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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Suchender ohne Vorwissen


Hammurapi
02.02.2008, 09:20
Hallo liebe Freimaurer,

oft lese ich bei Euren Antworten, dass es für Euch einfacher wäre jemanden aufzunehmen, der im Grunde wenig Ahnung von den Details der Freimaurerei hat.

Ich vermute ihr seit da in einem gewissen Zwiespalt. Zum einen hättet Ihr gerne vermutlich Männer, die Eure Logen mit Interlekt und der richtigen Lebenseinstellung erfüllen können. Zum anderen sollten diese aber auch mit einer gewissen Unvoreingenommenheit auf euch zugehen.

Das Problem mit der Unvoreingenommenheit ist, dass dies in unserer Medien- und (Des-)Informationsgesellschaft oft schwierig ist.

Doch meine ich, dass eine gute geschichtliche und philosophische Grundlage für einen Suchenden sehr positiv wäre. Wer sich mit der Geschichte der Menschen und Ihren Denkern auseinandergesetzt hat, ist sicherlich nicht so leicht vom medialen "Tagesgeschäft" beeinflussbar.

Wie seht Ihr das?

Grüße,
Hammurapi

Ahura Mazda
02.02.2008, 09:36
Hallo liebe Freimaurer,

oft lese ich bei Euren Antworten, dass es für Euch einfacher wäre jemanden aufzunehmen, der im Grunde wenig Ahnung von den Details der Freimaurerei hat.

Ich vermute ihr seit da in einem gewissen Zwiespalt. Zum einen hättet Ihr gerne vermutlich Männer, die Eure Logen mit Interlekt und der richtigen Lebenseinstellung erfüllen können. Zum anderen sollten diese aber auch mit einer gewissen Unvoreingenommenheit auf euch zugehen.

Das Problem mit der Unvoreingenommenheit ist, dass dies in unserer Medien- und (Des-)Informationsgesellschaft oft schwierig ist.

Doch meine ich, dass eine gute geschichtliche und philosophische Grundlage für einen Suchenden sehr positiv wäre. Wer sich mit der Geschichte der Menschen und Ihren Denkern auseinandergesetzt hat, ist sicherlich nicht so leicht vom medialen "Tagesgeschäft" beeinflussbar.

Wie seht Ihr das?

Grüße,
Hammurapi

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat es weniger mit Intellekt zu tun, als mehr mit der richtigen Lebenseinstellung.
Man muss keinen besonderen Intellekt mitbringen um kritisch, aufrichtig, ehrlich, gerecht, großmütig zu sein.
Ich denke viel mehr, dass der Intellekt zwangsläufig zur Folge der Arbeit an sich selber wird und keine Voraussetzung für das Freimaurertum darstellt.
Mir persönlich ist der tumbe Einsidler so lieb wie der hochgebildete globetrotter wenn es "echte" Menschen sind!

Gruß Andreas

oberon
02.02.2008, 13:47
Lieber Hammurapi,

wie Du richtig geschrieben hast, geht es um Detailwissen. Natürlich sind Männer, die über fundierte Allgemeinbildung, Interesse an Geschichte, Philosophie usw. verfügen in keinerlei Nachteil.

Aber ein ehrlich Suchender muss nicht unbedingt die genauen Unterschiede der 5 deutschen Großlogen kennen oder unbedingt wissen, wie viele Vorträge (und ob) er halten muss, bis er in den Meistergrad kommt.

Informationsgesellschaft ist ein gutes Stichwort. Niemand kauft die Katze im Sack und man wird schon nervös, wenn man kein 14tägiges Rückgaberecht hat. Beides ist bei einem Logeneintritt in gewissem Maße gegeben.

Und so kommt man zu einer vielfach verschütteten Fähigkeit, die unserer Informationswelt eigentlich entgegen spricht: Sich vertrauensvoll in die Hände anderer begeben, ohne schon vorab zu wissen, was einen erwartet.

Das ist vielen Menschen fremd geworden. Und das ist es dann auch, was bei vielen Aufzunehmenden das Herz schneller schlagen lässt. Wer zu weit ins Detail geht, nimmt sich genau diese Erfahrung.

Viele Grüße,

Thomas

Theschnuff
03.02.2008, 11:27
Und so kommt man zu einer vielfach verschütteten Fähigkeit, die unserer Informationswelt eigentlich entgegen spricht: Sich vertrauensvoll in die Hände anderer begeben, ohne schon vorab zu wissen, was einen erwartet.

Das ist vielen Menschen fremd geworden. Und das ist es dann auch, was bei vielen Aufzunehmenden das Herz schneller schlagen lässt. Wer zu weit ins Detail geht, nimmt sich genau diese Erfahrung.

Da kann ich nur zustimmen. Ich bin ja genau in dieser Situation. Ich habe bei meinen Gesprächen mit Brüdern gemerkt, dass es durchaus von Vorteil ist, ein gewisses "Profanenwissen" über die Freimaurerei zu haben. Eine Unterhaltung läuft eben auch einfacher und flüssiger, wenn nicht jeder zweite Begriff neu erklärt werden muss.

Aber irgendwo ist natürlich eine Grenze. Wieso sollte man sich selbst betrügen, indem man die ja leider frei zugänglichen Texte und Rituale z.B. der Aufnahmen in den Lehrlingsgrad liest. Ich bin da natürlich bei meiner Recherche auch darüber gestolpert (bleibt wohl bei Internet-Recherchen nicht aus) und habe dann mitten im Lesen gemerkt, was ich da eigentlich auf dem Bildschirm habe. Und ich habe eine für mich ganz persönliche Regelung gefunden, wie ich damit umgehe:
1. Sofort aufgehört zu lesen, obwohl die menschliche Neugierde natürlich da war.
2. Ich habe beschlossen, das ich das, was ich bereits gelesen habe, nicht glaube!! Das wurde ganz gezielt mit dem Ziel der Desinformation veröffentlicht!

Denn ich möchte ja, dann, wenn es soweit sein sollte, völlig offen und leer diesem Ereignis gegenübertreten. Das schlimmste ist wohl, wenn eine Erwartungshaltung aufgebaut wird, die dann vielleicht nur zum Teil erfüllt wird.

In die Beziehung mit meiner heutigen Ehefrau habe ich mich vor vielen Jahren einfach fallen lassen, begierig auf jeden Tag an dem ich sie ein wenig besser kennenlernen konnte. Ähnlich sehe ich den Weg in die Freimaurerei: Es gibt ein Objekt der Begierde (der Bund, die Bruderschaft) - aber ich weiss nicht, was da alles noch dahintersteckt, was an faszinierendem noch kommen wird. Wie in einer Ehe oder Beziehung will ich etwas geben, was dem anderen Freude macht und sein Leben bereichert. Gleichzeitig soll diese enge Beziehung aber auch mein Leben erweitern und mich zu Dingen bringen die ich alleine nicht erfahren könnte.

oberon
03.02.2008, 11:47
Schön ausgedrückt, der Vergleich mit der Ehe.

Und ich kann Dich für Deine Selbstdisziplin nur beglückwünschen. Ich hatte das "Pech", dass ich noch gar nicht konkret vorhatte den Freimaurern beizutreten, als ich darüber gelesen hatte. Erst NACH dem Lesen entwickelte sich ein konkreter Wunsch.

So las ich ein Buch, in dem recht detailreich die englische Aufnahme beschrieben wurde. Ob richtig oder falsch mag jetzt mal dahingestellt sein.

Als dann meine Aufnahme kam, habe ich mich oft dabei erwischt, dass meine Gedanken zu dem Text wanderten und ich die Beschreibung mit dem verglich, was ich grade erlebe. Eine ganze Weile hatte ich dann schon das Gefühl, dadurch den "Spannungsbogen" im Ritual für mich gestört zu haben.

Zumindest hatte ich das Gefühl, einige Stellen zwar intellektuell mitbekommen, aber nicht emotional voll durchlebt zu haben. Daher rate ich jedem, sich um diese Details nicht zu kümmern.

Das emotionale Erlebnis kommt dann natürlich mit der Zeit, aber am Anfang hatte ich wirklich Sorge, dass etwas bei mir "nicht funktioniert" hätte.

Viele Grüße,

Thomas

Hammurapi
03.02.2008, 20:56
Hallo Oberon,

Lieber Hammurapi,

wie Du richtig geschrieben hast, geht es um Detailwissen. Natürlich sind Männer, die über fundierte Allgemeinbildung, Interesse an Geschichte, Philosophie usw. verfügen in keinerlei Nachteil.

Im Grunde hat ein Gästeabend mich dazu gebracht mich mit philosophischen Themen zu beschäftigen. Für diesen Schubs in die richtige Richtung bin ich im Nachhinein sehr dankbar.


Informationsgesellschaft ist ein gutes Stichwort. Niemand kauft die Katze im Sack und man wird schon nervös, wenn man kein 14tägiges Rückgaberecht hat. Beides ist bei einem Logeneintritt in gewissem Maße gegeben.

Und so kommt man zu einer vielfach verschütteten Fähigkeit, die unserer Informationswelt eigentlich entgegen spricht: Sich vertrauensvoll in die Hände anderer begeben, ohne schon vorab zu wissen, was einen erwartet.

Das ist vielen Menschen fremd geworden. Und das ist es dann auch, was bei vielen Aufzunehmenden das Herz schneller schlagen lässt. Wer zu weit ins Detail geht, nimmt sich genau diese Erfahrung.

Mit dem Vertrauen ist es so eine Sache. Wenn man sich seine Umwelt genau betrachtet ist das Mißtrauen insgesamt sogar auf dem Vormarsch.

Was den Beitritt zu einer Loge angeht hat man im Rahmen von Gästeabenden vermutlich genügend Zeit um herauszufinden, ob es mit dem Vertrauen funktionieren kann oder nicht.

Wie viele Gästeabende hat ein Suchender im Schnitt zur verfügung um das herauszufinden?

Grüße,
Hammurapi

oberon
03.02.2008, 21:23
Das kann man nicht beantworten. Meine Loge veranstaltet z.B. nur einen, höchstens zwei Gästeabende pro Jahr. Un das ist eine neue "Erfindung" bei uns. Zur Zeit meiner Aufnahme hat es gar keine Gästeabende gegeben. Ich bin also völlig ohne Gästeabend in die Loge aufgenommen worden. Es gab vorher lediglich drei intensive private Treffen mit verschiedenen Brüdern

Andere Logen haben einen GA im Monat und erwarten, dass man mindestens 1 Jahr regelmäßig kommt. Bei anderen Logen ist es wieder völlig anders.

Viele Grüße,

Thomas

Sekretär
04.02.2008, 09:49
Andere Logen haben einen GA im Monat und erwarten, dass man mindestens 1 Jahr regelmäßig kommt. Bei anderen Logen ist es wieder völlig anders.


Meine Loge veranstaltet höchstens einen Gästeabend pro Jahr. Allerdings haben wir sehr viele Kontakte über unsere Internetseite. Daraus ergeben sich meist Treffen mit Suchenden, bei denen sehr schnell klar wird, ob und wann die Betreffenden aufgenommen werden. Viele dieser Internet-Kontakte laden wir - je nach zeitlichem Zusammenhang - zu unserem Gästeabend ein, der meist im Herbst stattfindet.

Das Vorwissen ist sehr unterschiedlich: einige wissen gar nichts und kommen nur aufgrund einer allgemeinen "Sinnsuche" auf die FM. Andere sind schwammig vorinformiert und glauben bei uns eine Art Rudolf Steinerschen Okultistenklub zu finden. Die letzte Gruppe hat ganz konkrete Vorstellung und weiß sehr genau, was sie von uns bei uns will. Diese Männer muss man dann etwas einbremsen - nbicht was Ihre Intentioon betrifft, sondern weas das Tempo der aufnahmee angeht. Zur zeit haben wir eine warteliste, weil wir Angst aben, die Brüder nicht so shcnell und tief integrieren zu können.

Ach ja: Die vierte Gruppe sind die Frauen, die ich an diese Seite (VGLVD.de) und ihre Links zu den Frauen-Logen oder direkt an Logen in unserem Logenhaus verweise.

Gruß Stefan

Morpheus
09.02.2008, 10:14
Es ist sehr schön und erfült mich mit Freude das es so eine Internetpräsens der Freimaurer gibt wo man sich mit Gleichgesinnten und Interessierten austauschen kann.

Ich selber bin auch noch suchender & habe innerlich eine solche Vorfreude auf die Loge das man dies schwer beschreiben kann. Ein schönes Gefühl ... .

Ich möchte auch "vorher" nicht haargenau ins detail gehen denn auf gewisse Sachen muß man sich sicherlich einlassen und den Brüder vertrauensvoll ja vertrauen !

Das ist denk ich mal das wichtigste.

Damit arbeitet man ja auch an sich selber ... ! Wieder ein Stein mehr das find ich doch gut !

Viele Grüße

Morpheus

machiavelli
11.03.2008, 12:01
Detailgenaues Vorwissen kann ja aus gutem Grund suspekt sein. Wie verhält es sich aber mit jemandem, der sich wie ich selbst als "Hobbyhistoriker" definiert und öffentlich zugängliche Werke über die Geschichte der Freimaurer gelesen hat? Ganz unvoreingenommen wird man da nicht mehr sein, wenngleich einem die Rituale nicht en detail bekannt sind.

oberon
11.03.2008, 12:41
Ich finde, dass es immer die Art des Auftretens ist, die wichtig ist. Man kann Wissen nutzen um interessante Fragen zu finden. Auch sind die Brüder meist dankbar, wenn sie nicht bei jedem Suchenden mit Was ist Freimaurerei überhaupt? anfangen müssen.
So kann man Verständnisfragen stellen, das Gelesene an der Realität überprüfen. Wer es aber nicht bleiben lassen kann, selbst bei einem Gästeabend mit seinem Wissen zu glänzen und versucht, mir die Freimaurerei zu erklären, dem fehlt es in meinen Augen an der nötigen Reife und Motivation für die Loge, die im Zweifelsfall nur zur Bühne seiner Eitelkeiten herhalten soll.

Viele Grüße,

Thomas

Malakim
11.03.2008, 16:00
Ich wußte vorher einiges über FM und das war kein Problem. Die Rituale habe ich mir absichtlich vorher nicht angesehen und das würde ich auch jedem Suchenden empfehlen.

Aber es gibt ja reichlich über FM herauszubekommen und da sehe ich kein Problem. Bei mir äußerte sich das dann so das ich anders als andere Suchende kaum oder keine Fragen zur FM gestellt habe sondern "nur" die Loge und die Brüder kennenlernen wollte. Das war eigentlich für niemanden ein Problem.

Hammurapi
13.03.2008, 21:14
Ich finde, dass es immer die Art des Auftretens ist, die wichtig ist. Man kann Wissen nutzen um interessante Fragen zu finden. Auch sind die Brüder meist dankbar, wenn sie nicht bei jedem Suchenden mit Was ist Freimaurerei überhaupt? anfangen müssen.
So kann man Verständnisfragen stellen, das Gelesene an der Realität überprüfen. Wer es aber nicht bleiben lassen kann, selbst bei einem Gästeabend mit seinem Wissen zu glänzen und versucht, mir die Freimaurerei zu erklären, dem fehlt es in meinen Augen an der nötigen Reife und Motivation für die Loge, die im Zweifelsfall nur zur Bühne seiner Eitelkeiten herhalten soll.

"Mann kann Wissen nutzen, um interessante Fragen zu stellen." Das ist auch mein Ansatz. Idealerweise kommt ein Austausch zustande, der beide Seiten bereichert, oder zumindest unterhält. Als Suchenden mit Vorwissen, so wie es der Titel des Themas sagt kann ich mich nicht unbedingt sehen.

Mit der Freimaurerei habe ich mich mit insofern beschäftigt dass ich zunächst einmal einen Gästeabend besucht habe. Das war ein sehr angenehmens, aber auch etwas verwirrendes Erlebnis. Aber ich konnte die Sache aus persönlichen Umbrüchen heraus nicht weiter verfolgen. Leider musste ich eine weitere Einladung absagen.

Seit etwa 2 Jahren beschäftige ich mich nun mit philosophischen als auch historischen Themen, stelle aber fest, dass ich in meinem Umkreis kaum interessierte Gesprächspartner finde. Ich könnte also so für mich selbst weitermachen, wenn da nicht das Bedürfnis des Austausches wäre. Man läuft oft Gefahr sich in philosophischen Themen zu verrennen. Oft hilft da ein Gespräch die Gedanken zu sortieren.

Im Moment spiele ich mit dem Gedanken, sofern das möglich ist, mich um eine Loge neu zu bemühen, werde mir aber noch etwas Zeit lassen müssen.

Grüße,
Hammurapi