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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : möchte mich kurz vorstellen...


Christian S.
16.12.2007, 14:19
Zunächst ein herzliches Hallo an alle Mitglieder dieses Forums.

Nachdem ich jetzt viel Zeit damit verbracht habe mich durch dieses wirklich kurzweilige und informative Forum zu lesen möchte ich nun die Möglichkeit nutzen, mich kurz vorzustellen.
Mein Name ist Christian, ich bin 21 Jahre alt und wohne zurzeit in Wiesbaden.

Ich beschäftige mich bereits viele Jahre mit der Freimaurerei. Jedoch habe ich nie den Schritt zu einem Gästeabend gewagt, sondern mich nur in Internetforen und Büchern über die Freimaurerei informiert. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil die Ehrfurcht vor der Freimaurerei bei mir doch sehr groß ist.
Begonnen hat mein Interesse wohl dadurch, dass ich mit etwa 13 Jahren erfahren habe, dass mein Vater selbst Freimaurer ist. Damals interessierte ich mich mehr für die „Freizeitgestaltung“ meines Vaters, als für die Freimaurerei selbst. Es gibt wirklich andere Dinge mit denen sich 13 jährige beschäftigen als mit einer esoterischen Vereinigung. Dass der eigene Vater jedoch „Mitglied“ eines Geheimbunds ist, war für mich natürlich eine spannende Geschichte.
So stellte ich meinem Vater ab und an Fragen über die Freimaurerei, konnte jedoch keine wirkliche Verbindung dazu herstellen. Es war mehr die Neugierde, die ich stillen wollte, als wirkliches Interesse.
Den ersten wirklichen Kontakt mit der Freimaurerei erhielt ich dann in dem wohl schwersten Moment in meinem noch jungen Leben. So durfte ich Teil einer freimaurerischen Trauerfeier – anlässlich meines verstorbenen Vaters- sein. So schwer diese Zeit für mich war und so schlimm es für mich war, den Tod meines Vaters zu betrauern, so unendlich viel Kraft gab mir diese freimaurerische Trauerfeier mit ihren Ritualen. Das, und auch die freimaurerischen Erbstücke meines Vaters, die ich nach seinem Tod erhielt, sorgten dafür, dass ich mich immer mehr mit der Freimaurerei auseinandersetzte. Diese lässt mich nun nicht mehr los. So entdeckte ich in der Freimaurerei genau diese Ideale, die ich an meinem Vater immer bewundert hatte und die auch ich anstreben möchte.

Ich hoffe, dass sich hier die Möglichkeit für mich bietet, anregende Gespräche zu führen und noch mehr über die Freimaurerei zu erfahren.

Mit freundliche Gruß

Christian

Loewenstein
16.12.2007, 18:29
Lieber Christian,
willkommen also hier, und willkommen auch von mir - sozusagen von gegenüber, von der andren Seite des Rheins (wink...).
Es ist sicher ein besonderer Weg zur Freimaurerei, wenn der Vater selbst einer war. Ich bin ein sog. 'Lufton' (Freimaurersohn) und hatte mir 30 Jahre Zeit gelassen mit der Entscheidung - allerdings lebt mein Vater auch noch.
Und es müssen nicht unbedingt 30 jahre sein - sollte es eigentlich auch nicht. Aber das ist ja immer von der persönlichen Konstellation abhängig. Und wenn Sie in der Freimaurerei Ideale wiedererkannt zu haben meinen, die Sie bei Ihrem Vater bewundert haben, ist das ein guter Ansatz.

Dennoch meine ich, daß die Entscheidung für (oder auch gegen) Freimaurerei unabhängig vom Vater gefällt werden sollte - was gar nicht so einfach ist. Aber man sollte es versuchen.
Insofern bin ich gesprächsbereit und wünsche gute Kommunikation hier.

L.

Christian S.
16.12.2007, 21:50
Lieber Loewenstein,
ich freue mich, hier so freundlich begrüßt zu werden.

Und ich scheine, so merke ich an ihrer Antwort, in meinen Begrüßungsworten genau die Zweifel, die ich selber in den vergangenen Jahren hatte, (unbewusst) angedeutet zu haben.

Ich beziehe mich hierbei auf ihre Aussage, dass man sich für oder gegen die Freimaurerei immer aus eigenem Antrieb und nicht aufgrund des Vaters entscheiden solle.

Ich muss zugeben, dass ich mich in der Zeit kurz nach dem Tod meines Vaters wohl auch deshalb mit der Freimaurerei beschäftigt hatte um die Verbindung zu meinem Vater nicht abbrechen zu lassen. Die Freimaurerei nahm für meinen Vater einen sehr zentralen und wichtigen Punkt in seinem leben ein und so glaubte ich wahrscheinlich, dass ich durch die Annäherung zur Freimaurerei auch wieder eine Annäherung zu meinem Vater erreichen könne. Und -so kann ich rückblickend sagen- hat es mir bei der Verarbeitung auch sehr geholfen.

Ich hatte damals -es ist jetzt fünf Jahre her- jedoch nicht den Schritt gewagt, näher auf die Freimaurerei zuzugehen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich zu der Zeit nicht sicher hätte sagen können, ob ich die Freimaurerei selbst oder "nur" meinen Vater über den Umweg der Freimaurerei gesucht habe.

Ich hatte mich dann vorerst nicht mehr so stark mit der Freimaurerei beschäftigt wie unmittelbar nach dem Tod meines Vaters. Das was ich jedoch durch die Beschäftigung mit der Freimaurerei kennen gelernt habe lässt mich seit dem nicht mehr los. Die Ideale der Freimaurerei sowie der Grundgedanke (die Arbeit am rauhen Stein), faszinieren mich. Und so bin ich jetzt wieder an einem Punkt angelangt, an dem es mich sehr zur Freimaurerei hinzieht.
Ich habe mich in den vergangenen Jahren viel mit Philosophie, Psychologie und vor allem mit mir selbst beschäftigt um mich selbst zu erkennen und um an mir (dem doch rauhen Stein) zu arbeiten. Ich glaube in der Freimaurerei etwas gefunden zu haben, dass einem ein Paar Punkte auf einer Karte auf dem Weg zum vielleicht irgendwann kubischen Stein bieten kann. So bieten doch -so glaube ich- die Gespräche mit anderen Brüdern und die Erfahrung einer rituellen Tempelarbeit noch mehr die Möglichkeit der Reflexion und somit auch der Erkenntnis, als es der allein beschrittene Weg bietet.

Wie ist ihre Meinung dazu?

Mit freundlichem Gruß

Christian

Loewenstein
17.12.2007, 16:03
Lieber Christian,

aus Deinen Worten lese ich, daß Dein Vater für Dich der unbedingte Anstoß ist / war, Dich mit Freimaurerei zu beschäftigen.
Das ist weder ein Makel noch ein Verdienst, sondern einfach nur eine Tatsache, die es zu akzeptieren gilt.

Wichtig scheint mir, mit dieser Tatsache richtig umzugehen, und hier möchte ich im Moment nur den einen Rat geben:
Nimm Kontakt mit einer Loge auf - aber NICHT mit der Mutterloge Deines Vaters, sondern mit einer anderen, wo Du nicht als Sohn Deines Vaters bekannt bist, und wo Du Freimaurern nicht mit dem Gefühl begegnest, Sohn Deines Vaters zu sein.
[Deswegen frage ich auch nicht, wer Dein Vater war, will es auch garnicht wissen - bei unserer räumlichen Nähe könnte ich ihn ja gekannt haben...]

Das Andenken Deines in den ewigen Osten vorangegangenen Vaters in allen Ehren! aber DU musst DEINEN Weg zur Freimaurerei finden, und den findest Du am besten, wenn Du ihn so gehst, als wenn Dein Vater kein Freimaurer gewesen wäre (obwohl Du ja vielleicht - das ist klar - ohne Deinen Vater garnicht auf die Idee gekommen wärst, Dich mit Freimaurerei zu beschäftigen, das ist die Ambivalenz eines Daseins als 'Lufton', wie ich - selbst Lufton - es sehe).


*Lufton = Freimaurer, der Sohn eines Freimaurers ist (das gilt also [noch] nicht für Dich, aber ich gebrauche den Begrif einmal um der Einfachheit willen so)

L.

Christian S.
17.12.2007, 17:50
Lieber Loewenstein,
nochmal danke für deine Antwort.
Tatsächlich war mein Vater der Anstoß mich über Freimaurerei zu informieren. Nicht jedoch der Anstoß dafür, mich jetzt erneut wieder der Freimaurerei zu nähern und die Überlegung anzustellen, dem Bund der Freimaurer beitreten zu wollen.
Was sicher auch der Sache nicht dienlich wäre.
Ihren Rat, nicht die Mutterloge meines Vaters aufzusuchen, werde ich auf jeden Fall befolgen. Was allerdings auch schwierig wäre, da sie sich in Düsseldorf befindet. Trotzdem glaube ich, dass der Name meines Vaters auch hier in Wiesbaden manchen ein Begriff sein wird. Aber dem muss man sich eben als Sohn eines Freimaurers stellen. Trotzdem werde ich mich bemühen meinen eigenen Weg zur Freimaurerei zu finden. Denn nur der selbst beschrittene Weg wird mich auch zu meinem Ziel führen.

Ich weiß natürlich nicht, ob die Frage zu privat ist, aber mich würde interessieren welche Bedeutung ihr Vater auf ihrem Weg zur Freimaurerei hatte.

Christian