Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vielleicht gibt es doch dumme Fragen ?!
Aurelius
25.07.2007, 11:26
Sehr geehrte Mitglieder,
schon seit einigen Jahren interessiere ich mich für die Freimaurerei. Bisher konnte ich mich noch nicht zu einem Besuch bei den Besucherabenden durchringen, da ich das Gefühl habe, für mich noch nicht genug Informationen zu haben, um die Freimaurerei in ihren Grundzügen zu verstehen..
Daher möchte ich an dieser Stelle noch einige Fragen stellen. Sollten diese an anderer Stelle schon beantwortet worden sein, so sehen Sie mir dies bitte nach.
Was ist die Freimaurerei eigentlich genau ?
Ich habe gelesen, dass es hauptsächlich um eine Art Selbsterziehung geht. Sich selbst finden und innerhalb einer/der Gesellschaft wiederfinden. Nach meinen Informationen wird dies hauptsächlich durch Gespräche erreicht. Diese sollen das Verstehen der anderen Argumente sowie die Toleranz anderen gegenüber bewirken. Die wirklich interessanten Themen, Politik und Religion, sind hierbei aber ausgenommen !? Gerade die Themen, die eine gute Schule wären, da es schwer fällt Toleranz zu wahren und über Argumente nachzudenken, werden ausgeschlossen !?
Welche anderen Wege findet die Freimaurerei ?
Welche anderen Ziele verfolgt sie ?
Eine weitere Frage berifft die verschiedenen Lesarten in den Großlogen und Logen. Wie finde ich für mich die passende Loge ? Welche Unterschiede gibt es. Mir ist klar, dass Sie nicht auf jede kleine Loge eingehen können. Aber in meiner Gegend gibt es mehrere Logen der drei größten Großlogen. Vielleicht können Sie zumindest hier auf die Unterschiede eingehen, um mir das Finden der für mich "richtigen" Richtung zu helfen.
Eine dritte Frage betrifft die Religion. Auch wenn ich die Mitbürger bewundere, die an einen Gott glauben und sichvon diesem unterstützt und verstanden fühlen, würde ich mich selbst als Atheist beeichnen. Wahrscheinlich ist genau das der Punkt weswegen ich "auf der Suche" bin.
Ist die Freimaurerei dann überhaupt etwas für mich oder ist der Glauben an eine übergeordnete Macht (welcher Art auch immer) eine gedankliche Voraussetzung zur Umsetzung freimaurerischer Gedanken oder zum Verstehen der freimaurerischen Grundsätze und Rituale ?
Mir ist natürlich klar, dass Sie nicht auf alles im Detail eingehen können und wollen. Allerdings kann ich mir unter der "tagtägliche FM-Artbeit" nichts vorstellen. Ich hoffe, Sie können mir einen kleinen Einblick verschaffen.
Vielen Dank und mit freundlichen Sommergrüßen
Aurelius
Lieber Aurelius,
Ich habe gelesen, dass es hauptsächlich um eine Art Selbsterziehung geht. Sich selbst finden und innerhalb einer/der Gesellschaft wiederfinden. Nach meinen Informationen wird dies hauptsächlich durch Gespräche erreicht.
Dies ist an sich schon eine Frage, die eine äußerst komplexe Antwort nach sich zieht, denn egal was man sagt, man tut einigen Logen Unrecht damit.
Es ist schon richtig, dass die Freimaurerei eine "Selbsterziehung zur Tugend" ist, nur läuft diese nicht rein intellektuell ab. Sachgespräche in Form einer Erwachsenenbildung können zwar in einigen Logen gefunden werden, aber die FM ist kein Verein für Erwachsenenbildung.
Es geht da eher um emotionale Prozesse. Die "Gespräche" im Ritual sind verbale Symbole, die die optischen Symbole im Tempel ergänzen. Aus diesem Grunde bleiben Religion (besser währe wohl der Begriff Religionspolitik) und Politik aus den Tempeln heraus.
Die Loge ist kein Club in der Politik betrieben oder diskutiert wird. In persönlichen Gesprächen sicherlich ja, aber nicht programmatisch "in" der Freimaurerei.
Eine weitere Frage berifft die verschiedenen Lesarten in den Großlogen und Logen. Wie finde ich für mich die passende Loge ? Welche Unterschiede gibt es. Mir ist klar, dass Sie nicht auf jede kleine Loge eingehen können. Aber in meiner Gegend gibt es mehrere Logen der drei größten Großlogen. Vielleicht können Sie zumindest hier auf die Unterschiede eingehen, um mir das Finden der für mich "richtigen" Richtung zu helfen.
Auch hier ist die Antwort nicht einfach. Logen weisen regionale Unterschiede auf. Zu sagen, dass die christlichen Großlogen eben christlich sind und die humanitären eben nicht, wäre eine Vereinfachung, die so auch nicht zutrifft.
Man kann zwar sagen, dass Du als erklärter Atheist in einer Loge der GLLFvD auf Dauer nicht glücklich werden würdest, das heißt aber anders herum nicht, dass jede Loge der GL AFAM für Dich per se geeignet wäre.
Die "Chemie" zwischen Suchendem und Bruderschaft muss stimmen. Und das kann man nur durch Besuche von Gästeabenden herausfinden. Da kann man dann auch sehr gezielt Fragen z.B. zum Thema Atheismus stellen, die wir hier so allgemein nicht beantworten können.
Ist die Freimaurerei dann überhaupt etwas für mich oder ist der Glauben an eine übergeordnete Macht (welcher Art auch immer) eine gedankliche Voraussetzung zur Umsetzung freimaurerischer Gedanken oder zum Verstehen der freimaurerischen Grundsätze und Rituale ?
Laut der alten Grundsätze der Freimaurerei ist der Glaube an ein Höchstes Wesen (Supreme Being), welcher Art es auch sein möge, Voraussetzung für die reguläre Freimaurerei. Ob es sich dabei um einen personifizierten Gott wie bei christlichen/jüdischen/moslemischen/zarathurstischen/usw. Brüdern handelt, um ein Pantheon wie bei hinduistischen Brüdern, oder um etwas ganz anderes handelt (mir fehlen die Kenntnisse, um alle Facetten der Religionen aufzuführen), das ist Teil des persönlichen Glaubens des Bruders und finden in der Freimaurerei keinen Niederschlag.
Die christliche Lehrart ist da naturgegeben etwas zielgerichteter, aber auch da sind die Glaubensdetails Privatsache des Bruders.
Ich hoffe, diese Antworten konnte Dir weiter helfen,
Viele Grüße,
Thomas
Ahura Mazda
26.07.2007, 06:21
Sehr geehrte Mitglieder,
Eine dritte Frage betrifft die Religion. Auch wenn ich die Mitbürger bewundere, die an einen Gott glauben und sichvon diesem unterstützt und verstanden fühlen, würde ich mich selbst als Atheist beeichnen. Wahrscheinlich ist genau das der Punkt weswegen ich "auf der Suche" bin.
Aurelius
Hallo Aurelius
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß ein echter Atheist gleichzeitig ein Suchender sein kann.
Als Suchender musst du dich letzendlich gegenüber allen anderem (auch fremden) öffnen.
Tust du dieses solltest du auch ein Verständnis für ein übergeordnetes wie auch immer geartetes Wesen erhalten!
Ein echter Atheist ist für mich ein Mensch mit einer für sich vorgefertigten Meinung, welche als für Ihn einzig wahr von Ihm gewertet wird.
(Als Suchender verstehe ich einen Menschen welcher sein Leben an den Geist eines höheren Wesen ausrichten versucht)
Dieses ist in keinster Weise als Kritik gegen deine Person gerichtet bitte nicht falsch verstehen, ich möchte dir nur meine Ansichtsweise näherbringen!
Im übrigen kann ich mir bei deiner doch recht offenen Schreibweise nur schwer einen echten Atheisten vorstellen. Ich hoffe dich ein wenig ins grübeln gebracht zu haben, lese dir ruhig auch mal die verschiedenen? Religionen durch und versuche den Kern zu erfassen und nicht die Dogmatische Lehre!
Einen freundlichen Gruß
Ahura Mazda
Hallo,
das ist nun der zweite Anlauf, diesem Thread zu antworten. Meine erste Antwort hatte gut 6.000 Zeichen und verschwand in der Versenkung beim Klicken auf „Vorschau“ und der Bitte des LogIns. Na klasse. Also schreibe ich meinen so umfangreichen Text noch einmal. Aber das Thema ist eben auch sehr interessant für mich selbst.
Ich habe mich heute auch erst hier registriert und bin 28 Jahre alt und lebe in Nürnberg. Meine Frau und ich erwarten in Kürze unser erstes Kind, welches Sophie heißen soll. Ich arbeite seit einigen Jahren in einem Verlag in Fürth und bin eigentlich in Norddeutschland beheimatet. So viel zu meinen Fakten. ;-)
Seit meiner frühen Jugend stieß ich immer wieder auf die Freimaurerei und so war es nicht weiter verwunderlich, dass ich versuchte vor einigen Jahren dort aufgenommen zu werden. Es war jedoch eine Katastrophe und ich war grad sehr froh zu lesen, dass die Chemie zwischen Loge und mir stimmen muss. Natürlich muss sie das, aber bei meinem damaligen Anlauf stimmte sie eben nicht. Ich besuchte einen Gästeabend und traf mich einmal mit dem Logenmeister (? – ich bin mit den Begriffen nicht richtig vertraut). Aber es fühlte sich nicht richtig für mich an und zog mich wieder zurück für einige Jahre. Vor kurzem nahm ich dann wieder Kontakt mit einer anderen Loge hier auf, aber da habe ich noch keine Antwort erhalten.
Zum Atheismus
Ich wurde nicht getauft und zahle auch für keine Kirche Abgaben. Als Kind gehörte der Besuch der Kirche auch nicht zu meinem Alltag und ich besuchte auch nur ein oder zwei Mal den Religionsunterricht. Ein Kruzifix hängt demnach auch nirgends, wo ich so wirke. Für viele wäre ich damit ein Atheist, manche würden richtigerweise vielleicht noch Agnostiker sagen und manche aus dem unbefangenen Unwissen heraus auch Heide zu mir sagen. Aber keines davon trifft auf mich wirklich zu.
Ich lebe in einer Gesellschaft mit einer wohl definierten Ethik und Moral, christliche Riten und Mythen sind mir ebenso inne wie normalen Kirchgängern. Ich bin zwar nicht traurig zu Ostern, aber Weihnachten finde ich dennoch sehr schön. Klar. ;-) Aber mich unterscheidet eben die Glaubensfrage von den gemeinen Kirchgängern. Ich wurde recht wissenschaftlich erzogen und immer dazu angehalten, Dinge zu hinterfragen. Die Religionen haben mich immer auch interessiert und ich kenne mich vermutlich in deren Geschichte schon besser aus, als mancher Kirchgänger.
Doch eigentlich wollte ich immer Philosophie und Physik studieren (wegen mieser Erfolgsaussichten nach dem Studium aber verworfen) und gerade in dieser Thematik kommt es irgendwann zur Frage der Göttlichkeit. Und ich glaube an die Möglichkeit einer höheren Existenz. Es kann gut sein, dass unsere komplette Existenz auf einem Zufall basiert und es keinen Gott gibt. Ich glaube aber, dass es möglich sein könnte, dass da jemand ist. Vielleicht würfelt er sogar und entscheidet gar nicht – vielleicht ist dieser Gott so, wie er im Film „Dogma“ dargestellt wurde. Vielleicht ist es aber doch nur eine Zivilisation des fiktiven Typs VII der Kardaschow-Skala. Ich glaube an alle Möglichkeiten und vielleicht kommt an dieser Stelle der Agnostiker in mir durch. Ich lehne den Glauben jedoch nicht ab und mich würde es auch nicht verdattern, wenn ich morgen lesen würde, dass der große Cthulhu auferstanden ist. Was mir jedoch schwer fiele, wäre das Akzeptieren einer göttlichen Fügung oder Bestimmung. Ich möchte selbst verantwortlich sein für mein Tun und Wirken und mich nicht damit entschuldigen lassen, dass es jemand so wollte. Ich glaube an den freien Willen und den Zufall. Genau das ist der Punkt, den ich an den Kirchen eben für mich nicht passend finde. Die Religionen sind zweifelsohne eine fundamentaler Teil unserer Gesellschaft, ohne sie zerbräche unser System ins Chaos; aber ich begreife sie eben nur als Vermittler von Werten, Ethik und Moral. Und das machen sie auch ganz gut, aber sobald man beginnt Dinge genau zu hinterfragen, wird man in der Kirche unglücklich.
Der Kern jeder Religion ist jedoch gut – Geborgenheit, Wärme, Werte und die Vermittlung humanistischer Grundsätze. Und das war für mich immer der Schnittpunkt mit der Freimaurerei. Weshalb es für mich auch Sinn ergibt sich von Religion freizuhalten, sie aber zuzulassen. Ein Atheist kann ich also nicht sein. Aber das ist eigentlich nicht sehr wichtig, da die Werte nach denen ich lebe und die ich weitergebe entscheidend sind und ich war im Kern meiner Überzeugung, stets der Meinung, dass ich ein guter Freimaurer sein müsste.
Eingangs erwähnte ich ja schon meinen ersten Kontakt mit der Loge Lynkeus der Türmer und ich entschied mich damals, ich war etwa 22, für diese Loge in Nürnberg, da auf der Webseite ein Zitat aus Goethes Faust stand. Ich fand dort jedoch doch keine offene Bruderschaft, sondern sehr kritische alte Männer und bei jeder meiner Aussagen folgte eine sehr tiefgehende, unfreundliche Gegenfrage. Es fühlte sich an wie bei einem psychologischen Verhör und das gefiel mir nicht für ein erstes Treffen. Ein weiterer störender Punkt damals war für mich der offensichtliche Altersunterschied. Der nächst Jüngste dort schien geschätzte 40 Jahre älter als ich zu sein. Kurzum: Ich zog mich dort zurück, da ich mich einfach unwohl fühlte und seitdem hatte ich immer das Bedenken, dass ich wohl nie ein Freimaurer werden könne, da ich damals zu wenig Standhaftigkeit aufwies und mich einfach zurückzog.
So gesehen ist der Begriff „Suchender“ für mich durchaus sinnvoll. Aber ich würde ihn gern in „Willkommener“ oder „Gefundener“ abändern können. ;-)
Über eine Antwort würde ich mich freuen, denn sollte ich sehr falsch mit meiner Denkweise liegen – wäre der Hinweis darauf woh sehr hilfreich. ;(
Viele Grüße,
Sascha
Hallo Sascha,
vielleicht vorab zu Deiner Glaubenseinstellung. Wie mir scheint bist Du durchaus ein Glaubender, ich würde Dich nicht Atheist nennen nach dieser Schilderung. Bei dem was Du als "ich kann nicht glauben an ....." aufführst handelt es sich um Glaubensdetails und -formen, die auch in der Freimaurerei der einzelnen Person überlassen werden.
Zu dem, was Dir in der erwähnten Loge passiert ist, kann ich natürlich nichts sagen, ich kenne weder die Brüder dort noch die Umstände eurer Begegnung. Aber klar ist, wenn Du Dich da nicht wohl fühlst, dann ist es auch nicht die richtige Loge für Dich.
Ich persönlich habe mit dem Altersunterschied nie Probleme gehabt. In unserer Loge spürt man den gar nicht. Ich war im Gegenteil sehr überwältigt davon, wie geistig rege und an mir interessiert "die alten Herren" waren.
Ein Gespräch auf gleicher Ebene trotz großem Altersunterschied ist ein wunderbares Erlebnis. Das findet man heute nur noch sehr sehr selten.
Viele Grüße,
Thomas
Hallo,
ich habe ja auch kein Problem mit dem Alter - im Gegenteil. Nur hatte ich dort eben den Eindruck man wolle unter sich bleiben. Nunja... vielleicht ist man Fürth ja anders - ich fänds toll. ;-)
Nunja... vielleicht ist man Fürth ja anders - ich fänds toll. ;-)
In Nürnberg gibt es sieben Logen. Kein Grund also wg. einer "schlechten" Erfahrung gleich aus der Stadt zu flüchten. :no:
Die von Ihnen erwähnte Loge gehört mit einer weiteren der GLLFvD an. Daneben bestehen aber auch 5 Logen der AFuAMvD die im selben Logenhaus arbeiten.
Viele Grüße
Martin
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