Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Abwesenheit der Kunst in der „Königlichen Kunst“
irishmason
30.05.2007, 10:32
Als alerter Beobachter der Freimaurerszene und als Kunstschaffender muss ich konstatieren, dass der Faktor Kunst in der sogenannten Königlichen Kunst einen insignifikanten Stellenwert einnimmt.
Der von mir sehr geschätzte, verstorbene Kunstprofessor Jörg Immendorf, der sich über bürgerliche Moralvorstellungen und Denkblockaden hinwegsetzte, neue Kunst-Impulse setzte, prägte die These: „Kunst ist die Weiterentwicklung des Menschen“.
Nun beansprucht die Feimaurerei jedoch, dem Bruder Werkzeuge an die Hand zu geben, die ihn befähigen seine Weiterentwicklung voranzutreiben. Symbolisch verstandene „Tools“ versetzen ihn in die Lage, sein eigenes Bild zu bearbeiten und positiv zu korrigieren.
Kunst ist jedoch, lauf Immendorf, „das grosse Thema, dass alles einschließt“.
Wenn nun ein Thema wie Kunst keinen Stellenwert hat (ich habe mir die Mühe gemacht sehr viele der zur Verfügung stehenden Websites freimaurerischen Inhalt zu sichten, primär in Deutschland aber auch in USA, Lateinamerika, Osteuropa....ausser einigen kleinen Lichtblicken irregulärer GLs, die hier nicht zur Debatte stehen, ist nichts zu finden. ..) hat die Königliche Kunst bessere Werkzeuge und Theorien die Weiterentwicklung des Menschen zu realisieren?
Die Freimaurerei war in der Vergangenheit immer der Hort der Kunst und Kultur und der Mensch Kern der Dinge.
Hat man sich von diesen Spektrum entfernt und damit von dem eigentlichen Inhalt der Freimaurerei?
ED
Lieber Ed, ich denke, die Menschen haben heute allgemein weniger Zugang zu Kunst als früher. Hausmusik war früher bis in die Mittelschicht Gang und Gäbe.
Es gibt durchaus Logen, die sich als Förderer der Kunst, oder zumindest von Künstlern erweisen, aber sicherlich sind es weniger als früher.
Ob damit der eigentliche Kern der Freimaurerei angetastet wird sei mal dahin gestellt, das kann man sicherlich auch anders sehen. Allerdings steht es jedem Bruder frei, gegen diesen Missstand etwas zu tun.
Am Beispiel meiner eigenen Loge kann ich sagen, dass wir auch erst einen gewissen Zugang zur Kunst haben, seit einer unser Brüder mit einer Künstlerin liiert ist.
Wie Du richtig schreibst, kann die Kunst ein Werkzeug sein, sich auszudrücken und zu entwickeln. In der Freimaurerei werden einem zahlreiche Werkzeuge dazu geboten, weil Menschen sehr verschieden sind und es sehr unterschiedliche Zugänge zur Freimaurerei gibt.
Künstler unter den Brüdern haben sich zur Vereinigung "Pegasus" zusammen geschlossen. Über deren Aktivitäten kann vielleicht mal ein Bruder etwas schreiben, der dort Mitglied ist.
Viele Grüße,
Thomas
Zitat von pegasus-kunst.de
Die Freimaurerei ist in der glücklichen Lage, im Laufe ihrer fast 300-jährigen Geschichte auf eine Vielzahl künstlerisch tätiger Brüder blicken zu können. Mit gewissem Stolz wird jeder Freimaurer darauf verweisen, dass herausragende Männer wie Goethe und Lessing, Mozart und Liszt, Rückert und Tucholsky und viele andere mehr einst der Bruderschaft angehörten.
Dabei wird oft übersehen, daß auch heute viele Brüder in der Kette stehen, die aktiv in den Bereichen Kunst und Kultur tätig sind und deren Schaffen vom freimaurerischen Geist geprägt ist. Brüder, die durch ihr Tun in der Öffentlichkeit von den Idealen des Bundes künden, Brüder, die in der Lage sind, in der Sprache unserer Zeit zu den Menschen zu sprechen. Wenn es richtig ist, was die Philosophen sagen, "daß die Kunst die Wahrheit sucht", dann ist Kunst wohl ein geeignetes Medium für die Freimaurerei. PEGASUS ist auf der Suche nach einer freimaurerischen Ästhetik. Wobei Ästhetik im Wortsinn zu verstehen ist: als Wahrnehmung. Wahrnehmung und Wahrheit sind unsere Arbeit an der "Säule der Schönheit", die den Bau vollenden soll. Der Pegasus, das Musenpferd, soll uns dabei Symbol und Ansporn sein: vier Beine, um fest auf der Erde zu stehen und zwei mächtige Schwingen, um uns zu Höhenflügen zu tragen.
Pegasus stellt praktisch ein Netzwerk zwischen den Künstlern im Freimaurerbund her,
indem es eine Mitgliederliste gibt - die ich besonders schätze -, welche nicht nur die Namen der Brüder,
sondern auch ihr künstlerisches Wirkungsfeld beinhaltet.
So kommt es zu gemeinsamen Verantaltungen (Ausstellung+Lesung oder ähnliches) von Pegasus'lern.
Oder Logen haben die Möglichkeit, sich an Pegasus zu wenden, wenn sie bspw. jemanden für eine Lesung suchen.
Herder schrieb einmal, "die Natur des Menschen ist Kunst".
Da hat er meines Erachtens recht. Jeder, der nach der menschlichen Natur,
nach seinem Inneren sucht, um damit oder daran zu arbeiten, betreibt Kunst.
Pegasus vereint Brüder, welche sich in der Malerei, der Bildhauerei, der Literatur...
betätigen - oft wird in diesen Werken ihre freimaurerische Suche sichtbar.
Pegaus
Je höher ich reise,
desto dünner die Äste,
desto feiner die Blätter.
Und meine Flügel sind ganz Luft.
Und meine Beine spüren Fels.
Ich atme.
Und je tiefer ich atme,
desto brauner die Erde,
desto heller der Wind.
Liebe Grüße
Robert
irishmason
30.05.2007, 11:18
Lieber Thomas, lieber Robert,
im Prinzip habt Ihre ja recht, aber Robert führt nun die Brüder Goethe etc an, die schon lange tot sind. Eben auf diese Zeit hebe ich ab.
Pegasus kenne ich und ich sehe mir sehr oft die Website an, gemessen an der Anzahl der Freimaurer in D ist dies aber nur eine sehr kleine Facette.
Robert, Deine eigene Website ist evtl eine Ausnahme. ich stelle fest, Kunst kommt sonst kaum vor.
ED
"aber Robert führt nun die Brüder Goethe etc an, die schon lange tot sind. Eben auf diese Zeit hebe ich ab."
:hmmm: Les dir nochmal das Pegass Zitat durch. Genau darum ging es nicht.
Nur ein Bruchteil der Pegasus'ler bekennt sich öffentlich.
Auf der Homepage findest du etwa ein knappes Viertel der Mitglieder.
Lapislazuli
30.05.2007, 11:58
Lieber Ed,
dafür, dass die Kunst in der deutschen Freimaurerei an Bedeutung verloren hat, mag es eine Menge Gründe geben.
Die größte Verbreitung dürfte die Freimaurerei nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 gehabt haben, als der Kaiser und der Kronprinz Maurer waren. Dies machte die Maurerei für den Adel und das Großbürgertum attraktiv. In diesen Kreisen war man humanistisch gebildet und hatte das Geld und die Muße für Kunst.
Inzwischen ist die Freimaurerei mittelständischer geworden, die humanistische Bildung ist weniger geworden mit der Muße für Kunst ist es auch nicht mehr so weit her.
Inzwischen hat sich aber auch die Kunst geändert, insbesondere die bildende Kunst. Sie ist nicht mehr so dekorativ wie früher, sondern wird immer elitärer und die Kreise, denen sie sich noch erschließt, werden immer kleiner.
irishmason
30.05.2007, 12:28
Inzwischen hat sich aber auch die Kunst geändert, insbesondere die bildende Kunst. Sie ist nicht mehr so dekorativ wie früher, sondern wird immer elitärer und die Kreise, denen sie sich noch erschließt, werden immer kleiner.
Lieber Bruder, das bestreite ich vehement. Ich beschäftige mich jeden Tag mit Kunst, die Kunst wurde nicht elitärer, der Trend ist nur, dass Kunst heute von sich elitär dünkenden Personen vermarktet wird, die keine Ahnung von Kunst haben, aber ein Gespür für schnelles Geld und das Märchen des Kaisers Neue Kleider verinnerlichen.
Gerade da könnte die FM als Katalysator wirken und Künstlern, die nicht Leinwände vollschmieren, sondern sich mit Kunst auseinandersetzen, eine Chance geben sich zu profilieren.
Wäre vielleicht ein Projekt wert, dass das Interesse an der FM in der Öffentlichkeit positiv wecken könnte.
ED
irishmason
30.05.2007, 13:47
Uuuuund noch was:
Gemäß dem Motto von Marcel Duchamp: Bei 50 Prozent eines Kunstwerks spielt der Betrachter die Hauptrolle. Es wird ein Zusammentreffen unterschiedlichster Gruppen und Menschen geben, und da kommt es darauf an, ob Funken überspringen, ob der Betrachter eines Kunstwerkes auch in sich hineinhört und schaut: Ist er bereit, sich zu öffnen? Was entsteht da für eine Atmosphäre? Wie machen wir klar, dass Kunst nicht nur ein Nebenprodukt in der Gesellschaft ist? Denn meiner Auffassung nach gehört Kunst, also das Kultivieren aller, ganz nach oben.
ED
ExOrientelux
30.05.2007, 15:38
Uuuuund noch was:
Gemäß dem Motto von Marcel Duchamp: Bei 50 Prozent eines Kunstwerks spielt der Betrachter die Hauptrolle.
Kann ich nur bestätigen. Wenn ich in unserem Wohnzimmer mein Lieblingsbild (siehe unten) anschaue, denk ich immer, na, wenn ditte nich wie echta Hirsch wircht, weeßick ooch nich.
Ernst beiseite: Als Berliner muß ich sagen, daß Kunst und Kunstvermittlung in dieser Stadt kein Problem ist.
LG!
irishmason
30.05.2007, 15:54
Tjaaaaa Berlin, das ist doch die Hauptstadt, wenn da nix abgeht, wo sonst .....und da ist auch die Akademie der Kuenste. Ich war mal Schueler bei Prof Kranz, annodunnemals, Bildhauerei...
Interessant ist auch die Beuys-Ausstellung in Schloss Moyland bei Kleve, war ich vor kurzem.
Die Logen, um auf das Thema zurueckzukommen, sollten mehr machen, ich kenne einige Brueder, die gut malen, aber durch wenig sachliche Bemerkungen der anderen sich nicht trauen.
ED
ExOrientelux
30.05.2007, 16:15
aber durch wenig sachliche Bemerkungen der anderen sich nicht trauen.
Du meintest aber jetzt nicht mein Röhrender-Hirsch-Posting, oder? :angel:
irishmason
30.05.2007, 16:43
Du meintest aber jetzt nicht mein Röhrender-Hirsch-Posting, oder? :angel:
Nö, ich meine diejenigen (die es ueberall gibt !) die andere entmutigen und demotivieren, nicht nur in der Kunst, dass kostet Wahnsinnssubstanz und der Wirtschaft täglich Milliarden Euro, täglich!.
Nö, der Hirsch ist doch schön, ist zwar nicht mein Fall, aber wem es gefällt...
ED
Lapislazuli
30.05.2007, 17:06
Gerade da könnte die FM als Katalysator wirken und Künstlern, die nicht Leinwände vollschmieren, sondern sich mit Kunst auseinandersetzen, eine Chance geben sich zu profilieren.
Wäre vielleicht ein Projekt wert, dass das Interesse an der FM in der Öffentlichkeit positiv wecken könnte.
ED
Eine gute Idee für Logen, die ein eigenes Haus haben.
Bernhard
31.05.2007, 08:00
Kunst ist ein gutes Werkzeug.
Was aber ist "freimaurerische Kunst" als Kunstbegriff? Sind es nur die Werke, welche FM-Themen und Symbole aufgreifen?
In meinen Augen kann jede Kunst, freimaurerische Kunst sein.
Wenn Sie nicht einfach zum Konsum gemacht ist, sondern eine Wirkung beim "Konsumenten" erzeugt. Sie soll bildlich gesprochen also nicht einfach ein Musikstück sein, sondern eine Erschütterung oder auch nur eine feine Vibration, welche eine Saite in einem zum Schwingen bringt.
Dass wir Schwingungen der Saite nicht wahrnehmen, liegt nicht immer an der Abwesenheitheit der Kunst, sondern oftmals an den Nebengeräuschen die die Saite im Alltag übertönen.
Auch in diesem Sinne gilt es in der FM die Kunst zu fördern.
irishmason
31.05.2007, 09:11
Kunst ist ein gutes Werkzeug.
Was aber ist "freimaurerische Kunst" als Kunstbegriff? Sind es nur die Werke, welche FM-Themen und Symbole aufgreifen?
Lieber Bernhard, "freimaurerische Kunst" hat die Symbolik und Philosophie der Freimaurerei zum Inhalt.
ich habe eine ganze Sequenz freimaurerischer Kunst, die quer alle Themen beinhalten von Vergänglichkeit, Werzeugsymbolik, Templer, Tempel in Jerusalem etc etc (siehe auch die freimaurerische Kunst von Jens Rusch und die vielen Beispiele im Pegasus)
Ein freimaurerisches Gemälde ist wie eine Arbeitstafel. Eine Arbeitstafel ist ja auch die bildliche Darstellung von Allegorien und Symbolen.
ED
Kunst ein wichtiges Thema!
Über Prof. Jörg Immendorf hab ich neulich eine Reportage/Dokumentation im Fernsehen gesehen. Sehr interessant!
...
Dies machte die Maurerei für den Adel und das Großbürgertum attraktiv. In diesen Kreisen war man humanistisch gebildet und hatte das Geld und die Muße für Kunst.
Inzwischen ist die Freimaurerei mittelständischer geworden, die humanistische Bildung ist weniger geworden mit der Muße für Kunst ist es auch nicht mehr so weit her.
Inzwischen hat sich aber auch die Kunst geändert, insbesondere die bildende Kunst. Sie ist nicht mehr so dekorativ wie früher, sondern wird immer elitärer und die Kreise, denen sie sich noch erschließt, werden immer kleiner.
Also Kunst ist, ganz entgegen der landläufigen Meinung, für mich kein Ausdrucksmittel für Kreise, welche sich der nötigen "Muße" befleissigen, sondern Mittel für die Gesamtheit der Menschen.
Man war der Auffassung, dass Kunst nur elitären Kreisen zugänglich sein soll, da sonst die Qualität leiden würde. Nimmt man nun aber die Immendorf-These zur Grundlage, kann und sollte man darauf bedacht sein, den Geschmack der Qualität anzugleichen, nicht umgekehrt (wie es heute so oft geschieht).
Wo gibt es denn einen Widerspruch zwischen Mittelständigkeit und humanistischer Bildung?
Muße entsteht auch, wenn Kunst leistet was sie zu leisten hat und zu leisten im Stande ist.
Außerdem, denke ich, gibt es auch keinen Widerspruch zwischen dekorativ und bildender Kunst (s.o.). Auch Alltagskunst, wie Spitzweg (auch Kitsch genannt *gg*), kann Menschen an die bildende Kunst heranführen.
Jemand der auch in der bildenden Kunst lediglich den dekorativen Charakter entdeckt, wird auch bei aller elitären Muße, nicht das volle Spektrum nutzen können - das wäre Aufgabe der (humanistischen) Bildung. Denn elitäre Kreise und humanistische Bildung gehören nicht zwangsläufig zusammen, wie eben Mittelstand oder sogar Unterschicht dieser nicht widersprechen muss.
Robert, Deine eigene Website ist evtl eine Ausnahme. ich stelle fest, Kunst kommt sonst kaum vor.
Ist die URL ein Geheimnis, oder kann man sie erfahren? :rolleyes2:
irishmason
31.05.2007, 17:06
Ist die URL ein Geheimnis, oder kann man sie erfahren? :rolleyes2:
Ich weis nicht ob es hier erlaubt ist URLs einzubinden, in manchen Foren ist das nicht erlaubt, Robert wird sicher dazu direkt Stellung nehmen, bitte fragen Sie ihn per PN
ED
Ed,
Du kannst hier URLs posten, aber dann bitte unter dem Textfeld das Häkchen bei "Links automatisch umwandeln" entfernen, damit kein Link daraus wird.
Viele Grüße,
Thomas
irishmason
31.05.2007, 19:52
Ed,
Du kannst hier URLs posten, aber dann bitte unter dem Textfeld das Häkchen bei "Links automatisch umwandeln" entfernen, damit kein Link daraus wird.
Viele Grüße,
Thomas
Thomas, ich überlasse es Robert zu antworten, er ist der Inhaber der Site.
ED
Haaallllllllllllllloooo Robert
Für die Beantwortung solcher Fragen sind die Moderatoren zuständig und auch gerne bereit.
Die Administratoren sind für den technischen Betrieb der Seiten verantwortlich.
Viele Grüße,
Thomas
Thomas, ich überlasse es Robert zu antworten, er ist der Inhaber der Site.
ED
Haaallllllllllllllloooo Robert
Hallo Scout und Ed,
hier bei mir ist irgendwie eine Vermittlungsstelle oder ähnliches abgeschmiert,
das Servicetelefon wollt' oder konnt' auch nix genaues sagen..., darum komme ich so gut
wie nicht mehr ins Internet. Aller zwei Minuten schenkt man mit derzeit einen Freiflug
und ich bin wieder offline, von den Übertragungsraten in der Zwischenzeit ganz zu schweigen.
(Samstag Vormittag soll sich dieser Zustand spätestens wieder gebessert haben, versicherte man mir).
:cry:
Jedenfalls komme ich darum erst so spät zum Antworten.
Meine URL lautet: robert.matthees.net
Gute Grüße
irishmason
14.06.2007, 13:50
Künstler unter den Brüdern haben sich zur Vereinigung "Pegasus" zusammen geschlossen. Über deren Aktivitäten kann vielleicht mal ein Bruder etwas schreiben, der dort Mitglied ist.
Um Mitglied zu werden, muss man Bürgen haben, auch werden andere Kriterien ins Kalkül gezogen und immer artig zu sein, fällt mir schwer.
ED
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