Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rotes Kreuz
Thoronir
28.06.2007, 18:51
Hallo!
Man merkt vielleicht, dass ich mich die letzten Tage ein wenig durch die Seiten der einzelnen Großlogen gelesen habe.
Bei der GLLFvD habe ich immer wieder eine Art Malteserkreuz als Symbol gesehen, so auch auf einer Fahne vor dem Ordenshaus (Foto auf der Seite).
Wie ist das denn zu verstehen? Die Malteser sind doch katholisch, und die kath. Kirche hat es doch nicht so mit den Freimaurern.
christoph
28.06.2007, 21:11
Lieber Stefan,
das von Ihnen angesprochene Rote Kreuz ist das Symbol des Freimaurerordens. Innerhalb des Schwedischen Systems (christliche Freimaurerei in Deutschland und Skandinavien) findet man es an vielen Stellen. Ich werde mal suchen, ob ich irgendwo einen Übersichtstext über dieses Thema finde und ich gehe davon aus, dass Oberon dann hilft Ihnen diesen Text zu Verfügung zu stellen.
Thoronir
30.06.2007, 20:08
Vielen Dank für die Antwort. Ich muss mich auch dahingehend korrigieren, dass das Kreuz des Freimaurerordens aus vier Dreiecken besteht und nicht wie das der Malteser das achtspitzige Kreuz ist.
Ich hatte mich von diesem roten Kreuz auf weißem Grund zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen.
Ganz so abwegig war der Gedanke nicht: der sog. FO bezieht sich auf die christlichen Ritterorden und bearbeitet sog. Rittergrade, also mehr Grade als beispielsweise AFAM, die nur drei Grade kennen, nämlich Lehrling, Geselle und Meister.
In den höheren Graden des FO tritt der christliche Gedanke immer mehr in den Vordergrund. Hier sind natürlich gewisse Reibungspunkte zur humanitären Maurerei vorprogrammiert, die ein Bekenntnis als reine Privatangelegenheit ansieht.
Thomas
Thoronir
02.07.2007, 23:51
Lieber Thomas,
vielen Dank für die Antwort.
Das klingt ja fast so, als hätten die anderen Freimaurer keine Hochgrade. Aber was ist dann mit dem AASR? Auf der Seite des Obersten Rates steht, dass die sich in Kapiteln und Konsistorien treffen. Für mich klingt das auch ziemlich nach christlichen Ritterorden.
Was ja grundsätzlich nicht falsch ist. Ein Freimaurerbruder (darf ich den so nennen?) hat mir erklärt, dass es dabei nicht um das Wiederaufleben von Ordensgemeinschaften geht, sondern um den christlichen Ritter als Idealbild, wie er z.B. in Legenden vorkommt.
Und seien wir mal ehrlich, unsere Parameter von dem, was humanitär ist, entstammt dem christlich-europäischen Werteverständnis.
Lieber Thomas,
Und seien wir mal ehrlich, unsere Parameter von dem, was humanitär ist, entstammt dem christlich-europäischen Werteverständnis.
Najaaaaa, so ganz richtig ist das nicht. Gerade in "humanitärer" Hinsicht hat das Christentum den alten Philosophenschulen der Antike nichts voraus.
Da es wenigstens die ersten 100 Jahre eine Armeleutereligion war, sind seine Gedankengänge eher etwas simpel, wenn wir sie mit Cicero oder Seneca, mit Platon oder Aristoteles vergleichen.
Es war eines der Anliegen der Renessangs, hier wieder an die alten Quellen anzuknüpfen.
Gruss
kauli
ExOrientelux
04.07.2007, 17:06
sind seine Gedankengänge eher etwas simpel
Ehrlich? :ohwell:
ExOrientelux
06.07.2007, 19:20
Mein letztes :ohwell: erfordert vielleicht noch eine kleine Erläuterung.
Die Ursprünge der FM sind christlich, je nach Lehrart hat man sich mehr oder weniger stark davon entfernt im praktischen Bezug.
Gleichzeitig ist das historische Christentum - dies ist das eigentlich interessante - mit all seinen Facetten in die Freimaurerei eingezogen, ebenso wie die paganen, astrologischen, mathematischen etc. Bezüge.
Das historische Christentum legt im Kern jedoch schon die Auseinandersetzung mit einer "simplen" Heilslehre an, insofern als daß aristotelische, platonische, sogar pythargoräische (! wichtig für FM) Erfahrungen aufgenommen und weiterverarbeitet werden. Die Logoslehre ("Im Anfang war geisterfülltes Wort") des Johannesevangeliums mag dafür ein Beispiel sein. (Logos heißt nicht Wort. Die sattsam bekannte Übersetzung "Am Anfang war das Wort" ist nicht korrekt, wie vielleicht nicht allen bekannt ist.)
Die Abwehr der ersten christlichen Staatskirche gegen die Gnosis während der zwei nachchristlichen Jahrhunderte zeigt, daß die "simple" Heilslehre Christi doch nicht ganz so einfach zu greifen ist, denn offenbar wurden die Gnostiker als ernstzunehmende Gefahr erkannt, zumal sie sich nicht im Widerspruch mit den Evangelien sahen. Dieses Oszillieren zwischen eindeutiger Aussage der apostolischen und mehrdeutiger Interpretation des gnostischen Wegs hat bis in unsere heutige Zeit Fortbestand.
Im ausgehenden Mittelalter trat plötzlich zu Tage, daß jüdisches Denken dem christlichen Gedanken so stark innewohnt, daß die Werke von Moses Maimonides, des großen jüdischen Rabbis und Denkers die wichtigsten Bindeglieder zwischen antiker Philosophie und Christentum wurden. Vermitteln konnten sie nur, weil es keinen Widerspruch gab.
Die christliche Hochscholastik hat die neuplatonischen Schriften gierig aufgesogen hat: jene von Maimonides, dann das Liber de Causis (Proklos 411-485) sowie Liber XXIV Philosophorum (seinerzeit aus ideologischen Gründen HermesTrismegistos zugeschrieben - mal nachgoogeln!).
Die Verschmelzung der philosophischen Erfahrungen mit der christlichen Lehre findet einen vorläufigen, und bis heute gültigen abendländischen Höhepunkt in Meister Eckhart, der mit seinen Predigten und Kommentaren zudem noch das Fenster nach Indien aufstößt. Alles was auf dieser Schiene, die der Einfachheit halber als Label das komische belastete Wort "Mystik" trägt, nachfolgt (Silesius, Cusanus, Böhme, Swedenborg, Schelling, Fichte etc.) ist ohne Eckhart nicht zu denken.
Und was ist christliche Mystik? Wie soll man sie benennen, diese Interaktion von Evangelien und Platonismus? Es ist die Aussage, daß Gott in der Seele des Menschen geboren wird. Alle Paradoxien und Gleichnisse Eckharts umrunden dieses eine weitere Paradoxon. Mal drüber nachdenken... :blush:
All das ist CHRISTENTUM! Ich mag nicht beurteilen, was simpler ist: Aristoteles oder diese schier unfaßbaren Kapriolen des menschlichen Geistes, Kapriolen, die nach Aussage der christlichen Mystiker, der Buddhisten, der Hindus, Zen-Mönche etc. - durchaus machbar sind - seelisch/physisch.
(Meister Eckhart spielt übrigens eine herausragende Rolle in der "schwedischen Lehrart" der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.)
Nur ein kleiner Exkurs zum "Christentum". Einen schönen Abend wünscht Ex Oriente Lux :ohwell:
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