Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freimaurerei und Bauhaus
Theschnuff
24.10.2007, 16:32
Ich beschäftige mich beruflich stark mit Gestaltung und Planung/Design. Bei meinen Studien zum Bauhaus stolpere ich immer wieder über Parallelen zu den FM. Unbestritten ist z.B. dass Gropius den Begriff BAUHAUS ganz gezielt von BAUHÜTTEN abgeleitet hat. Auch seine Aussagen wie " ... bauen wir den Menschen, das Innere. Es geht um die Schärfung der Sinne als Grundlage der Humanisierung des Lebens ..." oder " ...die geistlich gleichgesinnten Werkleute zu enger, persönlicher Fühlung um sich zu sammeln, wie die Steinmetzen ..." tragen entsprechende Inhalte in sich. Auch die Bezeichnungen der Bauhausmitglieder in Lehrlinge, Gesellen und Meister geben zu denken. Weiterhin ist bekannt, dass etliche Bauhäusler mit der Mazdaznan-Lehre in engem Kontakt waren (z.B. Johannes Itten). Wer möchte sich zu diesem Thema noch austauschen?
Gruß
Theschnuff
Ich kann da wenig zu sagen, aber was ist die Mazdaznan-Lehre?
Viele Grüße,
Thomas
Schwarzbär
25.10.2007, 15:39
(...)Walter Gropius, der Gründer des Weimarer Bauhauses, knüpfte auf moderne Weise an der Idee des interdisziplinären Zusammenwirkens der Künste sowie der kulturellen Erneuerung der alten Bauhütten an. Ursprünglich wollte Gropius das Weimarer Bauhaus sogar Bauhütte nennen, fand dann aber zu dem neuen Begriff des Bauhauses.(...)
www.bauhuette-schlossberg.de/
Dazu vielleicht noch der Hinweis, das Martin Gropius (vielleicht ein Verwandter?), der Architekt des 2. Gewandhauses, Br. war
Theschnuff
26.10.2007, 15:44
Ich kann da wenig zu sagen, aber was ist die Mazdaznan-Lehre?
Die Mazdaznan-Lehre wurde von Johannes Itten, einem der Bauhaus-Meister in Weimar verbreitet. Es handelt sich hier um eine etwas wirre Lehre, deren Anhänger sich in Logen organisiert haben und des "innere Heil" gesucht haben. Gegründet ca. 1890 in USA, wurden hier Atemtechniken und bestimmte Ernährungsweisen (viel Knoblauch!!) gelehrt. Hat also nicht viel mit FM zu tun, eher mit fernöstlichen Religionen oder Lehren.
Dennoch interessiert mich immer noch, ob evtl. Bauhaus-Mitglieder FM-Brüder waren oder Kontakt zur Freimaurerei hatten.
Grüße
Theschnuff
Die Mazdaznan-Lehre wurde von Johannes Itten, einem der Bauhaus-Meister in Weimar verbreitet. Es handelt sich hier um eine etwas wirre Lehre, deren Anhänger sich in Logen organisiert haben und des "innere Heil" gesucht haben. Gegründet ca. 1890 in USA, wurden hier Atemtechniken und bestimmte Ernährungsweisen (viel Knoblauch!!) gelehrt. Hat also nicht viel mit FM zu tun, eher mit fernöstlichen Religionen oder Lehren.
Dennoch interessiert mich immer noch, ob evtl. Bauhaus-Mitglieder FM-Brüder waren oder Kontakt zur Freimaurerei hatten.
Grüße
Theschnuff
Mazdaznanlehre hat mit Freimaurerei nichts zu tun, etwas wirr in der Tat, Drüsenlehre etc (dem Knoblauch kann ich schon mehr abgewinnen..)
Ausser einem Martin Gropius kam mir beim Googlen auch nicht quer.
Bin gerade aus Le Havre zurück und bei dem Entwurf einer neuen Stadt nach den Zerstörungen des Krieges hat wohl der Bauhaus-Gedanke mitgespielt, eine für meinen Geschmack sehr rechtwinklig und quadratische moderne ja fast hanseatisch anmutende Stadt, nüchtern, klar, funktional, sachlich, Glas, Beton, Marmor, Stein...
ZITAT: Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! … Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! ... Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers“
– Gropius in seinem Bauhaus-Manifest
ZITAT ENDE
Das kann ich gut nachempfinden
Ich beschäftige mich beruflich stark mit Gestaltung und Planung/Design. Bei meinen Studien zum Bauhaus stolpere ich immer wieder über Parallelen zu den FM. Unbestritten ist z.B. dass Gropius den Begriff BAUHAUS ganz gezielt von BAUHÜTTEN abgeleitet hat. Auch seine Aussagen wie " ... bauen wir den Menschen, das Innere. Es geht um die Schärfung der Sinne als Grundlage der Humanisierung des Lebens ..." oder " ...die geistlich gleichgesinnten Werkleute zu enger, persönlicher Fühlung um sich zu sammeln, wie die Steinmetzen ..." tragen entsprechende Inhalte in sich. Auch die Bezeichnungen der Bauhausmitglieder in Lehrlinge, Gesellen und Meister geben zu denken.
Hallo Theschnuff,
habe den Bauhausstil kurioserweise nicht in Weimar, sondern in Rostock entdeckt, wo ganze Straßen im Bauhausstil (von nur einem Architekten) bis heute prächtig überstanden haben. Zufällig wohnte ich dort in einer Bauhausstilvilla und las mich von dem Bau-Stil dieser Villa fasziniert durch Bauhausgeschichte. Meine Vermieterin hatte auch die Inneneinrichtung mit Gemälden des Bauhaus und passendem Mobiliar bestückt. Mir fielen in diesem Zusammenhang Wassily Kandinskys Bilder der Bauhaus Periode (1922-33) ein und das künstlerische Manifest von ihm und Franz Marc des Jahres 1912: Der Blaue Reiter. Darin forderten beide eine Gleichberechtigung von Malerei, Dichtung, Musik, Volkskunst und außereuropäischer Kunst. Wenn Sie so wollen, nahmen die beiden Künstler damit eine Art "Glasperlenspiel", in gewissem Sinn eine freimaurerische Utopie ("Das menschliche Leben als ganzheitliches Kunstwerk, das möglichst alle Künste umfassen soll, je höher entwickelt der Künstler ist"), vorweg, d. h., sie strebten im Zug mit utopistischen Künstlern ihrer Zeit und zahlreichen Reformbewegungen der damaligen Zeit, religiösen und politischen Entwürfen in Europa eine Form künstlerischen Synkretismusses an, der das Grundelement des Schöpferischen ist. In: Der Blaue Reiter, Piper, Hg. Klaus Lankheit finden Sie: "Ungleich folgenschwerer wurden jedoch die Gründung des Bauhauses. Es ist berechtigt, darin die legitime Fortführung des Blauen Reiters auf einer neuen geschichtlichen Stufe zu sehen. Selbstverständlich war diese frühere Bewegung weder die einzige Grundlage der neuen Gründung, noch wurden ihre Gedanken etwa unverändert übernommen." S. 300
Wenn ein großer Architekt seiner Zeit in ganzheitlich verstandener Baukunst die Möglichkeit erblickt, mit seiner Kunst zur Humanisierung des Lebens beizutragen, es maßgeblich zu gestalten, dann zeigt er nicht unbedingt, dass er etwas mit Freimaurerei zu tun haben muss, sondern dass er ein hochintelligenter Mensch war, dem der kulturelle Sinn allen künstlerischen Schaffens bewusst war. Dabei können ihm Vorstellungen der Freimaurerei (Bitte vergessen Sie nicht, Freimaurerei leitet sich u. a. von Römischen Baukollegien und später Kathedralenbauhütten her!) nur wie eine Bestätigung seiner offensichtlichen Überzeugungen vorgekommen sein. In der mir vorliegenden Literatur konnte ich leider keine Angaben über Gropius und FM finden. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass er Freimaurer kannte. Bisher wurde darüber, so weit mir bekannt ist, noch nicht geforscht. Aber wer weiß, ob nicht eines Tages sein soziales Umfeld auf diese Frage hin untersucht wird. Durchaus möglich, dass man dann den Bauhausstil auch aus dieser Perspektive zu deuten versteht.
Denken Sie nur an Rilke. Solche Gedanken lagen damals in der Luft:
WERKLEUTE sind wir: Knappen, Jünger, Meister,
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.
Wir steigen in die wiegenden Gerüste,
in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küsste,
die strahlend und als ob sie Alles wüsste
von dir kommt, wie der Wind vom Meer.
Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.
Gott, du bist groß.
Das Buch vom mönchischen Leben 1899
Theschnuff
08.11.2007, 15:07
Hallo Penta,
Danke für die ausführlichen und aufschlussreichen Gedanken. Ich denke, das Bauhaus bzw. dessen Gründung muss man auch unter dem Gesichtspunkt der damaligen politischen Lage betrachten (Ich weiss, Politik ist bei FMn ein Tabuthema). Nach dem ersten Weltkrieg war Deutschland in viele Denkrichtungen zersplittert. Radikale Nationalisten, Bolschewisten und Liberale genauso wie Kaisertreue versuchten möglichst viel Einfluss zu gewinnen. Die Bauhausgründer stammten zum großen Teil aus dem 1907 gegründeten Werkbund und wollten ein "übergedankliches und nur dem Menschen und der Kunst verpflichtetes Werkgebilde" schaffen.
Zitat Gropius: " ... eine große, allumfassende Kunst setzt die geistige Einheit ihrer Zeit voraus, sie braucht die innigste Verbindung mit der Umwelt, mit dem lebendigen Menschen ... Das heutige Geschlecht muß von Grund auf neu beginnen, sich selbst verjüngen, erst eine neue Menschlichkeit, eine neue Lebensform des Volkes schaffen ... dann wird das Volk wieder mitbauen an den großen Kunstwerken seiner Zeit"
Die zuerst von mit geäußerte Vermutung, das Bauhaus könnte Verbindungen zur Freimaurerei haben, treten nun doch eher zurück. Es war wohl doch mehr der aufklärerische Kollektivgedanke präsent als die rein humane Ausrichtung.
Derzeit beschäftige ich mich mit dem der Bauhaus-Umgebung zuzurechnenden Werk "Der Distelseher", Theo von Doesburg, 1922. Es handelt von den mystischen Methoden der Wesenssuche , vom "Zusammenstoß des natürlichen und mechanischen Menschen in Weimar".
Menschen die in der damaligen sicher nicht leichten Zeit derart hehre menschliche Ziele verfolgten wie die Bauhäusler könnten wir vielleicht auch heute ganz gut gebrauchen. Aber nochmals zum Abschluss: Mit der Freimaurerei hatte das Bauhaus wohl tatsächlich nichts zu tun, es ergeben sich lediglich denkerische Parallelen, die aber zufällig sein sollten.
Gruß
Theschnuff
Hallo Penta,
Danke für die ausführlichen und aufschlussreichen Gedanken. Ich denke, das Bauhaus bzw. dessen Gründung muss man auch unter dem Gesichtspunkt der damaligen politischen Lage betrachten (Ich weiss, Politik ist bei FMn ein Tabuthema). Nach dem ersten Weltkrieg war Deutschland in viele Denkrichtungen zersplittert. Radikale Nationalisten, Bolschewisten und Liberale genauso wie Kaisertreue versuchten möglichst viel Einfluss zu gewinnen. Die Bauhausgründer stammten zum großen Teil aus dem 1907 gegründeten Werkbund und wollten ein "übergedankliches und nur dem Menschen und der Kunst verpflichtetes Werkgebilde" schaffen.
Zitat Gropius: " ... eine große, allumfassende Kunst setzt die geistige Einheit ihrer Zeit voraus, sie braucht die innigste Verbindung mit der Umwelt, mit dem lebendigen Menschen ... Das heutige Geschlecht muß von Grund auf neu beginnen, sich selbst verjüngen, erst eine neue Menschlichkeit, eine neue Lebensform des Volkes schaffen ... dann wird das Volk wieder mitbauen an den großen Kunstwerken seiner Zeit"
Hallo Theschnuff,
wenn man sich die 'Lebensreform'-Bewegungen dieser Zeit ansieht, aber auch zahllose politische und religiöse Kleinstgruppen, erhält man eine Ahnung, was für gewaltige gesellschaftliche Umwälzungen in den 20er und 30er Jahren seit Beginn der Industrialisierung stattfanden.
Die zuerst von mit geäußerte Vermutung, das Bauhaus könnte Verbindungen zur Freimaurerei haben, treten nun doch eher zurück. Es war wohl doch mehr der aufklärerische Kollektivgedanke präsent als die rein humane Ausrichtung.
Ich weiß es einfach nicht. Solche Fragen lassen sich nicht generell mit ja oder nein beantworten. Wir wissen derzeit nicht, ob und welche Bauhausarchitekten dem Freimaurerbund angehörten. Das ließe sich auch für Nichtfreimaurer durch Nachfragen bei Freimaurermuseen und jeweilig wahrscheinlichsten FM-Logen klären. Man müsste eine Recherche beginnen.
Derzeit beschäftige ich mich mit dem der Bauhaus-Umgebung zuzurechnenden Werk "Der Distelseher", Theo von Doesburg, 1922. Es handelt von den mystischen Methoden der Wesenssuche , vom "Zusammenstoß des natürlichen und mechanischen Menschen in Weimar".
Klingt interessant. Bitte schreiben Sie uns, was Sie darin entdeckt haben.
MODERNES BAUHAUSGEDICHT:
http://literatourkaffee.forenking.com/ftopic-215.html
(http://forum.freimaurer.org/redirector.php?url=http%3A%2F%2Fliteratourkaffee.forenking.com%2Fftopic-215.html)
Theschnuff
10.06.2008, 15:34
Hallo Panta,
Danke! Ein sehr schönes Gedicht.
Aber es geht auch ein bisserl ungerecht mit dem Bauhaus um. Es besteht ja nicht nur aus Quadern und ornamentlosen Objekten.
Das Bauhaus ist durchaus auch verspielt, lustig, geheimnisvoll und asymmetrisch.
"Form follows function" war (ist) zwar die Prämisse, aber diese Form darf ruhig ein wenig über die reine Funktion rausgehen. Ansonsten würden ja alle Wasserhähne, Häuser und Teekessel gleich ausschauen ...
(Augenzwinker...)
Trotzdem nochmal: Ein schönes Gedicht. Danke!
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