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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eine "Höllische" Betrachtung


fridolin
08.10.2007, 17:01
Papst Benedikt XVI. hat im Sommer diesen Jahres den Limbus („Kinderhölle“) abgeschafft. Das inspirierte mich zu nachfolgender Betrachtung und These. Da die Freimaurer keine oberflächliche Gesellschaft sind, denke ich den Aufsatz hier gut aufgehoben zu wissen.



Gott und Satan / Himmel und Hölle



Für Gott gilt das, was auch für jede andere Wissenschaft gilt: Es handelt sich auch bei Gott um eine reine Hypothese – also keine Theorie. Um politisch korrekt zu bleiben wird man Gott und die Wissenschaft immer trennen. Bewiesen ist, dass Gott und die Wissenschaft durchaus eine friedliches Miteinander führen können. Die Problematik der Sache erscheint in der Form, dass Gott im Gegensatz zur Wissenschaft weder bewiesen noch wiederlegt werden kann. So wird allgemein dazu geneigt, dass die Religion nichts mit einer Wissenschaft zu tun hat.

Auf den ersten Blick ist das eine rein logische Betrachtungsweise. Allerdings kommt für die reine Logik erschwerend hinzu, dass die Nichtexistenz Gottes sehr schwer zu beweisen, ja wenn nicht sogar unmöglich ist. Das gilt natürlich auch für viele andere wissenschaftliche Hypothesen. Evolutionsbiologen werden sich immer fragen, was es mit dem Gottesglauben auf sich hat und vor allem woher der Glaube überhaupt kommt.

Dabei wird der Evolutionsbiologe mit dem Wissen der heutigen Zeit immer wieder feststellen, dass Gott sehr unwahrscheinlich ist. Aus der Sicht eines Evolutionsbiologen macht unsere Welt eben mehr Sinn, wenn es keinen Gott gibt. Wenn es aber einen Gott gibt, dann stellt sich die Frage, wo er sich befindet. Die Schöpfungshypothese nach dem Buch Genesis in der Bibel lässt keine Rückschlüsse auf den Ort Gottes zu, von wo aus er Himmel und Erde schuf. Himmel und Erde sind uns allgegenwärtig und damit existent. Gott könnte die Natur, unser Umfeld und unser Leben sein. Dann würde er in uns wohnen.

Mit der Genesis geht dieser Gedanke aber nicht konform. Die Naturwissenschaften nehmen Gott nicht als Grundlage für die Entstehung von Himmel und Erde. Dafür gibt es die Theorie des Urknalls. Keine Hypothese, sondern bereits eine Theorie. Was aber brachte den Urknall auf den Weg? Der Wissenschaft ist diese Frage egal, weil es nicht notwendig ist, sie zu erörtern. Es zählt nur das Faktum, dass wir eben sind. Was davor war ist uninteressant. Hier kann die Religion helfen. Vielleicht war Gottes Hand im Spiel, als die ersten Teilchen sich aufeinander zu bewegten und rotierten. Es bildeten sich Materie und Antimaterie. Der Rest ist Geschichte.

Offen bleibt die Frage, was oder wer die Rotation auslöste. Wenn Gott die Rotation angestoßen hat, so kann er sich nur im Mittelpunkt des Universums befunden haben bzw. befinden. Der Mittelpunkt des Universums ist auch für die Wissenschaft ein Rätsel. Sämtliche Galaxien unseres Universums drehen sich um einen geheimnisvollen Mittelpunkt. Warum soll also nicht Gott der Mittelpunkt sein? Der Herr gibt es und er nimmt es auch wieder. Und all diese Galaxien werden eines Tages vergangen sein. Das ganze Universum wird in sich zusammenfallen und eine gigantische Leere wird zurückbleiben.

Für die Gläubigen ist diese Tatsache zu nüchtern. Die Bibel hat für das Endzeitdrama die Apokalypse in Form der Offenbarung des Johannes parat. Der Satan und die Hölle werden sich auftun und der Tod tut sein übriges. Dem Himmel (das Paradies) gegenüber steht die Hölle. Wenn schon die Nichtexistenz Gottes schwer beweisbar ist, so ist die Nichtexistenz der Hölle einfacher zu beweisen. Nach der Genesis schuf Gott Himmel und Erde. Weiter schöpft er u.a. Flora und Fauna. Den Satan schuf Gott ebenfalls. Denn der Satan erscheint uns als Lebewesen. Im Alten Testament tritt der Satan drei Mal auf. Das Buch Chronik 1 (21,1) erklärt den Satan zum Verführer König Davids. David soll das Volk Israel zählen. Das geschieht auch und Gott wird David und Israel strafen für die Verwerflichkeit der Volkzählung.

Im Buch Ijob wird die Heimat des Satans und das Wesen des Satans erklärt. Nach Ijob 1,6-2,7 ist der Satan ein Sohn Gottes und streift auf der Erde umher. Der Satan wohnt also auf der Erde und nicht in der Hölle. Gott lässt weiter zu, dass der Satan unseren weltlichen Besitz und unsere Gesundheit holen kann, nicht aber unser Leben und unsere Seele. Von der Hölle ist nicht die Rede. Ein drittes Mal erscheint der Satan im Buch Sacharja. Der erste Teil dieses Buches befasst sich mit den Visionen und Worten des Propheten Sacharja. In der vierten Vision erscheint dem Propheten in 3,1 f. der Satan in Gestalt eines Anklägers für den Hohepriester Jeschua. Gott aber weist den Satan in seine Schranken. An keiner Stelle im Alten Testament findet sich die Hölle. Der Satan erscheint nur als Widersacher Gottes, nicht aber als der Herr der Hölle. Die Hölle erscheint erst im Evangelium.

Das älteste Evangelium ist das nach Markus. Und in diesem Evangelium erscheint urplötzlich die Hölle. In der Warnung vor der Verführung erklärt Markus in 9,43: „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.“ Woher Markus die Hölle holt bleibt ungewiss. Die Hölle taucht erstmals in der gesamten Bibel in Markus 9,43 auf. In der entscheidenderen Genesis hat Gott keine Hölle geschaffen. Die Hölle haben sich die Evangelisten und eben vornweg Markus ausgedacht. Wahrscheinlich dachte sich der Evangelist Markus, dass es ein Gegenstück zum Himmel geben muss. Physiologisch kann es die Hölle schon gar nicht geben. Der landläufigen Überlieferung befindet sich die Hölle im Innern der Erde. Wenn nun aber nach Ablauf aller Zeit das Universum in sich zusammenfällt, würde sich die Hölle ebenfalls zerstören.

Nach dem Evangelium ist die Hölle aber ein Ort der ewigen Verdammnis. Also müsste sie nach der realen Apokalypse des Universums weiter existieren. Das ist jedoch völlig absurd. Gott hingegen kann weiter existieren und ein neues Universum schaffen. Denn Gott ist kein Bestandteil der Erde. Er ist höher angesiedelt und steht somit über den weltlichen Dingen. Nun könnte man davon ausgehen, dass der Papst die Hölle für nichtig erklären kann. Das kann er eben nicht. Dann würde er etwas aus der Bibel entfernen. In der Offenbarung heißt es aber unter 22,19: „Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht.“ Daher wird kein Kleriker die Hölle negieren. Wohl aber den Limbus. Von dem ist nirgends in der Bibel die Rede. Folglich konnte Benedikt XVI. im Sommer diesen Jahres ganz nonchalant den Limbus für nicht existent erklären. Sollte er je existiert haben, so sind die darin enthaltenen Seelen geradewegs in das Paradies aufgestiegen. So sieht es jedenfalls der Papst.

Bevor wir aber erfahren was mit unserer Seele passiert, müssen wir sterben. Dazu bedarf es des Todes. Den Sensenmann kennen wir von allerlei bildlichen Darstellungen. Denken können wir den Tod nicht, allenfalls erwarten, wie einen alten Bekannten. Die Philosophie ist immer dem Tod verbunden, aber kann ihn dabei nicht erfassen. Was bleibt ist Religion. Mit der Religion ist es wie mit der Liebe – es handelt sich immer nur um eine gemäßigte Form von Schizophrenie.

lynkeus
09.10.2007, 12:02
Lieber Fridolin,

es hat schon etwas Gutes in der Freimaurerei, dass Politik und Religion nicht in der Loge diskutiert werden dürfen.
An diesen Themen, die ja so vielfältig interpretiert werden können, wie es Menschen auf der Welt gibt, haben sich schon manche Streitigkeiten und Divergenzen entzündet.

Ich halte es mit dem alten Freimaurer, dem alten Fritz:

"Jeder soll nach seiner Facon selig werden......"

Bevor ich mir also den Kopf über die Hölle zerbreche...die bereiten mir etliche Menschen schon auf Erden....

oberon
09.10.2007, 14:31
Lynkeus hat Recht, dass Dein Beitrag das Thema Freimaurerei nur sehr weit am Rande streift. Es gibt Freimaurer, die zwar gläubig, aber keine Christen sind. Für die ist die Hölle kein Thema.

Auch innerhalb der Bruderschaft würde so etwas nicht thematisiert, da es nicht zur Freimaurerei gehört, sondern zum persönlichen Glauben eines jeden einzelnen Bruders.

Viele Grüße,

Thomas