oder wenigstens wirkliche Zeichen der Alterschwäche bietet, müsste als nutzlos und damit als Volksfeind betrachtet werden, und nicht pensionieren sollte man die Dienstunfähigen, sondern vergiften.

Utilitarismus also eine Art von Darwinismus oder Werte Kommunismus?

Ich denke, das muss man nicht kommentieren.

Jumalia
25.05.2008, 09:06
Hallo Mainzer!
Zitat von Mercenary:

Solche Empfindlichkeiten sollten also um des Nutzens willen nicht entwickelt, sondern ausgerottet worden. Jeder, der ein gewisses Al­ter überschritten hat, oder wenigstens wirkliche Zeichen der Alterschwäche bietet, müsste als nutzlos und damit als Volksfeind betrachtet werden, und nicht pensionieren sollte man die Dienstunfähigen, sondern vergiften.

Puh harter Tobak, wenn dieser Mercenary morgen einen Unfall hätte, würde ich mir dann auch überlegen ob es sich lohnt ihn zu operieren, vielleicht ist er ja schon zu alt oder eh kein nützliches Mitglied der Gesellschaft.
Auf jeden Fall hätte man bei diesem Zitat, große Lust jemanden mal den Kopf zu waschen.
Jumalia

Mainzer
25.05.2008, 09:14
Wir finden auf ethischem Gebiet Tugenden, wie die „selbstlose Liebe“ und Fürsorge auch Greisen und unheilbar Kranken gegenüber, von denen endgültig keine entsprechende Gegenleistung noch sonst irgend ein Nutzen mehr zu erwarten ist. Menschen pflegen ihrer Eltern bis zum Tod mit hingebender Sorgfalt, und Trauern dann noch über ihren Verlust. Für einen Utilitaristen ist das nicht normal!

Noch ein kleiner Nachtrag: "Selbstlosigkeit", oder Altruismus, ist den Utilitaristen durchaus bekannt und spielt auch eine große Rolle in deren Handlungstheorien.

Nichts für Ungut, aber der Beitrag war eher unbrauchbar.