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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : War Madam Blavatsky Freimaurerin?


Carmelita
19.05.2007, 12:39
Helena Petrowna Blavatsky (1834-1891),russische Mystikerin und Abenteuerin gruendete 1875 die Theosophische Gesellschaft.
Das einzigartige war das sie als erste versuchte dir oestliche und westliche Philosophie und Religion zu vereinen um damit ein besseres Verstaendnis der okkulten Lehren zu schaffen. Nun habe ich irgendwo gelesen, dass Sie Freimaurerin gewesen waere!? Wer weiss mehr darueber?
Carmelita

oberon
19.05.2007, 17:16
Ich habe darüber nichts gefunden, allerdings stehen mir auch nur die allgemein zugänglichen Quellen zur Verfügung. Sicherlich gab es zu ihrer Zeit schon Frauenlogen, die aber noch nicht den Organisationsgrad heutiger femininer FM erreicht haben dürften (mit Ausnahme des Driot Humaine vielleicht).

Die Theosophische Gesellschaft nannte ihre örtlichen Vertretungen zum Teil auch "Loge", was aber kein Hinweis auf freimaurerische Tätigkeit ist. Viele okkulte Vereinigungen nahmen diesen Begriff für ihre Versammlungen an, ohne eine Verbindung zur FM zu haben, da die Bezeichnung Loge eine gewisse Exklusivität suggeriert und die Gemeinschaft somit aufwertet.

Viele Grüße,

Thomas

Robert
19.05.2007, 17:37
Kurze Anmerkung (off topic):
Wir haben im Dresdner Archiv Frauenrituale aus dem 18. Jhd...

Carmelita
20.05.2007, 02:49
Kurze Anmerkung (off topic):
Wir haben im Dresdner Archiv Frauenrituale aus dem 18. Jhd...
Ja lieber Robert!
Dann sende mir doch mal Infos darueber, ich bin naemlich ein Fan von Madam.
Carmelita

Robert
20.05.2007, 02:56
Große Infos kann ich dir nicht senden, sorry,
die Rituale sind nämlich nicht nur in schwer lesbarem Kurrent,
sondern obendrein in Französisch abgefasst, noch bevor
sich irgendwelche Regeln einer einheitlichen Rechtschreibung
verfestigt hatten. Das macht das Studium dieser Quellen schwer. :-)
Froh war unser Historiker, als er sie datieren konnte,
erstaunt war er, als er durch einen franz. Bruder erfuhr,
dass es sich um ein Frauenritual handelt.
Ich wollte mir dieser Bemerkung nur darauf hinweisen,
dass es schon recht früh Frauenlogen gab, mehr nicht.

Gute Grüße

oberon
05.06.2007, 13:47
Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden viele esoterische oder okkulte Gemeinschaften. Auch die Brüder Freimaurer haben sich neben der Freimaurerei mit solchen "Künsten" beschäftigt.

Da eine Aktivität in okkulten Kreisen nicht per se einen schlechten Ruf für die Person beinhaltete (anders als heute) wurden auch praktizierende Okkultisten in die Freimaurerlogen aufgenommen. Anders herum haben auch die Brüder, die sich mit solchen Praktiken beschäftigten, eigene Orden gegründet, in denen sie Magie und Okkultismus praktizierten.

Ich denke, es ist bezeichnend für die Freimaurere, dass diese Brüder sich nicht IN der Freimaurerei durchsetzten. Die "Goldmacherkunst" war nur in den frühesten Zeiten der FM ein Thema, das meist von Betrügern oder überzeugten Betrogenen in den Bund eingebracht wurde.

So waren zum Beispiel bei den Gründern des Golden Dawn Freimaurerbrüder dabei, ebenso beim ursprünglichen OTO, der sogar als Freimaurer-Hochgrad-System gedacht war, ohne sich aber durchsetzen zu können.

Diese verwirrenden Bewegungen führen dazu, dass der Freimaurerei oftmals ein okkulter Touch anhängt, den die Freimaurerei aber gar nicht zu bieten hat. Die Verwendung von Begriffen wie Ritual, Tempel, usw., die wir heute fast ausschließlich mit Okkultgruppen oder Religion in Verbindung bringen, trägt ihren Teil dazu bei.

Viele Grüße,

Thomas

irishmason
15.06.2007, 14:10
Große Infos kann ich dir nicht senden, sorry,
die Rituale sind nämlich nicht nur in schwer lesbarem Kurrent,
sondern obendrein in Französisch abgefasst, noch bevor
sich irgendwelche Regeln einer einheitlichen Rechtschreibung
verfestigt hatten. Das macht das Studium dieser Quellen schwer. :-)
Froh war unser Historiker, als er sie datieren konnte,
erstaunt war er, als er durch einen franz. Bruder erfuhr,
dass es sich um ein Frauenritual handelt.
Ich wollte mir dieser Bemerkung nur darauf hinweisen,
dass es schon recht früh Frauenlogen gab, mehr nicht.

Gute Grüße


Robert, das Ritual wuerde mich interessieren (rein sprachwissenschaftlich), kann ich eine Hardcopy bekommen, ich spreche fliessend franzoesisch.
ED

Robert Nordwind
21.07.2007, 23:53
Herzliches Hallo alle zusammen!:rolleyes2:


Ich bin Mitglied der Theosophischen Gesellschaft Adyar (Loge Hamsa) .

Zu deiner Frage Carmelita:

Nachdem Helena Blavatsky 1877 ihr erstes Hauptwerk „Isis entschleiert“ herausgebracht hatte, wurde sie von John Yarker in seinen Antient And Primitive Rite (Memphis Misraim) aufgenommen. Er soll sie gleich in den höchsten für Frauen vorgesehenen Grad seines Systems eingesetzt haben.

Diese Vorgehensweise wurde von anderen FM kritisiert. Yarker entgegnete darauf: „Ich erteile Madame Blavatsky keinen anderen Grad, als den sie zu empfangen berechtigt war nach allen internationalen Regeln und Bestimmungen der freimaurerischen Hochgrade. Gleichzeitig bin ich mir nur zu deutlich bewusst, dass sie aus älteren Quellen schon vieles besaß, das nicht von mir stammte“ (zitiert nach Sylvia Cranston „H.P.B.Leben und Werk der Helena Blavatsky“ S.208 – vielmehr steht in dieser Biographie zu Deiner Frage nicht)

In unserem Zentrum in Adyar (Chennai) in Indien hängt die Ernennungsurkunde Blavatskys ausgestellt von Yarker. Nach allem was ich in Erfahrung bringen konnte, war Yarkers neubegründeter Memphis Misraim ein System okkulter Freimaurerei. Yarker suchte vermutlich für sein neues System berühmte, geheimnissvolle Persönlichkeiten einzusammeln. Aktive Freimaurerin war Helena Blavatsky offenbar nicht. Sie hat keine FM-Loge innerhalb oder ausserhalb der Theosophischen Gesellschaft gegründet. Es gab aber andere Theosophen die ebenfalls in Yarkers FM-System Mitglied wurden.

Wurde Helena Blavatsky als sie noch in Russland lebte Freimaurerin? Fakt ist, dass sich in ihrer unmittelbaren Verwandschaft ( Familie v.Hahn mit Verbindung zum russischen Hochadel) wichtige Freimaurer befanden. Sie könnte in die damalige illegale russische Untergrungfreimaurerei aufgenommen worden sein, z.B. in Odessa. Das sind aber nur meine Vermutungen. Bekannt dagegen ist, dass sie in ihrer Jugend bei o.g. Verwandten Zugangserlaubnis zu deren Bibliothek bekam, in der sich Freimaurerbücher (und wohl auch Rosenkreuzerschriften)befunden haben sollen. Sie hatte damals diese Bücher „verschlungen“.

Ihre Schriften spiegeln ihre große Achtung vor der Freimaurerei wieder :yes:
Gegenüber der FM des 19 Jhd. äußerte sie sich öfter mit deutlicher Kritik.


Alles Gute!
Robert Nordwind

Penta
28.07.2007, 17:55
1877 veröffentlichte Blavatsky mit Isis Unveiled ihr erstes größeres Werk, das erst 1909 unter dem Titel "Die entschleierte Isis" auf Deutsch erschien; die aktuelle Ausgabe ist korrekter mit "Isis entschleiert" betitelt. Beeindruckt von diesem Werk, überreichte ihr John Yarker, ein unseriöser Händler von Freimaurerpatenten, nebenstehendes Patent, das sie unterschrieb, auf das sie später allerdings wenig Wert gelegt zu haben schien: „Soweit es uns betrifft, die Schüler der Meister des Orients, haben wir nichts zu tun mit moderner Maurerei.“ (B:CW XI:181)http://de.wikipedia.org/wiki/Helena_Petrovna_Blavatsky

Robert Nordwind
29.07.2007, 12:05
Über die Seriösität von John Yarker lässt sich streiten. er ist jedenfalls ein bedeutender Autor. Einen unseriösen Händler würde ich ihn nicht nennen wollen. Das FM-Lexikon gibt meiner Meinung die richtige Sichtweise wieder:

"Yarker,John, 1833-1913, englischer freimaurerischer Schriftsteller, Theosoph, Rosenkreuzer, spielte eine Zeitlang im A. u. A. Schottischen Ritus eine Rolle, war nach seinem Ausscheiden Begründer sogenannter freimaurerischer Systeme auf mystischer Grundlage und Großmeister usw. mehrerer nicht anerkannter Riten. Die irregulären Gründungen von Theodor Reuß in Deutschland zu Beginn des Jahrhunderts stützten sich teilweise auf von Yarker ausgestellte Konstitutionsurkunden. In seinem Hauptwerk >> The Arcane schools << und anderen Büchern legte er recht phantastische Anschauungen über die Geschichte der Freimaurerei nieder."

Das erwähnte Buch kann man im Internet lesen (leider nur in Englisch)

http://www.phoenixmasonry.org/arcane_schools/part_1.htm

Wichtig ist meiner Meinung nach auch festzuhalten, dass Reuss und Steiner aus dem Memphis-Misraim jeweils ihr ganz eigenes System schufen.

Alles Gute!
Robert

oberon
29.07.2007, 12:54
Lieber Robert, lieber Penta

dies hier ist ein sehr spezialisierter Themenstrang, und das ist auch in Ordnung so. Aber vergesst beim Schreiben bitte nicht, dass dieses Forum für alle Interessierten ist, die vielleicht weder von Golden Dawn, Yarker, Reuss noch Memphis-Misraim gehört haben oder wissen und sich fragen werden, wie das mit Freimaurerei zu tun hat.

Etwas mehr allgemeinverständliche Erklärungen, wenn ihr "Fachwörter" benutzt wäre schön.

Viele Grüße,

Thomas

Penta
29.07.2007, 14:07
Lieber Oberon alias Thomas,

danke für deinen beherzigenswerten Rat. Ich werde mich bei aller gebotenen Breite um Verständlichkeit bemühen.

Über die Seriösität von John Yarker lässt sich streiten. er ist jedenfalls ein bedeutender Autor. Einen unseriösen Händler würde ich ihn nicht nennen wollen. Das FM-Lexikon gibt meiner Meinung die richtige Sichtweise wieder:

"Yarker,John, 1833-1913, englischer freimaurerischer Schriftsteller, Theosoph, Rosenkreuzer, spielte eine Zeitlang im A. u. A. Schottischen Ritus eine Rolle, war nach seinem Ausscheiden Begründer sogenannter freimaurerischer Systeme auf mystischer Grundlage und Großmeister usw. mehrerer nicht anerkannter Riten. Die irregulären Gründungen von Theodor Reuß in Deutschland zu Beginn des Jahrhunderts stützten sich teilweise auf von Yarker ausgestellte Konstitutionsurkunden. In seinem Hauptwerk >> The Arcane schools << und anderen Büchern legte er recht phantastische Anschauungen über die Geschichte der Freimaurerei nieder."

Das erwähnte Buch kann man im Internet lesen (leider nur in Englisch)

http://www.phoenixmasonry.org/arcane_schools/part_1.htm

Wichtig ist meiner Meinung nach auch festzuhalten, dass Reuss und Steiner aus dem Memphis-Misraim jeweils ihr ganz eigenes System schufen.

Alles Gute!
Robert



Hallo Robert Nordwind, liebe Mitleser,

was für eine seltene Möglichkeit einer geistigen Begegnung. Finde es angenehm, dass sich ein Mitglied der Theosophischen Gesellschaft hier beteiligt. Selbst bleiben mir die meisten bisher begegneten theosophischen Schriften als letztlich zu spekulativ verschlossen. Ich kenne in meinem privaten Umfeld höchstens Anthroposophen, aber keine Theosophen. Daher umso herzlicher: Willkommen auf diesem VGLvD-Forum!

Falls jemand, wie Oberon alias Thomas in seinem an mich gerichteten Posting befürchtet, nicht weiß, was Memphis-Misraim usw. sein mögen, muss er/sie nicht einfach aufgeben, sondern kann sich zB. bei Wikipedia einen ersten Überblick über diese Dinge verschaffen, auch wenn er noch nicht über das Internationale Freimaurerlexikon von Lenhoff/Posner/Binder verfügt.

Über die Seriosität oder zweifelhafte Seriosität sogenannter Titelhändler "irregulärer" freimaurerischer Gradsysteme ließe sich in der Tat eine emotionsgeladene Debatte führen (Führen wir eine sachliche), da Freimaurerei sich nicht als finanziell besonders kostspieliger Lebensstil darstellt, sondern dem humanitären Gleichheitsprinzip aller Menschen folgt.

Ich finde, nicht nur Theosophen, sondern auch Freimaurern steht es gut zu Gesicht, wenn sie nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen, sondern auch bei teilweise zunächst dubios erscheinenden Freimaurern des 19. Jh's vom guten Willen dieser Leute ausgehen und sie nicht der Einfachheit halber unter die Scharlatane einordnen, bevor sie sich mit ihnen näher auseinandergesetzt haben. Möglicherweise ja auch danach nicht. Vielleicht findet man, nicht alles im Leben lässt sich so sehr vereinfachen, dass man es mit "hui" anziehen, oder "pfui" ablegen kann.

Mir begegnen zwar äußerst selten, aber leider dennoch regelmäßig "Freimaurerische Selfmademen". Das sind Leute, die für teures Geld etwas angeblich Freimaurerisches bezahlten und ebenso teuer weiterverkaufen möchten. Die möchte ich in der mir eigenen Simplizität abwertend als
"Geschäftsmaurer" und Scharlatane bezeichnen.

Ich glaube nicht, dass diese Beschreibung auf Yarker oder Reuss zutrifft.

Der Ethnologe und Psychologe Peter-Robert König (*1959) aus Zürich publiziert seit vielen Jahren ausschließlich über den Ordo Templi Orientis (ein Nachfolger von Memphis-Misraim) und verwandte Gruppen. Als Aktionsforscher wurde er fast überall deren Mitglied. Wenn man sich auf das Abenteuer einlässt, sich mit diesen Gruppen näher zu beschäftigen, sollte man auf jeden Fall seine diesbezüglichen Arbeiten lesen. P.-R. Königs Website ist eine der größten privaten Websites, die ich kenne. Dort kann man sich tiefe Einblicke in sein Werk verschaffen, um später mit der Lektüre seiner lesenswerten Bücher zu beginnen.

Für den mir unbekannten Link zu Yarkers 'The Arcane schools' bedanke ich mich. Er vermittelt den Anschein, als verfügte ihr Autor über umfangreiche Ethnolgische Kenntnisse.

Robert Nordwind
29.07.2007, 15:20
Hallo Oberon und Penta!

Danke für den extra Willkommensgruß! Schön das ich als Theosoph in einem Forum so willkommen bin! Das tut gut nach meinen letzten Forum-Erfahrungen im Bereich des Neuheidentums.

Danke für den Hinweis Oberon! Ich selbst bin kein FM, und weiß darum nicht so genau, was im Forum mitgeteilt werden darf und was nicht. Die Freimaurer die ich kenne (ganz gleich welcher FM-Richtung) sind auch mir gegenüber sehr verschwiegen, was ich einerseits gut finde, andererseits muss ich mir Infos mühevoll zusammen tragen. Die Verschwiegenheit geht so weit, dass über die FM gar nicht geredet wird, und wenn, dann so, dass ich in offiziellen Büchern aus FM-Verlagen mehr erfahre, als aus den Gesprächen. Mir ist also nicht ganz klar, wieweit ich das Thema ausführen sollte.

Die von J.Yarker begründete irreguläre ägyptische Freimaurerei des Memphis-Misraim hat sich sehr unglücklich entwickelt. Theodor Reuss hat nach Meinung der Historiker einen schwunghaften Handel mit FM-Patenten betrieben. Auf ihn trifft der Vorwurf der Unseriösität m.E. zu.
Zwischen 1905/1906 trat der damalige Generalsekretär der dt. Sektion der Theosophischen Gesellschaft Adyar, Rudolf Steiner ( später Begründer der Anthroposophie) trotz vielfacher Warnungen von FM-Seite gegenüber Reuss , dessen Memphis-Misraim-System bei. Rudolf Steiner schloss mit diesem einen Vertrag, der ihn zum Amtierenden General-Grossmeister 33. Grad 90. Grad 96 Grad für das Deutsche Reich erhob.

Rudolf Steiner gab später zu, keinen der Grade von Reuss selbst bearbeitet zu haben, er habe von Reuss die entsprechenden Unterlagen zu den Graden erhalten, diese in seinem Zuständigkeitsbereich aber nie benutzt. (Ich gebe das hier in meinen Worten aus der Erinnerung an Gelesenes wieder). Steiner wollte m.E. an Blavatskys Mitgliedschaft in Yarkers Memphis-Misraim anknüpfen, aber etwas völlig anderes daraus gestalten. Daher behaupten Anthroposophen mal Rudolf Steiner sei kein Freimaurer gewesen und ein anderes mal er war Freimaurer.

Einige Zeit nach dem Vertrag mit Steiner gründete Reuss den Orientalischen Templerorden (OTO).Im OTO wurde schwarzmagische Sexualmagie kultisch betrieben.
Das hat mit Freimaurerei überhaupt gar nichts zu tun! Auch allen Theosophen ist so etwas ein Greul!

Der OTO war offensichtlich als okkultes Freimaurersystem geplant, dass als eine Art Dachverband für viele esoterische Org fungieren sollte. Der Reussche Memphis-Misraim wurde von ihm rückwirkend in den OTO eingegliedert. So konnten im Nachhinein alle Mitglieder des MM zu Mitgliedern des OTO erklärt werden. Daher findet man in der heutigen Literatur zum Thema immer wieder die falsche Behauptung Rudolf Steiner oder auch der Theosoph Franz Hartmann seien Mitglieder im OTO gewesen. Das sind aber die Schwindeleien von Reuss!

Weiterhin waren nach meiner Information dem OTO Johannislogen angeschlossen, die gar nicht wussten, was Reuss eigentlich so treibt. Diese haben sich recht schnell vom OTO abgespalten und sind zur regulären FM übergewechselt. In England hat sich der OTO dann völlig katastrophal entwickelt. Generalgrossmeister wurde dort Aleister Crowley (der bekannteste Schwarzmagier des 20 Jhd.). Von diesem stammen die amerikanischen OTO-Org ab.

Nochmal: Mit echter Freimaurerei ob regulär oder irrregulär und mit Theosophie hat der OTO a b s o l u t n i c h t s zu tun!

Den Hinweis auf die Seite von P.König finde ich gut. Er hat die meisten Infos zum Thema eingesammelt und veröffentlicht.
Ob Yarker über umfangreiche ethnologische Kenntnisse verfügt? Bei Ethnologen aus dem 19. Jhd. bin ich immer vorsichtig.

Alles Gute!
Robert

Schwarzbär
29.07.2007, 16:22
Lieber Robert,

sehr schön, dass Sie so engagiert und zielgenau die Abgrenzung der regulären Freimaurerei zu diffusen magischen Systemen erläutern, sonst hätte ich es getan.
Ein Wort noch zum Thema "wissen, was im Forum mitgeteilt werden darf und was nicht": Dies zu bestimmen, ist die Sache der Moderatoren, die ihren Job sehr gut machen. Meine eigenen Empfindlichkeiten betreffen die Inhalte der einzelnen Rituale, also das Arkanum. Die Diskussion dieses Kerns der FM, ihre Interpretation und Deutung duldet keine Öffentlichkeit, nicht nur zur Wahrung eines wie auch immer gearteten fm. Geheimnisses, sondern weil diese Sachverhalte schlicht nicht vermittelbar sind. Da würde ich Ihre fm. Freunde durchaus verstehen in ihrer Verschwiegenheit. Weniger Verständnis habe ich bei allen anderen Themen, über die eine interessierte Öffentlichkeit durchaus Bescheid wissen darf. Und das sind die Themen, um deren Vermittlung wir uns hier bemühen.

Robert Nordwind
29.07.2007, 17:20
Hallo Schwarzbär!

Schnell noch zu meinen FM-Bekannten. Angelegenheiten von denen ich schon weiß, dass sie der Deckung unterliegen, versuche ich natürlich auch nicht zu erfragen. Ich bin immer bemüht gegen vernünftige Regeln anderer Gemeinschaften nicht zu verstoßen. Über Rituale habe ich genügend seriöse Literatur gelesen, um zu wissen, welche natürlichen Gründe es gibt, die Öffentlichkeit fern zu halten. Wenn meine FM-Bekannten verschwiegener sind als nötig, liegt das wahrscheinlich daran, dass sie nicht gewohnt sind, ausserhalb ihres FM-Kreises zum Thema zu sprechen. (Ich habe auch zunächst eine ablehnende, kritische Haltung zur FM gehabt, bis ich mich damit gründlich auseinandergesetzt habe.) Aber das ist wohl eher ein eigenes Thema für einen neuen Thread.

Alles Gute!
Robert

T.G.
29.07.2007, 17:55
Nun habe ich irgendwo gelesen, dass Sie Freimaurerin gewesen waere!? Wer weiss mehr darueber?
Carmelita

Helena P. Blavatsky hatte (offensichtlich) eine sehr "spezielle" Sichtweise auf die Freimaurerei.

Wir erklären ohne Zögern unsern höchsten Respekt vor den ursprünglichen Zwecken des Ordens." (dies.: Isis Entschleiert, Ein Meisterschlüssel zu den Geheimnissen alter und neuer Wissenschaft und Theologie, Burgh-Haamstede, 1999, S. 375).

Unsere reguläre Freimaurerei hielt sie für degeneriert, entartet und letztlich für von Jesuiten unterwandert und so vom Katholizismus "verdorben" und machte sich in diesem Sinne z.B. auch Äußerungen von Rebold`s "General History of Freemasonry" zu eigen:

Und doch (...) hatten die Jesuiten nur eines ihrer Vorhaben erfüllt nämtlich die Entartung und Verrufung der Maurerischen Insititution. Nachdem es ihnen gelungen war (...) dieselen in einer Form zu zerstören, wasen sie entschlossen, sie in einer andern auszuüben. Um dieses Zweckes willen errichteten sie das System, das sie "das geistliche Amt der Templer" betitelten, eine Amalgierung verschiedener Geschichten, Ereignisse udn Charaktere der Kreuzzüge, gemischt mit Träumereien der Alchemisten. In dieser Kombination regierte der Katholizismus Alles, und das ganze Machwerk rollte auf dem Räderwerke, das den Hauptgegenstand darstellte, dessentwegen die Gesellschaft Jesu organisiert wurde." (dies, a.a.O., S. 385).

Im gleichen Sinne machte sie sich die folgenden Äußerungen eines irregulären "Freimaurers" namens Charles Sotheran (seines Zeichens u.a. 32.: A.und P.R. 94; Memphis, K.R. +; K. Kadosh, M.M. 104; eng. etc.) zu eigen:

Der Bastard-Findling "The Ancient and Accepted Scottish Rite", der von den blauen Logen nicht anerkannt wird, war ursprünglich eine Idee, dem Gehirne des Jesuiten Chevalier Ramsay entsprungen." (dies., a.a.O, S. 390).

Die Tendenz der Tempelmaurer ist die Sektiererei oder besser die Christifizierung der Maurer, einer Brüderschaft, von der angenommen wird, daß sie Juden, Parsen, Mohammedanern Buddhisten, eigentlich jeder Art von Religion ihre Tore öffne, die die Lehren eines persönlichen Gottes und geistiger Unsterlichkeit anerkennen. Nach dem Glauben einer Sektion, wenn nicht aller Israeliten, die dme Handwerke in Amerika angehören, ist der Templerismus Jesuitismus." (dies., a.a.O. ebd.).


Oft wird in der Grossloge und den untergeordneten Logen dieser oder einer anderen Gerichtsbarkeit die alte Doxologie gesungen, mit ihrem "Preise des Vaters, Sohnes und heil. Geistes" zum Ekel der Israeliten und frei denkenden Brüder, die auf diese Weise unnötig beleidigt werden. Dies konnte niemals in Indien geschehen, wo das grosse Licht der Loge der Koran, die Zend-Avesta oder eine der Weden sein kann. Der sektiererische, christliche Geist in der Freimaurerei muß abgelegt werden. Die französischen Maurer haben jedoch gegen diesen Zwang revoltiert, und der große Orient von Frankreich erlaubt nun den Atheisten und Materialisten die Gefolgschaft im Handwerke." (dies., a.a.O., ebd.)

Und kommt u.a. zu folgender Beurteilung der "modernen" Freimaurerei:

Die einfache Wahrheit ist, daß die moderne Maurerei ein wunderliches und von Dem gänzlich verschiedenes Ding ist, was die eins universelle Brüderschaft in den Tagen war, als die Brahama-Verehrrer des AUM Griffe- und Passworte mit den Ergebenen des TUM wechselten, und die Adepten jedes Landes unter der Sonne "Brüder" waren." (dies, a.a.O., S. 386f.)


Ihr Fazit:

Gleich dem Christentum ist die Freimaurerei ein Leichnam, aus dem der Geist schon längst entwichen ist." (dies., a.a.O., S. 388)

Meine unmaßgebliche Meinung: Alles sehr wirr und stets von ungesicherten und höchst fragwürdigen historischen "Tatsachen" ausgehende Ansichten, die Frau Blavatsky so hatte. Ein Romancier wie Dan Brown könnte oder hat sich da womöglich so manche Anregung für seine Romane geholt.

Penta
29.07.2007, 18:09
Mir ist also nicht ganz klar, wieweit ich das Thema ausführen sollte.



Da Memphis-Misraim als praktisch bearbeitetes rituelles Thema innerhalb der VGLvD keine Rolle spielt und höchstens von Seiten der Mitglieder im Dachverband der VGLvD freimaurergeschichtliche Interessen damit verbunden sein dürften, sehe ich prinzipiell kein Problem. Ich würde aus Respekt für Mitglieder dieser Richtung keine Ritualinhalte diskutieren.


Die von J.Yarker begründete irreguläre ägyptische Freimaurerei des Memphis-Misraim hat sich sehr unglücklich entwickelt.


Generell kann ich dies nicht bestätigen. Aber vermutlich meinen Sie damit den OTO der amerikanischen "Kalifatslinie".


Im OTO wurde schwarzmagische Sexualmagie kultisch betrieben.
Das hat mit Freimaurerei überhaupt gar nichts zu tun!

Ihren Fettdruck kann man inhaltlich so stehen lassen.

Wenn Sie sich über satanistische Schauermärchen hinaus für das Thema OTO und "Satanismus" interessieren, kann ich Ihnen P.-R. Königs jüngstes Buch Satan, Jünger, Jäger und Justiz sehr empfehlen. König schrieb es zusammen mit dem Juristen A. Huettl. Mir erscheint dieses König & Co.-Buch fast wie eine Zusammenfassung all seiner vorigen Bücher.

Penta
29.07.2007, 18:17
Meine unmaßgebliche Meinung: Alles sehr wirr und stets von ungesicherten und höchst fragwürdigen historischen "Tatsachen" ausgehende Ansichten,

Bei deinen angeführten Beispielen liest sich das stichhaltig.

T.G.
29.07.2007, 18:23
Das haben (auf falschen Annahmen) beruhende Verschwörungstheorien so an sich.

Zumal wenn Sie in das Weltbild von Menschen passen, die meinen, daß die Römisch-Katholische Kirche eine einzige große Verschwörung gegen die freie Menschheit, gegen das (wahre) Christentum und ein gigantisches Komplott gegen die Menschlichkeit sei.

Dann glaubt man sowas gerne und es liest sich sehr "schlüssig"... .

Penta
29.07.2007, 18:37
Zumal wenn Sie in das Weltbild von Menschen passen, die meinen, daß die Römisch-Katholische Kirche eine einzige große Verschwörung gegen die freie Menschheit, gegen das (wahre) Christentum und ein gigantisches Komplott gegen die Menschlichkeit sei.




Blavatsky sah offenbar überall Katholiken am Werk. Zu ihrer Zeit waren in anderen Ländern wie zB Irland andere Verschwörungstheorien über die Freimaurerei verbreitet. Damals weigerte sich Maud Gonne, William Butler Yeats Muse, Yeats' Golden Dawn beizutreten, weil sie gehört hatte, der GD wäre eine freimaurerähnliche Organisation, was er zwar nie war, aber sei's drum, und daher selbstverständlich von Briten unterwandert... Für eine irische Nationalistin ihrer Zeit schien das schlimmer als Katholiken für Blavatsky.

Robert Nordwind
29.07.2007, 19:37
Hallo T.G.!

Inwiefern haben die von Dir gebrachten Zitate etwas mit der Frage zu tun, ob Helena Blavatsky Freimaurerin war? Theosophen zumindest ist bekannt, dass Blavatsky oft sehr überspitzt, provokativ und rabiat formuliert. Meiner Meinung nach sollen ihre Äußerungen nicht verurteilen sondern aufrütteln. Ich denke man sollte das Gesamtsystem des Ideengebäudes Helena Blavatskys zu erfassen suchen und von diesem Verständnis aus ihre Aussagen durchdenken. Ihre scheinbare Verachtung für das Christentum ( ich selbst bin Heidenchrist) und für die Freimaurerei ihrer Zeit ist der Schatten ihrer großen Verehrung für die Weisheitsschulen, Mysterien der Vergangenheit. Sie vergleicht das was ist mit dem was sein könnte und ist sehr unzufrieden. So könnte man von einer Mysterientradition erwarten, dass in dem Grad, der sich mit dem Tod auseinandersetzt, tatsächlich der Einzuweihende die direkte Erfahrung der Unsterblichkeit macht, d.h. seinen physischen Körper verlässt. Sie sagt im Grunde, dass der Freimaurerei ihrer Zeit die Möglichkeit echter Initiation abhanden gekommen ist.

Ihre verbale Härte gegen andere Bewegungen, aber auch gegen Theosophen und engste Mitarbeiter ist nichts im Vergleich ihrer Härte gegen sich selbst. Ich meine auch, dass harter Stil unter Denkern des 19.Jhd. keine Seltenheit war. Die Auswahl an Aussagen die Du zitierst werden natürlich weder von mir noch von anderen Theosophen so vertreten. Blavatsky wünscht sich m.E. auch gar keine Anhänger ihrer Behauptungen, sondern selbständig erkennende, nichtnaive Menschen. Alles was sie schreibt wirkt auf mich als Gedankenanregung. Gläubigkeit erweckt es nicht in mir.

Abgesehen davon liest man auch in regulären freimaurerischen Darstellungen viel Kritik über die FM des 19 Jhd. z.B. dass das Wissen um die eigentliche Bedeutung der Symbole verloren gegangen sei, die FM nicht mehr die detailierte genaue Bedeutung ihre Riten wüssten, Vereinsmeierei wichtiger wäre als die ursprüngliche Idee usw..

Hier noch ein Zitat von Helena Blavatsky:

„Die Beschreibung des Salomonischen Tempels im AT ist allegorisch. Der Tempel Salomos ist die symbolische Darstellung der stufenweisen Erwerbung der geheimen Weisheit oder Magie, die Entwicklung des Geistigen aus dem Irdischen, die Offenbarung der Macht des Geistes in der physischen Welt durch den Genius des Bildners, der nach der Erreichung der Adeptstufe ein mächtigerer König ist als Salomo, das Sinnbild der Sonne. Das ist der Tempel der errichtet werden kann, ohne das während des Baues der Klang eines Hammers oder eines ehernen Werkzeuges gehört wurde.“( Übersetzung Helena Wegner,Blavatsky und die Weisheitsreligion, eine andere Übersetzung findet man in Isis entschleiert Bd.2 Seite 391)

Alles Gute!
Robert

Penta
29.07.2007, 19:54
Blavatsky wünscht sich m.E. auch gar keine Anhänger ihrer Behauptungen, sondern selbständig erkennende, nichtnaive Menschen.



Wie drückte sie selbst diesen Gedanken aus?



Hier noch ein Zitat von Helena Blavatsky:

„Die Beschreibung des Salomonischen Tempels im AT ist allegorisch. Der Tempel Salomos ist die symbolische Darstellung der stufenweisen Erwerbung der geheimen Weisheit oder Magie, die Entwicklung des Geistigen aus dem Irdischen, die Offenbarung der Macht des Geistes in der physischen Welt durch den Genius des Bildners, der nach der Erreichung der Adeptstufe ein mächtigerer König ist als Salomo, das Sinnbild der Sonne. Das ist der Tempel der errichtet werden kann, ohne das während des Baues der Klang eines Hammers oder eines ehernen Werkzeuges gehört wurde.“( Übersetzung Helena Wegner,Blavatsky und die Weisheitsreligion, eine andere Übersetzung findet man in Isis entschleiert Bd.2 Seite 391)



Die Entwicklung des Geistigen aus dem Irdischen. Gut gesagt.

T.G.
29.07.2007, 20:04
Sehr geehrter Herr Nordwind,

Inwiefern haben die von Dir gebrachten Zitate etwas mit der Frage zu tun, ob Helena Blavatsky Freimaurerin war?

Indem sie zeigen, was Frau Blavatsky von der Freimaurerei gehalten hat. Ich denke es ist nicht gerade fernliegend, daß jemand der sich (aus welchen Gründen auch immer) so deutlich "distanziert" zu einer Organisation äußert wohl kaum darauf Wert gelegt haben dürfte, in eben dieser Organisation zu wirken.

Ich denke man sollte das Gesamtsystem des Ideengebäudes Helena Blavatskys zu erfassen suchen und von diesem Verständnis aus ihre Aussagen durchdenken.

Nichts für ungut. Aber mein persönlicher Anspruch ist dies nicht. Mein "Weg" ist ein anderer.

Sie sagt im Grunde, dass der Freimaurerei ihrer Zeit die Möglichkeit echter Initiation abhanden gekommen ist.

Das habe ich auch genau so verstanden.

Die Auswahl an Aussagen die Du zitierst werden natürlich weder von mir noch von anderen Theosophen so vertreten.

Das habe ich auch nicht behauptet.

Abgesehen davon liest man auch in regulären freimaurerischen Darstellungen viel Kritik über die FM des 19 Jhd. z.B. dass das Wissen um die eigentliche Bedeutung der Symbole verloren gegangen sei, die FM nicht mehr die detailierte genaue Bedeutung ihre Riten wüssten, Vereinsmeierei wichtiger wäre als die ursprüngliche Idee usw.

Alles bekannt. Ich wundere mich allerdings nur wenn es um eigenes und vorurteilsfreies Denken und Erkennen gehen soll, wie jemand wie Frau Blavatsky zu eben solchen "Erkenntnissen" gekommen sein kann, wenn sie niemals Mitglied in einer regulären Freimaurerloge war und die Freimaurerei, wie viele ihrer Kritiker, nur von "außen" her kannte.

In diesem Sinne mit freundlichen Grüßen

Ihr

T.G.

Robert Nordwind
29.07.2007, 20:15
Hier noch ein Nachtrag zur „Verschwörungstheorie“ Blavatskys aus dem Freimaurerlexikon Suchbegriff Jesuiten S.433

„Jesuiten. Das Spannungsfeld J. und Freimaurerei hat äußerst ambivalente Züge. Einerseits begegnet man sehr früh der These, daß die Freimaurerei eine Gründung des Ordens gewesen sei, letztendlich, während man andererseits in den Jesuiten die härtesten Gegner der Maurerei zu erblicken vermeint.
Während geraumer Zeit wurde von Freimaurern die These vertreten, daß die Societas Jesu Ende des 17. Jahrhunderts die Freimaurerei ins Leben gerufen oder sie doch bald nach Gründung der ersten Großloge (besonders in Frankreich und Deutschland) in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken getrachtet habe. Bode, Biester, Knigge, Schröder, Nicolai in Deutschland, Nicolas de Bonneville, Rebold, Ragon in Frankreich, Capt. Smith in England (s. alle diese) waren Hauptverfechter der Theorie vom maßgebenden jesuitischen Einfluß auf die Freimaurerei. Bode war der erste, der sie in ihrer weitestgehenden Form niederschrieb (»Pflichtmäßige Bedenken zu dem Zirkulare des M. S. O. a Victoria vom 19. September 1780«). Er nannte in diesem Manuskript an die Adresse des Herzogs Ferdinand von Braunschweig in den Tagen der ärgsten Zerrüttung der Strikten Observanz (s. d.) die J. die Erfinder der Freimaurerei und entwickelte den vermeintlichen geheimen Sinn der drei Johannisgrade und des (IV.) Schottengrades, der sich auf Grund dieser Einstellung ergab. 1782, auf dem Wilhelmsbader Konvent der Strikten Observanz, unterstrich er seine Anschauungen aufs nachdrücklichste. Sie erfuhren dann im wesentlichen besonders nachhaltige Unterstützung durch Nicolai (s. d.) und Nicolas de Bonneville (»Les Jesuites chasses de la Maconnerie et leur poignard brise par les Macons«, 1788), dem wiederum Mirabeau (»La Monarchie prussienne ...«) kräftig sekundierte. Ludwig Friedrich Schröder war zwar nicht der Meinung, daß die J. die Freimaurerei begründet hätten, aber auch er suchte den mystischen Inhalt des angeblich von den J. geschaffenen Schottengrades in Übereinstimmung mit dem unterlegten Zweck zu enträtseln.
Die Ansicht der meisten Bekenner der Jesuitentheorie ging dahin, die J. hätten sich darum der kontinentalen Freimaurerei bemächtigt, um diese in ihrem Sinn zu politisieren, mit ihrer Hilfe das vertriebene Haus Stuart (s. d.) wieder auf den englischen Thron zu bringen und dadurch auch dem Katholizismus im Inselreich wieder zur Macht zu verhelfen, diesen zugleich aber auch in den anderen protestantischen Ländern zu stärken. Um die Seelen für diesen Zweck vorzubereiten, hätten die »unbekannten Oberen« aus der protestantischen englischen Freimaurerei mit ihren in der Bausymbolik wurzelnden drei Graden durch Aufpfropfung von ihnen ersonnener Hochgrade einen katholischen Kult gemacht, die freimaurerische Tempelherrenlegende erfunden, die Logen mit ihren Emissären durchsetzt und mit allen Mitteln danach gestrebt, sich das ganze Freimaurertum hörig zu machen. Selbst bei Alec Mellor finden sich noch Reste dieser Theorie. (Alec Mellor, Unsere getrennten Brüder. Die Freimaurer, Graz-Wien-Köln 1964.)
Wenn immer wieder so hartnäckig behauptet wurde, der in Frankreich wirkende Jacobit (Stuartist) Chevalier Ramsay (s. d.) sei der Erfinder der Templergrade, der Schottischen Maurerei (s. d.) und habe dies durch seinen »Discours« kundgetan, so hängt das aufs engste mit den Behauptungen über deren vermeintlichen jesuitischen Ursprung zusammen. Ramsay war in den Augen der Jesuitengegner ein leidenschaftlicher Jünger Loyolas, wie auch der Freiherr v. Hund, Johnson, Gugomos (der Jesuitenzögling war), der Kleriker Starck (s. diese alle), die ihre Freimaurerei nur im Interesse der katholischen Kirche verbreitet haben sollten. Die Verbindung der Strikten Observanz mit dem zweifelsohne katholisierende Tendenzen verfolgenden klerikalen System (s. d.) Starcks erschien besonders gravierend, nicht minder die Tatsache, daß nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Clemens XIV. (1773) tatsächlich zahlreiche Exjesuiten Einlaß in Logen suchten und fanden.
Die Symbolausdeutung, wie sie den J. nach Ansicht ihrer Bekämpfer vorschwebte, sah folgendermaßen aus: die drei Schläge versinnbildlichten die Dreieinigkeit, auch die drei Gelübde, die Säulen J. und B. Jesuiten und Benediktiner, die fünf Punkte der Meisterschaft: die fünf jesuitischen Fundamentalsätze, die Bundeslade (ins IV. Grad): den Bund, den der Frei­maurerorden mit dem Haus Stuart geschlossen, der darin ruhende Stab Aarons: die oberpriesterliche Herrschaft, das Gelobte Land: Großbritannien, Jerusalem: London, die Wiedereroberung Palästinas: die Wiedereinführung der katholischen Religion in England, die vier Altmeister aus Schottland: die professos quatuor votorum der J. Die Zeichen auf den drei Schalen aus dem Grundstein des Tempels, die im Schottengrad besonders wichtig sind, ergaben Jacobus Glorificabit Ordinem bzw. Jesuitae Gubernant Orbem, d. h. die J. regieren den Bund und wollen durch diesen die katholische Religion nach England zurückführen. Mittels der drei Schalen (Katholizismus, Jesuiten, Haus Stuart) versinnbildlichte man die Bestandteile der »Schottischen (Königlichen) Kunst«. Da die Sarazenen (Wilhelm von Oranien und die Protestanten) Meister des heiligen Bundes (Beherrscher von Großbritannien) geworden seien, habe man das im Grundstein des Tempels gefundene Heiligtum (den Bund) nach Schottland (Frankreich) gebracht und dort auf dem Berg Herodom (Clermont-sches Kollegium der J. in Paris) verwahrt. Die Schottische Kunst oder Große Wissenschaft sei also nichts anderes als durch Wiedereinsetzung der Stuarts. Wiedereinführung des Jesuitenordens und des Katholizismus die Engländer erneut zur Seligkeit zu führen. Auch die alchimistischen Bestandteile des Gebrauchtums mancher Systeme der damaligen Zeit fanden gleichartige Interpretation: Verwandlung in das edelste Metall hieß Bekehrung zur Romkirche. Als jesuitische Grade reinsten Wassers wurden auch jene des Ritters vom Rosenkreuz und des Ritter, Kadosch angesehen (wobei bemerkenswert ist, da- in der neueren antifreimaurerischen katholische: Literatur der letztere Grad immer wieder ganz besonders als antiklerikal bezeichnet wird). Jesuitische- Untergrund wurde auch im Schwedischen System gesucht.
Für diese ganze Auffassung haben sich schlüssige Beweise niemals erbringen lassen. Zahlreiche Forsche- sind der These aufs gründlichste nachgegangen und dazu gelangt, sie in den Bereich der Legende zu verweisen. (Vgl. z. B. Nettelbladt, »Geschichte freimaurischer Systeme ...«, 1879, in neuester Zeit auch der Nichtfreimaurer Le Forestier, » L'Occultisme et -- Franc-Maconnerie Ecossaise«, 1928.) Nettelbladt erklärt, es hätte keine andere Verbindung zwischen 1»­suiten und Freimaurern bestanden als die Möglichkeit einer Beziehung einzelner am Hofe Jakobs II. Iberuft sich auf die von Macpherson herausgegebene reiche Sammlung von stuartistischen Originalbriefen und Aktenstücken »Original Papers<, in denen sich nicht die geringste Spur von einem Zusammenhang zwischen J. und Freimaurern, nicht ein Wort von einem Plan der ersteren findet, durch den Freimaurerbund zu wirken. Auch wenn man nicht alle Gegenargumente gelten lassen mag, die Nettelbladt ins Treffen führt, so wird man ihm grundsätzlich doch beipflichten müssen. Alle Untersuchungen, die über die jakobitische Freimaurerei (s. Stuarts, Schottische Maurerei), die Entstehung der Rittergrade, die Strikte Observanz, das Klerikat angestellt wurden, haben nichts Positives zutage gefördert, das auf planmäßige jesuitische Absichten schließen ließe, auch die katholisierenden Tendenzen nicht, die da und dort zutage traten. Man darf nicht vergessen, daß trotz der päpstlichen Bullen im 18. Jahrhundert ohnehin ein großer Teil der kontinentalen Freimaurer katholischen Glaubens war, beispielsweise in Frankreich die überwiegende Majorität, und daß sich Absichten der Jesuiten in einem Zeitraum von sechzig Jahren doch irgendwie hätten im Schoße der englischen Freimaurerei manifestieren müssen, um dem ersehnten Ziel näherzukommen. Das ist aber nicht der Fall. Allchdie angeblich jesuitischen Grade, die sich im 18. Jahrhundert in einem großen Teil der Welt verbreiteten, fanden damals gerade in England keinen Eingang. Die Tatsache ist nicht von der Hand zu weisen, daß es glaubenseifrige Katholiken gab, die in den Freimaurerlogen ein Feld zur Betätigung auf religiösem Gebiet liegender Ambitionen sahen, aber einen großzügigen Plan von jesuitischer Seite beweist auch solche Tätigkeit nicht...

Schwarzbär
29.07.2007, 20:24
Alles bekannt. Ich wundere mich allerdings nur wenn es um eigenes und vorurteilsfreies Denken und Erkennen gehen soll, wie jemand wie Frau Blavatsky zu eben solchen "Erkenntnissen" gekommen sein kann, wenn sie niemals Mitglied in einer regulären Freimaurerloge war und die Freimaurerei, wie viele ihrer Kritiker, nur von "außen" her kannte.

In diesem Sinne mit freundlichen Grüßen

Ihr

T.G.

Lieber Br. T.,

genau diese Frage ist mir nach dem Post von Robert als erstes in den Sinn gekommen. Jemand mit einer unbestreitbaren Erfahrung in Sachen Initiation äußerst sich über Sachverhalte, zu denen ihr die praktische Erfahrung fehlt, genau wissen, dass es genau diese Erfahrung ist, die zur Beurteilung befähigt.
Mit erscheint B. als eine dieser zahllosen schillernden, sicher nicht nur auf ihre Zeitgenossen einen unbestreitbaren Reiz ausübenden Figuren, von denen das 19. Jhrh. übervoll war. Die reguläre Freimaurerei hat sie sicher nur, wenn überhaupt, theoretisch gestreift. Statt dessen bot sie, wie viele andere auch, einen Counterpart an Geheimwissen an zu dem entzauberten, trocken-rationalen, nachaufklärerischen Jahrhundert der modernen Naturwissenschaften und des Positivismus. Sicher hat das schwärmerisch-mystische, geheimnisvolle etwas bieten können, was unsere Freimaurer nicht bieten, bis auf den Irrweg der Strikten Observanz nie geboten hat und - wenn ich die Beharrungskräfte der FM richtig einschätze - auch niemals bieten wird.

Letzte Frage an den geschätzten Robert: Was bitte ist ein "Heidenchrist"?

Robert Nordwind
29.07.2007, 20:26
Jedenfalls geht die Jesuitentheorie von Freimaurern aus, und nicht von H.Blavatsky. Weltverschwörungstheorien unterstützte sie m.E. eben nicht.

Wie Blavatsky zu ihren Ergebnissen kam, kann ich nicht sagen ohne zu spekulieren oder auf legendäre Behauptungen zurück zu greifen. Zu große Spekulationen und Legenden sind ja eher Sache des Glaubens.

Ein Heidenchrist bin ich, weil ich sowohl Christus,als auch die heidnischen Götter der Hindus und unserer germanischen Vorfahren verehre. Alle gehen aus einem höchsten Wesen, dem Absoluten hervor, dass ich Allvater nenne (man könnte auch Allmutter sagen). Das ist so ungefähr mein individualistisches Credo als Heidenchrist.

Alles Gute!
Robert

Schwarzbär
29.07.2007, 20:28
Hier noch ein Nachtrag zur „Verschwörungstheorie“ Blavatskys aus dem Freimaurerlexikon Suchbegriff Jesuiten S.433

„Jesuiten. Das Spannungsfeld J. und Freimaurerei hat äußerst ambivalente Züge. Einerseits begegnet man sehr früh der These, daß die Freimaurerei eine Gründung des Ordens gewesen sei, letztendlich, während man andererseits in den Jesuiten die härtesten Gegner der Maurerei zu erblicken vermeint.
Während geraumer Zeit wurde von Freimaurern die These vertreten, daß die Societas Jesu Ende des 17. Jahrhunderts die Freimaurerei ins Leben gerufen oder sie doch bald nach Gründung der ersten Großloge (besonders in Frankreich und Deutschland) in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken getrachtet habe. Bode, Biester, Knigge, Schröder, Nicolai in Deutschland, Nicolas de Bonneville, Rebold, Ragon in Frankreich, Capt. Smith in England (s. alle diese) waren Hauptverfechter der Theorie vom maßgebenden jesuitischen Einfluß auf die Freimaurerei. Bode war der erste, der sie in ihrer weitestgehenden Form niederschrieb (»Pflichtmäßige Bedenken zu dem Zirkulare des M. S. O. a Victoria vom 19. September 1780«). Er nannte in diesem Manuskript an die Adresse des Herzogs Ferdinand von Braunschweig in den Tagen der ärgsten Zerrüttung der Strikten Observanz (s. d.) die J. die Erfinder der Freimaurerei und entwickelte den vermeintlichen geheimen Sinn der drei Johannisgrade und des (IV.) Schottengrades, der sich auf Grund dieser Einstellung ergab. 1782, auf dem Wilhelmsbader Konvent der Strikten Observanz, unterstrich er seine Anschauungen aufs nachdrücklichste. Sie erfuhren dann im wesentlichen besonders nachhaltige Unterstützung durch Nicolai (s. d.) und Nicolas de Bonneville (»Les Jesuites chasses de la Maconnerie et leur poignard brise par les Macons«, 1788), dem wiederum Mirabeau (»La Monarchie prussienne ...«) kräftig sekundierte. Ludwig Friedrich Schröder war zwar nicht der Meinung, daß die J. die Freimaurerei begründet hätten, aber auch er suchte den mystischen Inhalt des angeblich von den J. geschaffenen Schottengrades in Übereinstimmung mit dem unterlegten Zweck zu enträtseln.
Die Ansicht der meisten Bekenner der Jesuitentheorie ging dahin, die J. hätten sich darum der kontinentalen Freimaurerei bemächtigt, um diese in ihrem Sinn zu politisieren, mit ihrer Hilfe das vertriebene Haus Stuart (s. d.) wieder auf den englischen Thron zu bringen und dadurch auch dem Katholizismus im Inselreich wieder zur Macht zu verhelfen, diesen zugleich aber auch in den anderen protestantischen Ländern zu stärken. Um die Seelen für diesen Zweck vorzubereiten, hätten die »unbekannten Oberen« aus der protestantischen englischen Freimaurerei mit ihren in der Bausymbolik wurzelnden drei Graden durch Aufpfropfung von ihnen ersonnener Hochgrade einen katholischen Kult gemacht, die freimaurerische Tempelherrenlegende erfunden, die Logen mit ihren Emissären durchsetzt und mit allen Mitteln danach gestrebt, sich das ganze Freimaurertum hörig zu machen. Selbst bei Alec Mellor finden sich noch Reste dieser Theorie. (Alec Mellor, Unsere getrennten Brüder. Die Freimaurer, Graz-Wien-Köln 1964.)
Wenn immer wieder so hartnäckig behauptet wurde, der in Frankreich wirkende Jacobit (Stuartist) Chevalier Ramsay (s. d.) sei der Erfinder der Templergrade, der Schottischen Maurerei (s. d.) und habe dies durch seinen »Discours« kundgetan, so hängt das aufs engste mit den Behauptungen über deren vermeintlichen jesuitischen Ursprung zusammen. Ramsay war in den Augen der Jesuitengegner ein leidenschaftlicher Jünger Loyolas, wie auch der Freiherr v. Hund, Johnson, Gugomos (der Jesuitenzögling war), der Kleriker Starck (s. diese alle), die ihre Freimaurerei nur im Interesse der katholischen Kirche verbreitet haben sollten. Die Verbindung der Strikten Observanz mit dem zweifelsohne katholisierende Tendenzen verfolgenden klerikalen System (s. d.) Starcks erschien besonders gravierend, nicht minder die Tatsache, daß nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Clemens XIV. (1773) tatsächlich zahlreiche Exjesuiten Einlaß in Logen suchten und fanden.
Die Symbolausdeutung, wie sie den J. nach Ansicht ihrer Bekämpfer vorschwebte, sah folgendermaßen aus: die drei Schläge versinnbildlichten die Dreieinigkeit, auch die drei Gelübde, die Säulen J. und B. Jesuiten und Benediktiner, die fünf Punkte der Meisterschaft: die fünf jesuitischen Fundamentalsätze, die Bundeslade (ins IV. Grad): den Bund, den der Frei­maurerorden mit dem Haus Stuart geschlossen, der darin ruhende Stab Aarons: die oberpriesterliche Herrschaft, das Gelobte Land: Großbritannien, Jerusalem: London, die Wiedereroberung Palästinas: die Wiedereinführung der katholischen Religion in England, die vier Altmeister aus Schottland: die professos quatuor votorum der J. Die Zeichen auf den drei Schalen aus dem Grundstein des Tempels, die im Schottengrad besonders wichtig sind, ergaben Jacobus Glorificabit Ordinem bzw. Jesuitae Gubernant Orbem, d. h. die J. regieren den Bund und wollen durch diesen die katholische Religion nach England zurückführen. Mittels der drei Schalen (Katholizismus, Jesuiten, Haus Stuart) versinnbildlichte man die Bestandteile der »Schottischen (Königlichen) Kunst«. Da die Sarazenen (Wilhelm von Oranien und die Protestanten) Meister des heiligen Bundes (Beherrscher von Großbritannien) geworden seien, habe man das im Grundstein des Tempels gefundene Heiligtum (den Bund) nach Schottland (Frankreich) gebracht und dort auf dem Berg Herodom (Clermont-sches Kollegium der J. in Paris) verwahrt. Die Schottische Kunst oder Große Wissenschaft sei also nichts anderes als durch Wiedereinsetzung der Stuarts. Wiedereinführung des Jesuitenordens und des Katholizismus die Engländer erneut zur Seligkeit zu führen. Auch die alchimistischen Bestandteile des Gebrauchtums mancher Systeme der damaligen Zeit fanden gleichartige Interpretation: Verwandlung in das edelste Metall hieß Bekehrung zur Romkirche. Als jesuitische Grade reinsten Wassers wurden auch jene des Ritters vom Rosenkreuz und des Ritter, Kadosch angesehen (wobei bemerkenswert ist, da- in der neueren antifreimaurerischen katholische: Literatur der letztere Grad immer wieder ganz besonders als antiklerikal bezeichnet wird). Jesuitische- Untergrund wurde auch im Schwedischen System gesucht.
Für diese ganze Auffassung haben sich schlüssige Beweise niemals erbringen lassen. Zahlreiche Forsche- sind der These aufs gründlichste nachgegangen und dazu gelangt, sie in den Bereich der Legende zu verweisen. (Vgl. z. B. Nettelbladt, »Geschichte freimaurischer Systeme ...«, 1879, in neuester Zeit auch der Nichtfreimaurer Le Forestier, » L'Occultisme et -- Franc-Maconnerie Ecossaise«, 1928.) Nettelbladt erklärt, es hätte keine andere Verbindung zwischen 1»­suiten und Freimaurern bestanden als die Möglichkeit einer Beziehung einzelner am Hofe Jakobs II. Iberuft sich auf die von Macpherson herausgegebene reiche Sammlung von stuartistischen Originalbriefen und Aktenstücken »Original Papers<, in denen sich nicht die geringste Spur von einem Zusammenhang zwischen J. und Freimaurern, nicht ein Wort von einem Plan der ersteren findet, durch den Freimaurerbund zu wirken. Auch wenn man nicht alle Gegenargumente gelten lassen mag, die Nettelbladt ins Treffen führt, so wird man ihm grundsätzlich doch beipflichten müssen. Alle Untersuchungen, die über die jakobitische Freimaurerei (s. Stuarts, Schottische Maurerei), die Entstehung der Rittergrade, die Strikte Observanz, das Klerikat angestellt wurden, haben nichts Positives zutage gefördert, das auf planmäßige jesuitische Absichten schließen ließe, auch die katholisierenden Tendenzen nicht, die da und dort zutage traten. Man darf nicht vergessen, daß trotz der päpstlichen Bullen im 18. Jahrhundert ohnehin ein großer Teil der kontinentalen Freimaurer katholischen Glaubens war, beispielsweise in Frankreich die überwiegende Majorität, und daß sich Absichten der Jesuiten in einem Zeitraum von sechzig Jahren doch irgendwie hätten im Schoße der englischen Freimaurerei manifestieren müssen, um dem ersehnten Ziel näherzukommen. Das ist aber nicht der Fall. Allchdie angeblich jesuitischen Grade, die sich im 18. Jahrhundert in einem großen Teil der Welt verbreiteten, fanden damals gerade in England keinen Eingang. Die Tatsache ist nicht von der Hand zu weisen, daß es glaubenseifrige Katholiken gab, die in den Freimaurerlogen ein Feld zur Betätigung auf religiösem Gebiet liegender Ambitionen sahen, aber einen großzügigen Plan von jesuitischer Seite beweist auch solche Tätigkeit nicht...

Ja, eine Verschwörungstheorie. Unsinnig, haarsträubend, wie Theorien dieser Art nun mal sind. Egal, wer sie in die Welt gesetzt hat.

T.G.
29.07.2007, 20:53
Sehr geehrter Herr Nordwind,

Jedenfalls geht die Jesuitentheorie von Freimaurern aus, und nicht von H.Blavatsky.

Fraglos war Frau Blavatsky nicht die Erfinderin dieser "Jesuitentheorie", denn sie existierte schon bevor Frau Blavatsky geboren wurde. Aber: Sie hat sie kolportiert und sich auch, wie die vorgenannten Zitate nur beispielhaft belegen, zu eigen gemacht.

Mit freundlichen Grüßen

T.G.

Robert Nordwind
31.07.2007, 20:12
Hallo Penta!

Mit dem Zitieren klappt es wohl bei mir noch nicht so ganz. Du schriebst:

Zitat:
Zitat von Robert Nordwind http://forum.freimaurer.org/images/buttons/viewpost.gif (http://forum.freimaurer.org/showthread.php?p=3722#post3722)

Blavatsky wünscht sich m.E. auch gar keine Anhänger ihrer Behauptungen, sondern selbständig erkennende, nichtnaive Menschen.

Wie drückte sie selbst diesen Gedanken aus?




Die völlige Selbständigkeit im Denken des Menschen ist in dem Ideensystem, dass Blavatsky als Theosophische Lehre schildert, das Zentrum schlechthin. Vereinfacht gesagt: Im menschlichen Geist befindet sich nach ihrer Aufstellung ein Zentrum unvergänglichen göttlichen Lichtes (Symbol) aus dem in das menschl. Denken und Fühlen göttliche Weisheit und Liebe herabfließt. Das so Herabfliessende ist die Theosophie ( Theos = göttlich. sophia = Weisheit). Die eigentliche Theosophie ist also jedem Menschen ausschließlich durch sein eigenes Selbst, Ich oder Bewußtsein zugänglich. Selbsterkenntnis bedeutet daher dieses göttliche Zentrum(Selbst) im eigenen Inneren zu erkennen. Selbsterkenntnis bedeutet auch das man selbst derjenige ist der erkennt. Nur durch eigene Anstrengung der Erkenntniskräfte ist Theosophie erreichbar.

Theosophische Lehren dagegen stehen wohl in Büchern enthalten aber keine Theosophie sondern nur Lehren. Die Lehren sind bloses Hilfsmittel ( Wanderkarte), die östlichen Meister die H.P.Blavatsky manchmal erwähnt sind nur Wegweiser und für direkte Schüler Wegführer ( sowie ein Bergführer einer ist).

Weiterhin beschreibt Blavatsky ein Evolutionsmodell der Menschheit in dem unser derzeitiger noch viele Jahrtausende anhaltender Entwicklungsprozess die Entfaltung von Manas ( das ist ein Sanskrit-wort für Denkvermögen) ist. Das eigene , selbständige Denken zu entwickeln ist derzeit die Hauptsache! Dabei kommt es nach Blavatsky darauf an, das Denken altruistisch vom "niederen" begierdenverhafteten Selbst los zu machen, damit es das "Höhere Selbst" erfüllt von der Intuition aus dem göttlichen Zentrum werden kann.

Alles Gute!
Robert

Robert Nordlicht
01.08.2007, 09:38
Hallo alle zusammen!

Nachdem ich gestern nacht im Netz feststellen musste:shocked:, dass die als rechtsextrem eingestufte Artgemeinschaft einen Gedichtband vertreibt der auch "Nordwind" heißt :motz:, habe ich gleich mal meinen Namen geändert.:bruce:

:yes:
Alles Gute!
Robert

Penta
01.08.2007, 10:44
Hallo alle zusammen!

Nachdem ich gestern nacht im Netz feststellen musste:shocked:, dass die als rechtsextrem eingestufte Artgemeinschaft einen Gedichtband vertreibt der auch "Nordwind" heißt :motz:, habe ich gleich mal meinen Namen geändert.:bruce:

:yes:
Alles Gute!
Robert

OFF TOPIC!

Lieber Robert,

hätte ich nicht. Stell dir vor, du würdest erfahren, Adolf Hitler hätte ein rosa Kaninchen gehabt, das von ihm Josefine genannt wurde. Und deine Frau hieße ebenso. Hättest du sie umbenannt?

Penta
01.08.2007, 10:50
Hallo Penta!

Mit dem Zitieren klappt es wohl bei mir noch nicht so ganz. Du schriebst:

Zitat:
Zitat von Robert Nordwind http://forum.freimaurer.org/images/buttons/viewpost.gif (http://forum.freimaurer.org/showthread.php?p=3722#post3722)

Blavatsky wünscht sich m.E. auch gar keine Anhänger ihrer Behauptungen, sondern selbständig erkennende, nichtnaive Menschen.

Wie drückte sie selbst diesen Gedanken aus?




Die völlige Selbständigkeit im Denken des Menschen ist in dem Ideensystem, dass Blavatsky als Theosophische Lehre schildert, das Zentrum schlechthin. Vereinfacht gesagt: Im menschlichen Geist befindet sich nach ihrer Aufstellung ein Zentrum unvergänglichen göttlichen Lichtes (Symbol) aus dem in das menschl. Denken und Fühlen göttliche Weisheit und Liebe herabfließt. Das so Herabfliessende ist die Theosophie ( Theos = göttlich. sophia = Weisheit). Die eigentliche Theosophie ist also jedem Menschen ausschließlich durch sein eigenes Selbst, Ich oder Bewußtsein zugänglich. Selbsterkenntnis bedeutet daher dieses göttliche Zentrum(Selbst) im eigenen Inneren zu erkennen. Selbsterkenntnis bedeutet auch das man selbst derjenige ist der erkennt. Nur durch eigene Anstrengung der Erkenntniskräfte ist Theosophie erreichbar.

Theosophische Lehren dagegen stehen wohl in Büchern enthalten aber keine Theosophie sondern nur Lehren. Die Lehren sind bloses Hilfsmittel ( Wanderkarte), die östlichen Meister die H.P.Blavatsky manchmal erwähnt sind nur Wegweiser und für direkte Schüler Wegführer ( sowie ein Bergführer einer ist).

Weiterhin beschreibt Blavatsky ein Evolutionsmodell der Menschheit in dem unser derzeitiger noch viele Jahrtausende anhaltender Entwicklungsprozess die Entfaltung von Manas ( das ist ein Sanskrit-wort für Denkvermögen) ist. Das eigene , selbständige Denken zu entwickeln ist derzeit die Hauptsache! Dabei kommt es nach Blavatsky darauf an, das Denken altruistisch vom "niederen" begierdenverhafteten Selbst los zu machen, damit es das "Höhere Selbst" erfüllt von der Intuition aus dem göttlichen Zentrum werden kann.

Alles Gute!
Robert

Lieber Robert,

vielen Dank für diese ausführliche Antwort. " Völlige Selbständigkeit im Denken des Menschen" mit Meistern, Lehren, Modellen ist zwar etwas ... ungewöhnlich. Aber ihre Lösung zur Frage von Personenverehrung und Insubordination ist mir auf jeden Fall sympathisch.

Robert Nordlicht
01.08.2007, 12:25
Hallo Penta!

Das ist wirklich so ungewöhnlich, wie Du schreibst. Manche Mitglieder der verschiedenen Theosophischen Gesellschaften verstehen das auch nicht wirklich ( um es vorsichtig zu sagen). Gerade das Modell theosophischer Lehren Blavatskys verlangt aber diese radikale Selbständigkeit. Wie lehre ich jemandem, dass er sich nicht an meiner Lehre sondern an sich selbst festhalten sollte? Viele Menschen fragen sich bestimmt auch (wie ich früher mal): Was ist denn überhaupt dieses abstrakte „das Selbst“ oder „das Ich“?
Wie erreicht man es, dass sie einfach aufhören darüber nachzugrübeln und dann wahrnehmen: „ich bin ein Ich!“ ?

Es ist schwierig gutverstehbare Zitate von Blavatsky zu finden, welche die Selbständigkeit, die sie abverlangt, unterstreichen. Vielleicht hilft es ihr Selbstverständnis der „Geheimlehre“ aufzuzeigen. Zitat aus „Die Geheimlehre Bd.1, Vorrede XXIV:

„Diese Wahrheiten werden in keinem Sinne als eine Offenbarung vorgebracht; noch beansprucht die Verfasserin die Stellung einer Enthüllerin einer jetzt zum ersten male in der Weltgeschichte veröffentlichten Lehre. Denn der Inhalt dieses Bandes findet sich in Tausenden Bänden zerstreut, in den Schriften der großen asiatischen und alten europäischen Religionen, verborgen unter Hieroglyphe und Symbol, und wegen dieser Verhüllung bisher unbeachtet gelassen. Nunmehr wird der Versuch gemacht, die ältesten Lehrsätze zu sammeln und aus ihnen ein harmonisches unzerstückeltes Ganzes zu machen.“

Eine Anekdote mag das auch beleuchten:

Einmal stand eine Gruppe von Mitarbeitern zusammen und diskutierte, wie sie glaubten ein, wichtiges Problem. Als sie nicht mehr weiter wussten, klopfte eine von ihnen an HPBs (Kürzel für Helena P. Blavatsky) Tür und bat sie das Problem zu lösen:
„Madame“, sagte sie,“was ist das Wichtigste beim Studium der Theosophie?“
„Gesunder Menschenverstand, meine Liebe.“
„Madame, und was steht an zweiter Stelle?“
„Humor.“
„Und an dritter, Madame ?“
Da schien ihr langsam der Geduldfaden zu reißen.
„ Oh, einfach MEHR gesunder Menschenverstand!“

(Zitiert nach Cranston, HPB S.402)


Alles Gute!
Robert

Robert Nordlicht
02.08.2007, 10:00
Das Freimaurer- Patent von H.P.Blavatsky

http://members.aol.com/dilloo/blavapatent.gif Quelle:

H.P. Blavatsky, Collected Writings 1874-1878, Volume One, The Theosophical Press, Wheaton Ill, USA 1966 S. 305