Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einige eher praktische Fragen
Thoronir
26.06.2007, 16:29
Hier im Forum wird viel über die philosophischen, geschichtlichen und symbolischen Aspekte der Freimaurerei geschrieben.
Meine Fragen sind etwas einfacherer Natur, ich hoffe aber, dass es keine "dummen" Fragen sind:
1.) In meiner Heimatstadt gibt es mehrere Logen in einem Logenhaus. Sie geben alle die gleiche Telefonnummer an, und auch im Telefonbuch steht nur die eine Telefonnummer. Ich hätte gedacht, dass die einzelnen Logen zumindest eigene Durchwahlen haben. Wie erreiche ich denn jetzt die Loge, von der ich etwas möchte?
2.) Es wurde schon irgendwo über Jahresbeiträge geschrieben. Wenn ich mir andere Vereine als Vorbild nehme, dann gibt es auch noch weitere Kosten, sei es Kleidung, Sportausrüstung, Musikinstrumente - eben je nach Verein. Gibt es bei den Freimaurern sowas auch?
3.) Wenn ich mal Freimaurer werden sollte, darf ich dann auch an Treffen anderer Logen teilnehmen?
Fidelitas
26.06.2007, 16:59
Lieber Stefan,
Meine Fragen sind etwas einfacherer Natur, ich hoffe aber, dass es keine "dummen" Fragen sind:
Bestimmt nicht!
1.) In meiner Heimatstadt gibt es mehrere Logen in einem Logenhaus. [...]Wie erreiche ich denn jetzt die Loge, von der ich etwas möchte?
Vermutlich handelt es sich wirklich "nur" um die Rufnummer des Logenhauses. Dieses "Vereinshaus" wird i.d.R. nicht bewohnt, man erreicht dann nur (möglicherweise) einen (gemeinsam verwalteten) Anrufbeantworter bzw. nur dann jemanden persönlich, wenn im Logenhaus gerade jemand anwesend ist (der auch ans Telefon gehen kann). Ich empfehle daher als Erstkontakt einen schriftlichen Kontakt zu Ihrer Wunschloge.
2.) Es wurde schon irgendwo über Jahresbeiträge geschrieben. Gibt es bei den Freimaurern sowas [weitere Kosten] auch?
Ja, über die üblichen Aufnahmegebühren und Mitgliedsbeiträge hinaus entstehen (überschaubare) Kosten. Es ist kein Geheimnis, das zur freimaurerischen Arbeit ein dunkler/schwarzer Anzug vorgeschrieben ist, nach Logenbrauch auch ein "Hoher Hut" - sollten sie so etwas nicht besitzen, wären die Anschaffungskosten wohl "weitere Kosten" im Sinne Ihrer Anfrage. Auch finden bei den meisten freimaurerischen Zusammenkünften Gabensammlungen statt, z.B. das Herumreichen eines Sparschweins. Üblich ist, das jeder nach eigenem Gewissen und nach eigenen Mitteln gibt. Diese Kosten sind also vorhanden, die konkrete Höhe bestimmen Sie selbst. Desweiteren gibt es Logenveranstaltungen, änlässlich derer ggf. zur Deckung der Kosten für ein besonderes Essen o.Ä. Kosten entstehen, die durch den Mitgliedsbeitrag nicht abgedeckt sind.
3.) Wenn ich mal Freimaurer werden sollte, darf ich dann auch an Treffen anderer Logen teilnehmen?
Ja, und das sollen Sie sogar. Tiefergehend müßte man auf die Frage der "Regularität", auf "Besuchsregelungen" etc. eingehen, aber im Grunde: ja, als Freimaurer dürfen und sollen Sie andere Freimaurerlogen besuchen.
Mit freundlichem Gruß,
Christian
Thoronir
28.06.2007, 18:40
Ich empfehle daher als Erstkontakt einen schriftlichen Kontakt zu Ihrer Wunschloge.
Vielen Dank für den Hinweis. Ein Brief ist da wohl wirklich der beste Weg.
"Hoher Hut"
Ein was?
Fidelitas
28.06.2007, 18:48
Gemeint ist ein Zylinderhut.
Thoronir
28.06.2007, 18:49
Ah! Vielen Dank. Da hab ich wohl etwas auf der Leitung gestanden.
Ist eigentlich unter "schwarzer Anzug" ein Dreiteiler (Hose, Sakko und Weste), ein Zweiteiler(ohne Weste), Smoking oder Frack gemeint?? Krawatte oder Fliege??(und auch welche Farbe). Weil laut den Etikketenvorschriften trägt man einen Zylinderhut nur mit Morgenbekleidung oder Frack(Abendbekleidung).
Abgesehen davon sind diese beide sehr teuer.
Das wäre meine Frage
Grüsse Jan
Schwarzbär
04.03.2008, 17:35
In der Regel reicht ein schwarzer Anzug (wie bei Ihnen beschrieben) völlig, Zwei- oder Dreiteiler spielt keine Rolle. Smoking oder Frack gehen auch (sind übrigens nicht so teuer, da gibt es gute günstige Bezugsquellen). Die Krawatte bzw. Fliege sind in Deutschland bzw. bei den deutschen GL immer weiß, bei den Engländern u. Amerikanern schwarz (die tragen dann auch i.d.R. keinen Frack, obwohl ich das auch schon gesehen habe). Der Hohe Hut schließlich wird beileibe nicht von allen Logen getragen, ich kenne im Gegenteil mehr, die dies nicht tun. Auch für den HH gibt es günstige Quellen (ebay)
Die Bekleidungsvorschriften sind meist von der Lehrart oder der Logentradition abhängig. So wird in der GLLFvD zum Beispiel nur die weiße Fliege getragen. Die gesellschaftlichen Bekleidungsvorschriften sind in der Freimaurerei etwas aufgeweicht, weil man im Laufe der Zeit Alternativen zugelassen hat. So ist der Schwarze Anzug zwar zugelassen, die anderen Assessoirs zeigen aber, das ursprünglich nur der Frack getragen wurde.
Im Ausland gibt es auch durchaus Logen, in denen man in Straßen- oder gar Arbeitskleidung zur Tempelarbeit geht.
Viele Grüße,
Thomas
Schwarzbär
04.03.2008, 17:57
Es ist heute eher normal, einen schwarzen Anzug zu tragen, was schon ein kleines Indiz für die Demokratisierung der Logen ist.
Hammurapi
04.03.2008, 22:50
Dass die früheren Werkmaurer nicht in schwarzen Anzügen gearbeitet haben scheint mir logisch zu sein. Wenn ich an Zylinder und Schwarzem Frack oder Anzug denke, fällt mir ehr das Bild eines englischen Gentleman ein.
Woher kommt diese Tradition bei den Freimaurern?
Grüße,
Hammurapi
Schwarzbär
04.03.2008, 22:58
Wir kleiden uns zur Tempelarbeit: festlich! Der Bekleidungsstil ist bildungsbürgerlich, weil die FM eine bürgerliche Entwicklung ist.
Richard H.
05.03.2008, 07:40
Wenn ich an Zylinder und Schwarzem Frack oder Anzug denke, fällt mir ehr das Bild eines englischen Gentleman ein.
Diese Assoziation ist durchaus treffend.
Das Wort "Gentleman" ist im Englischen vieldeutig. Es bedeutet ebenso den Mann von Stand, guter Erziehung, Bildung und guter Lebensart, wie den Ehrenmann und steht im allgemeinen für die Anerkennung bürgerlich moralischer Vollwertigkeit. Im Verzeichnis der Großloge von London wird nicht ohne Grund der erste Großmeister Sayer einfach als Gentleman bezeichnet.
"Gentleman Freemasons" hießen in Irland die Angehörigen in der spekulativen Logen im Gegensatz zu den Werkmaurern.
Unabhängig davon, daß die Freimaurerei in der Vergangenheit insoweit sicher auch von gesellschaftlichen Konventionen Englands geprägt worden ist: Wer die ethischen Normen und die Verhaltensideale der Freimaurerei kennt, wie sie z.B. in den sog. Alten Pflichten zum Ausdruck kommen, der wird feststellen müssen, daß es ein Widerspruch sein muß, Freimaurer und kein Gentleman zu sein.
Leider gilt in der heutigen Gesellschaft und Geschäftswelt ein gentlemanhaftes Verhalten, wenn nicht sogar als ein von Ausdruck Schwäche, so doch für nicht wenige als ausgesprochen unlocker bzw. "uncool".
Eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die leider auch an nicht wenigen Logen spurlos vorüber geht.
Wer sich wie ein Gentleman kleidet, der sollte sich auch so zu benehmen wissen. Wer sich allerding schon nicht wie ein Gentleman kleidet, an den wird man auch nicht eine dementsprechende Erwartung an sein Verhalten stellen.
Insoweit ist die formelle und festliche Bekleidung eines Freimaurers, ob sie nun bei traditionellen Logen aus Frack, Streßemann oder Smoking oder bei modernen Logen aus einem schwarzem Anzug besteht, in meinen Augen vor allem eines:
Mahnung zur Selbstverpflichtung auf die Ideale eines Freimaurers, der stets und in allen Formen ein Gentleman im Umgang mit seinen Mitmenschen sein sollte.
Hammurapi
09.03.2008, 21:56
Ich grüße Dich Richard
Diese Assoziation ist durchaus treffend.
Das Wort "Gentleman" ist im Englischen vieldeutig. Es bedeutet ebenso den Mann von Stand, guter Erziehung, Bildung und guter Lebensart, wie den Ehrenmann und steht im allgemeinen für die Anerkennung bürgerlich moralischer Vollwertigkeit. Im Verzeichnis der Großloge von London wird nicht ohne Grund der erste Großmeister Sayer einfach als Gentleman bezeichnet.
"Gentleman Freemasons" hießen in Irland die Angehörigen in der spekulativen Logen im Gegensatz zu den Werkmaurern.
Unabhängig davon, daß die Freimaurerei in der Vergangenheit insoweit sicher auch von gesellschaftlichen Konventionen Englands geprägt worden ist: Wer die ethischen Normen und die Verhaltensideale der Freimaurerei kennt, wie sie z.B. in den sog. Alten Pflichten zum Ausdruck kommen, der wird feststellen müssen, daß es ein Widerspruch sein muß, Freimaurer und kein Gentleman zu sein.
Leider gilt in der heutigen Gesellschaft und Geschäftswelt ein gentlemanhaftes Verhalten, wenn nicht sogar als ein von Ausdruck Schwäche, so doch für nicht wenige als ausgesprochen unlocker bzw. "uncool".
Eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die leider auch an nicht wenigen Logen spurlos vorüber geht.
Wer sich wie ein Gentleman kleidet, der sollte sich auch so zu benehmen wissen. Wer sich allerding schon nicht wie ein Gentleman kleidet, an den wird man auch nicht eine dementsprechende Erwartung an sein Verhalten stellen.
Insoweit ist die formelle und festliche Bekleidung eines Freimaurers, ob sie nun bei traditionellen Logen aus Frack, Streßemann oder Smoking oder bei modernen Logen aus einem schwarzem Anzug besteht, in meinen Augen vor allem eines:
Mahnung zur Selbstverpflichtung auf die Ideale eines Freimaurers, der stets und in allen Formen ein Gentleman im Umgang mit seinen Mitmenschen sein sollte.
Danke für Ausführung. Da habe ich wohl das richtige vermutet. Aber da wäre noch das Schwert, welches u.U. getragen wird.
Welche Bedeutung hat es? Wenn ich also wieder an England denke, dann fällt mir zugleich der Ritter ein - also vielleicht Ritterlichkeit?
Grüße Hammurapi
Richard H.
09.03.2008, 22:13
Sehr geehrter Hammurapi,
Aber da wäre noch das Schwert, welches u.U. getragen wird.
Das Schwert bzw. der Degen wird in Deutschland unter den Großlogen der VGLvD nur von den Brüdern getragen, die, wie auch ich, der GLL FvD, dem Freimaurer-Orden, angehören.
Diese Tradition enstammt französischen Logen des 18. Jahrhunderts und war weit verbreitet. Auf vielen Stichen und Gemälden des 18. Jahrhunderts werden Sie die versammelten Brüder mit gezücktem Degen erblicken. Heute sind Schwert bzw. Degen nur noch in den Logen Schwedischen Systems und in einigen französischen Logen üblich.
Vielfach wird das Schwert als ein symbolischer Fremdkörper in der Symbolk der Bauhütten und Steinmetze betrachtet; gerade mit Blick auf die Bauhüttentradition und Bauhüttensymbolik beruft sich der Freimaurer-Orden indes unter anderem auf Nehemia 4, 12: "Von den Bauleuten hatte jeder sein Schwert um die Hüften gegürtet, und so bauten sie."
Welche Bedeutung hat es? Wenn ich also wieder an England denke, dann fällt mir zugleich der Ritter ein - also vielleicht Ritterlichkeit?
Ja, durchaus richtig. Der Freimaurer-Orden ist ein Freimaurer-Ritterorden. Allerdings ist die Schwertsymbolik im einzelnen in der Ritualistik des Freimaurer-Ordens weitaus abstrakter und ausdifferenzierter als es die oberflächliche Betrachtung als Waffe nahelegt.
Gruß
Richard
Schwarzbär
10.03.2008, 07:17
In der AFuAM steht das Schwert für die gesetzgebende und -verteidigende Instanz (mit Ausnahme der Schröderlogen. Hier hat Schröder das Schwert aus dem Ritual verbannt)
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