Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Geheimniskrämerei"
Ich habe mich heute zum ersten Mal genauer über Freimaurer informiert und wusste bisher so gut wie nichts über Ihre Gemeinschaft.
Die Ziele denen Sie sich verschrieben haben (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität) sind ja sehr positiv, die würde ich auch sofort unterschreiben. Wer würde das nicht? Und wer will sich nicht zum positiven verändern?
Aber was mich ein skeptisch macht oder abschreckt ist diese "Geheimniskrämerei".
Wozu sind geheime Symbole oder Handzeichen und Zeremonien nötig?
Auf Ihrer Seite ist ja zu lesen, dass Sie gerade nicht als ein Geheimbund verstanden werden möchten.
Warum braucht eine Gemeinschaft, die so positive und offene Ziele verfolgt, diese Abschottung von dem "normalen" (ich will damit nicht sagen, dass irgendjemand unnormal ist:blush:) Menschen?
In meinen Augen gibt dies (neben den ganzen Verschwörungstheorien, die kursieren) den Freimaurern das Image einer Sekte oder verboteten Gemeinschaft.
Ich hoffe, dass Ihre Antworten mir dabei helfen, meine Skepsis zu überwinden.
Vielen Dank schon im Vorraus!
Nora :rolleyes2:
Ahura Mazda
01.09.2007, 23:25
Hallo Nora,
Etwas Geheimniskrämerei gehört nun mal dazu.
Selber bin ich das was man wohl einen Suchenden nennt, ein aussenstehender (Profaner).
Wie ich die Sache einschätze gehören nun mal Geheimnisse dazu! Alles was du dir erarbeitest ist etwas von Wert, wenn dir jemand stets eine Lösung für jedes Problem darlegt, erarbeitest du dir selber nichts und kannst lediglich anderer Leute in Worte gefasste Gedanken auswendig lernen.
Du musst selber die Erde um die Sonne kreisen sehen, nicht die Sonne aufgehen über den Horizont ziehen um schließlich unterzugehen.
Suche hier im Forum und du wirst viele interessante Ansätze finden, im Computerzeitalter stehen dir immens viele Daten zu Verfügung, kleiner Tipp Wikipedia, sehr schneller und kompetenter Datenpool.
Bitte nicht zu schnell ein Bild von den FM machen es gibt viel zu erkunden, was du in einem Buch oder Film über Freimaurerei erfahren kannst erscheint mir so dünn wie die Schale eines Apfels, ich selber habe den Kern des Apfels noch lange nicht erreicht, wenn er überhaupt erreichbar ist.
Mit Sekten hat es in jedem Fall nichts zu tun, auch wenn es manchmal den Anschein erweckt.
Gruß Andreas
Liebe Nora, (ich vermute, es handelt sich um einen weiblichen Vornamen, oder?)
so geheimniskrämerisch sind wir gar nicht. Man findet uns im Internet, man kann sich unsere Symbole ansehen, es gibt Bücher, oft auch von Brüdern selbst geschrieben.
Wir behalten für uns, wer alles Mitglied ist, aber das findet man bei jedem normalen Betrieb oder Verein. Die stellen ihre Mitglieder- oder Kundenlisten auch nicht ins Internet.
Der Grund, warum unsere Symbole so mysteriös wirken ist, dass man den Kontext nicht kennt, in dem sie verwendet werden und sie einem so ohne Erklärung nicht viel sagen. Das ist aber auch klar, denn so ein Symbol ist für jeden etwas anders - selbst wenn man den Kontext kennt.
Diese Form der Geheimhaltung ist nichts anderes als die Zeit vor der Bescherung zu Weihnachten. Das "enthüllende" Erlebnis ist einfach größer, wenn man nicht vorher schon alles erklärt bekommen hat.
Viele Grüße,
Thomas
Schwarzbär
02.09.2007, 06:43
Liebe Nora,
glauben Sie mir: Vertraulichkeit und Verschwiegenheit (nicht Geheimniskrämerei) ist in einer bis zum Erbrechen geschwätzigen Gesellschaft wohltuend und ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
cosmos-of
02.09.2007, 17:02
Liebe Nora,
glauben Sie mir: Vertraulichkeit und Verschwiegenheit (nicht Geheimniskrämerei) ist in einer bis zum Erbrechen geschwätzigen Gesellschaft wohltuend und ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Mit einem Satz auf den Punkt gebracht.
Sehr schön!!!
Aber was mich ein skeptisch macht oder abschreckt ist diese "Geheimniskrämerei".
Wozu sind geheime Symbole oder Handzeichen und Zeremonien nötig?
Hallo ygerna,
neben dem hier bereits erwähnten Gründen möchte ich noch einen Denkansatz hinzufügen.
Vor Jahren habe ich einmal die Gelegenheit gehabt einen passionierten Jäger kennen zulernen. Nun stehe ich persönlich der Jägerei ambivalent gegenüber. Mein Bild bis dahin war eher dieses, dass Jäger Schusswaffenfreaks mit seltsamen Ritualen sind, denen es zu kompliziert ist ihr Fleisch beim Schlachter zu kaufen. Durch meinen Vater, der auch Freimaurer war, habe ich gelernt meine (Vor-)Urteile zu hinterfragen und jeden Menschen erst einmal als das zu sehen. Als Mensch. Also habe ich den Jäger ausgefragt. Und dabei einiges interessantes gelernt. Z.B. dass Jäger ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz sind. (Bitte, ich will hier keine Loblied auf die Jägerei singen, und wenn sie, also die Jäger, nicht Wölfe und Bären ausgerottet hätten, dann gäbe es noch genügend Fraßfeinde für das Rotwild und die Bestände würden sich von alleine regeln. Nun hat der Mensch aber nun mal das Gleichgewicht der Natur gestört, nun muss er auch konsequent weitermachen.) Und natürlich habe ich ihn auch auf die, nach meinem Verständnis, seltsamen Rituale angesprochen. Die Antwort fand ich absolut faszinierend und ich denke sie lässt sich ein Stück weit auf die Freimaurerei übertragen: "Das Brauchtum pflegen wir um nur die anzusprechen, die wirklich was mit der Jägerei am Hut haben. Waffennarren, die einfach gerne durch die Gegend ballern wollen gibt es wie Sand am Meer. Aber nur die wenigsten machen sich die Mühe auch das Brauchtum zu erlernen."
Damit hat er mir zwei Dinge gesagt: zum einen, dass es auch unter den Jägern noch schießwütige Idioten gibt, denen der waidpflegerische Gedanke, falls jemals vorhanden, abhanden gekommen ist, zum anderen, und das fand ich viel wichtiger: das Brauchtum erfüllt eine selektive Aufgabe.
Und hier schließt sich der Kreis. Sie schreiben ja selber, die Ziele kann (oder sollte zumindest) jeder unterschreiben. Die Freimaurerei will aber noch weitergehen: sie ist eine Bruderschaft, die den brüderlichen Umgang miteinander pflegt. D.h. es herrscht ein inniges Vertrauensverhältnis. Und hier unterscheidet sich die Freimaurerei deutlich von allen anderen Vereinen. (Auch wenn sie selber in letzter Konsequenz nichts anderes ist!) Wenn es reichen würde zu sagen: "hey, klasse was ihr da macht, das will ich auch" dann wäre die Fluktuation in den Logen deutlich größer. Denn erst einmal würde jeder mitmachen wollen (denn die Ziele sind ja universell gut), spätestens aber, wenn der Neuzugang merkt, dass die Loge davon lebt, dass man sich selber in die Gemeinschaft einbringt, werden sich einige wieder verabschieden. Dieses Verhalten kann man in jedem (Sport-)Verein oder in jedem Betrieb, in jeder Partei beobachten, es ist immer nur ein kleiner Bodensatz, der sich wirklich engagiert, der Rest lässt sich amüsieren. Und deshalb ist die Zeit als (Be-)Suchender bei der Freimaurerei so lang. Es gilt diejenigen zu finden, die in die Gemeinschaft passen. (Dass die Zahl derer, die der FM nachher den Rücken wenden verschwindend klein ist, darüber ist hier schon in einem anderem Thread geschrieben worden.)
Und insofern finde ich den Vergleich mit dem "wir warten auf's Christkind" gar nicht so verkehrt. Wenn ich die Hürde so hoch mache, muss ich auch irgendetwas dafür "bieten". Aber das was geboten wird ist nicht die Bekanntgabe von Wort, Griff und Zeichen. Die kann ich überall nachlesen. (Habe ich neulich in einem Schüleraufsatz(!!!) gefunden!) Das ist es nicht. Es ist die Gemeinschaft. Und die muss dann eben "elitär" sein. (Bitte ganz bewusst in "", weil es nicht darum geht, dass Freimaurer die besseren Menschen sind oder sich dafür halten, sondern elitär im Sinne ein kleiner Kreis zu sein.)
Die "Ware" die die FM zu bieten hat ist eben eine besondere. Und für die ist einfach nicht jeder empfänglich. Und das ist auch ganz normal. So wie es Leute gibt, die Lakritze mögen und andere denen alleine beim den Gedanken daran anders wird. Das halten wir für normal, das ist es aber eben auch in anderen Zusammenhängen. Der eine liebt Opern, der andere Hip-Hop. Der eine hat eine Ader zur Freimaurerei, der andere nicht. Und die Freimaurerei täte weder sich noch den Aspiranten einen Gefallen wenn sie das nicht vorher "prüft".
Die Geheimniskrämerei wie Sie sie nennen ist also eher so etwas wie eine Prüfung. Denn die erwähnten Zeichen kann ich, wenn ich es denn wirklich will, jederzeit in Erfahrung bringen.
(Die Fälle von den Brüdern, die tatsächlich ihre Mitgliedschaft decken (also austreten) mal ganz außen vor gelassen. Den die Freimaurerei kann ja nicht jedes mal weltweit neue Erkennungszeichen einführen. Die sind jahrhundertealt. Und längst nicht so geheim wie sie, fast ausschließlich von Außenstehenden, dargestellt werden. Die Erkennungszeichen haben vielmehr rituellen Charakter, im Zweifelsfall entscheidend ist der Logenausweis. )
Gruß
Markus
F. Schmidt
06.09.2007, 23:14
Liebe Nora,
glauben Sie mir: Vertraulichkeit und Verschwiegenheit (nicht Geheimniskrämerei) ist in einer bis zum Erbrechen geschwätzigen Gesellschaft wohltuend und ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
:yes::yes::yes:
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