Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Stellung von Winkel und Zirkel
Dass Winkel und Zirkel als Zeichen für die Freimaurerei gelten ist ja hinlänglich bekannt.
Jetzt ist mir da gerade etwas aufgefallen:
Bei den meisten Grafiken ist nicht zu unterscheiden ob der Zirkel oben (im Sinne von über) dem Winkel liegt oder darunter. Aber wenn es denn zu unterscheiden ist, sieht man meistens den Zirkel über dem Winkel. Im Logo der Brüderlichkeit ist der Zirkel unter dem Winkel. Und ich meine irgendwo auch schon Darstellungen gesehen zu haben, wo die beiden "verschränkt" waren, also ein Bein über dem Winkel eines darunter.
Und da ich ja mittlerweile gelernt habe, dass die Freimaurer Meister der subtilen Bedeutungen sind stellt sich mir gerade die Frage: hat das eine Bedeutung?
Fragende Grüße
Markus
Schwarzbär
27.08.2007, 10:54
Ja, hat es:
1) W über Z = Lehrling
2) Ein Schenkel des Z über dem W = Geselle
3) Z über W = Meister
Ja, das hat es in der Tat. Darauf näher einzugehen verstößt aber besonders in der angelsächsischen Maurerei gegen die Arkandisziplin. Daher möchte ich etwas "drumherum reden".
Drei verschiedene Stellungen hast Du bereits beschrieben, aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, wie man die beiden Werkzeuge anordnen kann. Wenn Du Dir zum Beispiel Logenwappen der GLLFvD anschaust, oder auch das Siegel der GLLFvD selber (da befinden sich W u Z unter dem roten Kissen), dann wirst Du feststellen, dass dort beide Werkzeuge nicht übereinander, sondern aneinander liegen. Der Zirkel ist dabei 90 Grad geöffnet und bildet mit dem Winkel zusammen ein Quadrat.
Auch das ist natürlich FM-Symbolik vom Feinsten. Innerhalb des Rituals der GLLFvD gibt es sogar noch eine Weitere Position der Werkzeuge, auf die ich hier auch nicht eingehen möchte. Die überschneidende Position kennt man z.B. bei der GLLFvD gar nicht.
Das ist mit "Lehrart" gemeint. Symbole werden unterschiedlich benutzt, sowohl von der tatsächlichen Benutzung (Form, Position) her als auch von der inhaltlichen Bedeutung. Dennoch kann man mit den Symbolen anderer Lehrarten durchaus etwas anfangen. Sie sagen einem auch etwas. Und diese Interpretationen liegen meist sehr dicht bei der "offiziellen" Bedeutung.
Nun gehen die Augen der Brüder bei der Arbeit im Tempel auf Wanderschaft. Und man entdeckt immer wieder etwas Neues. Und die Brüder stellen sich genau die gleiche Frage wie Du. Hat das eine Bedeutung, dass es genau so liegt wie es liegt? Dass das Symbol genau dort ist wo es ist? Und schon hat man einen neuen Impuls, sich mit der Symbolik zu befassen, mit der Philosophie, der Lehre.
Aus diesem Grunde möchte ich die Bedeutung nicht einfach hier hin schreiben, obwohl es eigentlich kein großes Geheimnis ist.
Viele Grüße,
Thomas
Ich danke Euch für die Antworten. Schwarzbärs Antwort ist sicherlich die direkte Anwort auf meine Frage. Deine, Oberon, die eher erwartete.
Interessant waren sie alle beide! Ob ihr sie hier stehen lasst müsst ihr bitte unter Euch klären, ich wollte niemanden in "Schwulitäten" bringen...
Ich habe mir so etwas schon fast gedacht, dachte aber, ich frage einfach mal. :blush:
Gruß
Markus
Ich danke Euch für die Antworten. Schwarzbärs Antwort ist sicherlich die direkte Anwort auf meine Frage. Deine, Oberon, die eher erwartete.
Interessant genug an diesen Antworten ist eigentlich, das die Antwort von Schwarzbär zwar direkt ist, jedoch fast nichts aussagt. Denn in der Betrachtung von Symbolen gibt es sowas wie "die genaue Bedeutung" nicht.
Was nützt es zu wissen das Zirkel über Winkel für den Meister steht (in einigen Lehrarten) wenn man doch garkeinen Anhaltspunkt hat WARUM dies so ist. In diesem WARUM jedoch liegt die Arbeit mit dem Symbol und eben auch die Bedeutung und die Kraft der Symbolik.
Oberons Antwort wiederum ist indirekt, führt aber zur gedanklichen Beschäftigung mit Symbolen um die es eigentlich geht.
:yes:
Schwarzbär
27.08.2007, 11:36
Lieber Moritz, lieber Oberon,
bitte meine folgende Einlassung nicht als Arroganz missverstehen: Als Stuhlmeister einer vollkommenen und gerechten Loge stehe ich häufiger vor der Frage, was noch unter die Arkandisziplin fällt und was nicht. Ich entscheide da nach meinem Gusto und liege in der Regel nicht falsch. Auch kann ich nicht erkennen, inwieweit die Arkandisziplin berührt wird (auch bei den englischsprachigen Logen, aber das müssen die Brr. entscheiden). Auch halte ich die Stellung der Werkzeuge für egal (natürlich nicht im rituellen Sinn), da die Stellung nichts über die Bedeutung aussagt und auf die kommt es an.
In Fragen der Arkandisziplin gibt es in Deutschland einen Minimalkonsenz, der sich auf Zeichen, Griff und Wort eines jeden Grades bezieht. Der Rest ist persönliche Ansichtssache.
Br. Schwarzbär befindet sich völlig im Rahmen des Möglichen. Und so kenne ich ihn auch.
Meist ist es so, dass es sehr verschieden restriktive Vorstellungen gibt. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Das jetzt war ein klassisches Cross-Posting, da Schwarzbär schneller mit dem Schreiben fertig war als ich.
Viele Grüße,
Thomas
Schwarzbär
27.08.2007, 11:37
Interessant genug an diesen Antworten ist eigentlich, das die Antwort von Schwarzbär zwar direkt ist, jedoch fast nichts aussagt. Denn in der Betrachtung von Symbolen gibt es sowas wie "die genaue Bedeutung" nicht.
Was nützt es zu wissen das Zirkel über Winkel für den Meister steht (in einigen Lehrarten) wenn man doch garkeinen Anhaltspunkt hat WARUM dies so ist. In diesem WARUM jedoch liegt die Arbeit mit dem Symbol und eben auch die Bedeutung und die Kraft der Symbolik.
Oberons Antwort wiederum ist indirekt, führt aber zur gedanklichen Beschäftigung mit Symbolen um die es eigentlich geht.
:yes:
So ist es.
Dann bin ich ja beruhigt, dass es so ist, wie es ist.
Ich finde es trotzdem spannend und interessant zu erfahren, warum es die einzelnen Stellungen gibt. Und ich habe ja nicht umsonst geschrieben, dass Schwarzbärs Antwort die gewünschte, Oberons hingegen die erwartete war. Ich habe es mir zumindest gedacht, dass, wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, es dann nicht zwangsläufig Allgemeinwissen ist und/oder sein soll.
Warum die Stellungen so sind wie sie sind? Interessante Frage. Ich denke mal laut: Im Wappen der DDR stand der Hammer für die arbeitende Bevölkerung, der Zirkel für die Intelligenzia, die Führung. Davon ausgehend, dass auch die DDR letztlich keine Symbole neu erfunden hat, könnte ich mir vorstellen, dass das hier durchaus ähnlich ist. D.h. in dem Sinne wie das rationelle, planerische Handeln (also der Zirkel) die Oberhand gewinnt steigt der Grad.
Ich überlege gerade ob ich wirklich wissen will, ob ich damit richtig liege oder nicht. Irgendwas will ich ja später auch noch im Lehrlingsunterricht "lernen". (Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass es letztlich, egal wieviel man vorher weiß, immer noch neues zu entdecken gibt. Wie sonst sollte die Freimaurerei ein Leben lang spannend bleiben? Ähnlich wie ich auch heute noch den kleinen Prinzen in die Hand nehmen kann und immer wieder neue Aspekte entdecke, die mir vorher verborgen waren. Oder die ich einfach auf Grund erweiterter Lebenserfahrung mit neuen Inhalten fülle?)
Eine Frage drängt sich mir natürlich noch auf, aber wenn ich jetzt frage, ob die Brüderlichkeit in MG eine reine Lehrlingsloge ist, hauen mich Lapislazuli und Frank U. wenn ich mich das nächste Mal dort blicken lasse.... (OK, so ein bisschen gebettelt hätte ich dann ja auch :angel: )
Ich weiß, dass mein Vater im Lehrlingsschurz beigesetzt worden ist, als Symbol dafür, dass wir alle ewige Lehrlinge sind. Da drängt sich dann eben die Frage auf, hat das den gleichen Grund, oder macht das jede Loge wie sie es gerade für richtig hält? Wobei ja nicht jede Bauhütte (ich denke sogar eher die wenigsten) Winkel und Zirkel in ihrem "Logo" ( wie nennt man das eigentlich richtig? Heißt das auch Bijou oder ist der Bijou nur der "Anhänger" mit dem Symbol?) führen.
Kann man das verallgemeinern? Denn reine Lehrlings-, Gesellen- oder Meisterlogen gibt es doch nicht, oder? (Wenn man jetzt mal von den roten Logen, die ja erst ab Meister anfangen, absieht.)
Lapislazuli
27.08.2007, 12:55
Eine Frage drängt sich mir natürlich noch auf, aber wenn ich jetzt frage, ob die Brüderlichkeit in MG eine reine Lehrlingsloge ist, hauen mich Lapislazuli und Frank U. wenn ich mich das nächste Mal dort blicken lasse....
Lieber Markus,
Du weißt doch, dass sich mein Interesse nicht auf den Faustkampf bezieht.
Kann man das verallgemeinern? Denn reine Lehrlings-, Gesellen- oder Meisterlogen gibt es doch nicht, oder? Wenn von Lehrlings-, Gesellen- oder Meisterloge die Rede ist, dann ist die Veranstaltung und nicht der Verein gemeint.
...ob ich damit richtig liege oder nicht.
Wie gesagt, es sollte unmöglich sein an irgendein Symbol ein "Namensschild" zu heften. Damit sind die Begriffe "richtig" oder "falsch" bei der Deutung von Symbolen eher fehl am Platze. Auch das was man im Lehrlingsunterricht ggf. lernt sind "nur" Ausgangspunkte zum selber denken (und fühlen). Ein Symbol gewinnt erst Bedeutung durch einen Kontext und da Sie selber Teil des Kontextes sind ändert sich die (Be)deutung fließend.
Ziel des Unterrichts ist auch nicht die Vermittlung von Symbolbedeutungen, sondern die Vermittlung vom Umgang mit Symbolen.
Du weißt doch, dass sich mein Interesse nicht auf den Faustkampf bezieht.
Lapiszlazuli,
das ist mir natürlich bekannt. Ich möchte aber auch nicht mit irgendwelchen fiesen Metallspitzen aus irgendwelchen Kugelschreiberumhüllungen maltraitiert werden:cry: :no:
Da bin ich lieber artig... (na ja, zumindest im Rahmen meiner Möglichkeiten :icon_smile_lachuh:)
Wie Lapislazuli es bereits andeutete, gibt es keine reinen Lehrlingslogen im Sinne des Vereins.
Bei der Veranstaltung "Lehrlingsloge" treffen sich alle Brüder und arbeiten gemeinsam im Lehrlingsgrad. Bei der Gesellenloge können aber die Lehrlinge nicht teilnehmen.
Teilweise wird parallel zur Tempelarbeit ein Lehrlingsunterricht angeboten, so dass sich doch alle Brüder im Logenhaus treffen, nur eben kurzzeitig nicht zusammen sind.
Die Beisetzung im Lehrlingsschurz hängt mit dem Satz zusammen: "Wir sind allezeit Lehrlinge." Der besagt, dass man sich auch als Freimaurermeister nicht am Ende seines Weges befindet, sich nicht bequem zurücklehnen und andere arbeiten lassen kann.
Aus dem selben Symbolik heraus tragen in Deutschland auch die Großmeister wieder den Lehrlingsschurz.
Viele Grüße,
Thomas
Damit sind die Begriffe "richtig" oder "falsch" bei der Deutung von Symbolen eher fehl am Platze.
Eher fehl am Platze, d'accord. Unzulässig? Eher nicht. Wer schrieb hier doch gleich: Nicht hinter jedem "Vorfahrt achten"-Schild steckt einen freimaurerische Verschwörung. Will sagen, man kann sich in dem hineindeuten auch ganz schön verrennen. (Z.B. die tiefere Bedeutung von T-Kreuzungen :no:)
Ein Symbol gewinnt erst Bedeutung durch einen Kontext und da Sie selber Teil des Kontextes sind ändert sich die (Be)deutung fließend.
Ha, das erklärt wunderbar den von mir oben beschriebenen Effekt. Hätte ich auch selber drauf kommen können...
Ziel des Unterrichts ist auch nicht die Vermittlung von Symbolbedeutungen, sondern die Vermittlung vom Umgang mit Symbolen.
Ja, so ist's richtig. Macht mich neugierig..... (Nee, keine Angst, bin ich schon... wäre ich sonst hier :rolleyes2:)
Btw, wo ich Sie gerade anschreibe: ich habe neulich einen Thread im Forum Königliche Kunst entdeckt und die Ruhe und Souveränität bewundert, mit der Sie dem Kollegen "Freimaurer" der neue Logenmitglieder gesucht hat begegnet sind. Chapeau!
Faszinierend fand ich, dass er sich, nachdem man ihn nicht als Bruder erkannt hat, ziemlich still verhalten hat... Und alleine im Regen stand...
Nicht hinter jedem "Vorfahrt achten"-Schild steckt einen freimaurerische Verschwörung. Will sagen, man kann sich in dem hineindeuten auch ganz schön verrennen. (Z.B. die tiefere Bedeutung von T-Kreuzungen :no:)
Ganz richtig, die freimaurerischen Symbole sind auch nicht beliebig deutbar. Sowohl durch das Symbol als auch den Kontext in den es gestellt wird, wird eine Deutungsrichtung angegeben. Einen Rechtenwinkel würde man eher nicht als etwas unordentliches oder willkürliches deuten, damit ist ja eine völlig beliebige Deutung bereits ausgeschlossen.
War das mit dem Menschen der eine neue Loge gründen wollte nicht eher im Forum ask1.org?
Jedenfalls danke für die Blumen :icon_smile_lachuh:
Stimmt, war es.
Ich habe neulich mal gegoogelt, weil ich einfach mal selber lesen wollte, was es so an abstrusen Theorien gibt. Und da habe ich dann einiges gelesen. Unter anderem auch das Forum Königliche Kunst. Und das war das einzig merkenswerte... Habe ich dann wohl durcheinandergeworfen... sorry!
Wobei ja nicht jede Bauhütte (ich denke sogar eher die wenigsten) Winkel und Zirkel in ihrem "Logo" ( wie nennt man das eigentlich richtig? Heißt das auch Bijou oder ist der Bijou nur der "Anhänger" mit dem Symbol?) führen.
Hallo Moritz,
ich sehe grade, dass dieser Teil Deines Beitrages noch gar nicht beantwortet wurde. Bei dem "Logo" oder "Wappen" einer Loge spricht man meist von Siegel, da dies auch in dieser Form zum Stempeln von Dokumenten benutzt wird. Auch da gibt es sicherlich Ausnahmen, bekannt ist mir aber keine.
Das Bijou ist oftmals die Wiedergabe des Siegels in der Form eines Metallanhängers. Aber es gibt auch Logen, bei denen Siegel und Bijou sehr unterschiedlich aussehen.
Dann gibt es auch Logen, die kein Bijou haben, sondern nur ein Siegel. In der Großen Landesloge war es z.B. so, dass jede Loge ihre eigene Schurz-Form hatte. Auch heute noch gibt es eine große Auswahl an FO-Schurzen. Allerdings haben hier in NRW z.B. alle FO-Logen auch Bijoux.
In den Niederlanden zum Beispiel tragen die Brüder zwar auch ein Bijou, aber der Anhänger ist überall gleich. Dort hat jede Loge eine eigene Farbe für das Bijou-Band.
Viele Grüße,
Thomas
Schwarzbär
28.08.2007, 13:30
Ganz einfach, das Bijoux ist das Vereinsabzeichen, das meist am Band um den Hals getragen wird, jedenfalls in AFuAM-Logen. Das Winkelmaß trägt der MvSt als Beamtenabzeichen, ein (i.d.R. kleineres) Winkelmaß der zugeordnete Meister, also der Stellvertreter.
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