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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fm Und Religion?


koprivnicka
09.05.2007, 13:54
Nachdem ich jetzt fast alle threads durch habe bleibt mir eine Frage offen:
Kann ich als angehoeriger der ROEM./KATH. Kirche witerhin meine familaeren
Traditionen pflegen, die Kirche besuchen,... usw., oder schliesst die FM
sowas aus?
Sprich: Kann ich als FM in die Kirche?

oberon
09.05.2007, 14:17
Die Freimaurer haben kein Problem mit der römisch-katholischen Kirche, die r-k Kirche hat aber weitgehend Probleme mit der Freimaurerei.

Selbst in den sogenannten christlichen Lehrarten wirst Du nicht nach Deiner Konfession gefragt. Viele Freimaurer gehen oft und gern in die Kirche, andere wiederum nicht. Es ist aber keine Frage, die in der Loge gestellt wird, sondern Deine Privatsache.

Anders herum könnte aber ein Problem auftauchen. Nach Ansicht der römisch-katholischen Kirche sind die Freimaurer eine deistische Religionsgemeinschaft - also eine Gemeinschaft, die einen nicht-personellen Gott anbetet. Dadurch befände man sich als Gläubiger im Zustand der lässlichen Sünde, wenn man einer FM-Loge beitreten würde.

Seit der letzten Reform des CIC (kanonischen Rechts) werden derartige Entscheidungen stärker dem Gewissen des einzelnen Gläubigen überlassen, dass ja als "innere Stimme Gottes" angesehen wird.

Wie die einzelne Gemeinde das handhabt ist sehr unterschiedlich und oftmals von der persönlichen Einstellung des zuständigen Pfarrers abhängig.

Zusammengefasst also:

Kirchenrechtlich ist es eine Gewissensentscheidung, gemeindepraktisch ist es verschieden von Duldung bis hin zum Abendmahls-Ausschluss.

Freimaurerisch ist es keine Frage, da nach unseren Alten Pflichten nur der Glaube an ein höheres Wesen Voraussetzung ist, die Art und Weise wie dieser Glauben praktiziert wird (konfessionell, konfessionslos, ekklektisch, ...) aber unerheblich ist.

Viele Grüße,

Thomas

koprivnicka
09.05.2007, 14:33
Danke fuer die schnelle Antwort.

Ist etwas unlogisch.
Als FM kann ich die Kirche besuchen, was aus sicht der FM OK ist, aber
aus der Perspektive der "Moral" seitens der FM falsch ist.

Anders herum: Die Kirche lehnt die FM stikt ab.

Aber ein klares JA oder NEIN seitens der FM habe ich auch nicht bekommen.

FAZIT: Ich kann als FM die Kirche besuchen, muss mich aber dafuer schaemen.

Gruss,

Marko

Stambolov
09.05.2007, 15:09
FAZIT: Ich kann als FM die Kirche besuchen, muss mich aber dafuer schaemen.


dann schäm Dich,...:icon_smile_lachuh:

wenn Du meinst, dass es die richtige Reaktion auf die Intoleranz seitens der kath. Kirche ist,...

Die FM trägt als ''Vereinigung'' für solche Schamgefühle und Kompromitätszwänge keine Schuld! Sage ich jetzt mal als Aussenstehender.

LG,
Dimitar

Robert
09.05.2007, 15:57
Ich denke, es ist durchaus möglich, mit den ortsansässigen Priester vor dem Logeneintritt über diese Thematik zu sprechen (Möglichkeit einer katholischen Bestattung usw.), um es individuell zu klären, wenn man glaubt, seine Offenheit ließe solche Gespräche zu. (Hin und wieder trifft man hierbei sogar einen Bruder... :angel: )

In Dresden hatten wir letztes Jahr einen sehr guten Dialog mit der kath. Kirche, so sprach bspw. der Vorsitzende der Freimaurerischen Forschungsloge Quattuor Coronati vor dem katholischen Kathedralforum, in dem es mehrere Veranstaltungen über freimaurerische Symbolik, Geschichte, Lehrarten usw. gegeben hat, die mit großem Interesse verfolgt worden sind.

Meines Wissens ist sogar der Großmeister der anerkannten, italienischen Großloge ein kath. Priester (davon stand mal etwas im Nachrichtenblatt der "Universellen Freimaurer Liga", leider funktioniert deren Internetseite grade nicht richtig).

Gute Grüße
Robert

Bernhard
09.05.2007, 15:58
Ist etwas unlogisch.
Als FM kann ich die Kirche besuchen, was aus sicht der FM OK ist, aber
aus der Perspektive der "Moral" seitens der FM falsch ist.


Lieber Marko,

seitens der FM ein klares- Ja, du kannst die Kirche besuchen.
Ein klares Nein, du musst dich nicht schämen.

Weiterhin gibt es keine "freimaurerische Moral", von daher kann dein Kirchenbesuch auch nicht falsch sein.

Gehe in den Gottesdienst und genieße ihn - gerne auch als Bruder.

Nur würde ich meine Logenzugehörigkeit nicht gerade dem Pfarrer unter die Nase reiben. Nicht aus Angst, sondern aus Höflichkeit, damit er nicht überlegen muss, ob er die die heilige Kommunion zukommen lassen darf.

Nebenbei, ich bin kirchlich getraut, meine Kinder sind getauft und haben die Kommunion erhalten. Mein "konfessionelles" Familienleben leidet in keinster Weise unter meiner Logenzugehörigkeit.

Also noch einmal und ganz klar: Der persönlicher Glaube ist kein Problem für die FM und schon gar kein Anlass zur Scham.

Liebe Grüße,
bernhard

oberon
09.05.2007, 17:18
Ist etwas unlogisch.
Als FM kann ich die Kirche besuchen, was aus sicht der FM OK ist, aber
aus der Perspektive der "Moral" seitens der FM falsch ist.


Lieber Marko,

die anderen haben es ja bereits beantwortet, aber ich stehe etwas fassungslos davor, was Du in meine Antwort hinein interpretiert hast, daher möchte ich es nacht so kommentarlos stehen lassen.

Ich habe ganz klar beantwortet, dass es seitens der Freimaurerei keinerlei, weder organisatorisch, moralisch oder auf welche Weise auch immer Probleme mit Deiner Kirchentätigkeit gäbe?

Wo habe ich das geschrieben? Wo steht, dass man sich dafür schämen müsse?

Es ist ganz allein Seite der Kirche, und da auch nur der römisch-katholischen und einiger "bibeltreuer" Freikirchen, die eine Mitgliedschaft in der Freimaurerei für ihre Gläubigen ablehnen.

Da ich es sehr unschön finde, falsch wiedergegeben zu werden, lies Dir bitte mein Posting dahingehend noch einmal durch.

Viele Grüße,

Thomas

koprivnicka
10.05.2007, 11:44
Schoenen Tag zusammen,

es tut mir leid falls ich etwas falsch verstanden habe, oder etwas falsch
intepretiert habel. War nicht meine Absicht.

Habe jetzt ja auch alles verstanden, war ja nicht so schwer.

Moechte mich auf jeden fall bedanken fuer die Antworten.

Als Anhang:

Es waere doch gigantisch wenn sich die Kirche eines Tages soweit
oeffnen wuerde um alle Aspekte in Betrtacht zu ziehen, welche die
Menscheit nach vorne bringen wuerde. Irgend wie stehen die ja still seit
Jahrhunderten. Der Tag wird kommen, aber ob's wir erleben?

Gruss,

Marko

kauli
19.05.2007, 19:47
Nachdem ich jetzt fast alle threads durch habe bleibt mir eine Frage offen:
Kann ich als angehoeriger der ROEM./KATH. Kirche witerhin meine familaeren
Traditionen pflegen, die Kirche besuchen,... usw., oder schliesst die FM
sowas aus?
Sprich: Kann ich als FM in die Kirche?

Natürlich, da kann jeder rein, wenn nicht abgesperrt ist. Von Seiten der Freimaurer kein Problem, wenn Du einerseits die Dogmatik der römischen Kirche mit der Beliebigkeit freimaurerischer Weltsicht unter einen Hut bringen kannst.
Im Grunde genommen sind es ja ganz gegensätzliche Positionen, die Freimaurer und die römische Kirche einnehmen. Die Eine hat ein festes Denkgefüge, Glaubenssätze, Bekenntnisse, die sie ihren Mitgliedern abfordert, weil sie sich im Besitz einer göttlichen Wahrheit glaubt, die anderen sind ein Haufen von Individualisten, von denen jeder seine eigene Vorstellung von der Welt entwickelt.
Ich kenne eine Reihe von Freimaurern, die ihre Mitgliedschaft in der Kirche sehr gut mit ihrer Mitgliedschaft in der Loge verbinden können. Es geht also offenbar.
Anders sieht es aus der Sicht der römischen Kirche aus. Hier hat der ehem. Chef der Kongregation für Glaubensfragen ( ehem. Inquisition), der Kardinal Ratzinger, gesagt: es geht nicht. Die Tatsache, dass Herr Ratzinger inzwischen Bischof von Rom und damit die höchste Autorität der römischen Christenheit ist, macht die Sache nicht einfacher. Aber......Du mußt Deine Mitgliedschaft bei den freimaurern ja nicht Deinem Bischof auf die Nase binden.

Gruss
Thomas

Gruss
Thomas

oberon
19.05.2007, 21:35
Im Grunde genommen sind es ja ganz gegensätzliche Positionen, die Freimaurer und die römische Kirche einnehmen.

Gegensätzliche Positionen würde ich es nicht nennen, sonst müsste es ja auch von Seiten der Freimaurer eine Unvereinbarkeit mit der Kirchenzugehörigkeit geben. So ist es aber eben nicht.

Die Ziele von Kirchen und Logen kann man nur bedingt miteinander vergleichen, da sie verschiedene Wege gehen. Es ist also weder förderlich noch schädlich, wenn sich ein Mensch kirchlich betätigt. Wie sich ein Mensch in der Freimaurerei einbringt ist, was zählt.

Dass es aus römischer Sicht anders aussieht ist bedauerlich, kann aber von den Freimaurern nicht geändert werden. Rom stehen alle Informationen über unseren Bund zur Verfügung und mehrere Bischofskonferenzen hielten die FM für unbedenklich. Dass es anders gekommen ist ist Kirchenpolitik


Aber......Du mußt Deine Mitgliedschaft bei den freimaurern ja nicht Deinem Bischof auf die Nase binden.

Für einen gläubigen Katholiken stehen mehrere Wege offen, die aber von seinem persönlichen Verhältnis zur Kirche abhängig sind. Für manche wird es undenkbar sein, an ihrem zuständigen Bischof vorbei eine Mitgliedschaft bei den Freimaurern anzustreben. Andere setzen ihre Gewissensentscheidung als Individuum höher als die Lehrmeinung der Kirche. Das kann nur jeder Gläubige mit sich selbst, Gott, seinem Gefühl und/oder seinen Kirchenvertretern ausmachen.

Raten können wir da nicht, weil es keinen goldenen Weg für einen Gläubigen gibt. Protestantische Gläubige haben es da einfacher, weil die großen protestantischen Kirchen keine Probleme mit den Freimaurern haben.

Viele Grüße,

Thomas

kauli
20.05.2007, 10:08
Gegensätzliche Positionen würde ich es nicht nennen, sonst müsste es ja auch von Seiten der Freimaurer eine Unvereinbarkeit mit der Kirchenzugehörigkeit geben. So ist es aber eben nicht.

Die Ziele von Kirchen und Logen kann man nur bedingt miteinander vergleichen, da sie verschiedene Wege gehen. Es ist also weder förderlich noch schädlich, wenn sich ein Mensch kirchlich betätigt. Wie sich ein Mensch in der Freimaurerei einbringt ist, was zählt.


Thomas

Die Ziele der Kirchen und Logen sind durchaus vergleichbar, nur gehen beide verschiedene Wege. Als Organisation werden beide bestrebt sein, sich zu erhalten. Im wirklichen Leben sieht das dann so aus, dass so eine Organisation Mitglieder wirbt, Beiträge erhebt und Posten vergibt, ein unverwechselbares Angebot entwickelt und versucht, Konkurrenzunternehmen aus dem felde zu schlagen oder zu übernehmen. Wie man das macht, zeigen 2000 Jahre Kirchengeschichte.
Die christlichen Kirchen werben mit einem ewigen Leben nach dem physischen Tod, das durch absolute Loyalität gegenüber der Organisation und durch Einhaltung bestimmter Regeln gesichert ist. Andererseits treffen aber denjenigen fürchterliche Strafen, der weder der Organisation angehört noch ihre Regeln beachtet. Früher waren das ganz handfeste Strafen wie Verbrennen bei lebendigem leibe oder bestialische Folterungen, heute wird die Strafe an einen imaginären Ort verlegt und erst nach dem physischen Tod angetreten.
Die Freimaurer kennen das Prinzip von Strafe und Belohnung nicht. Aber auch bei ihnen ist es Aufgabe des Einzelnen, sich um ein moralisches Leben zu bemühen. Ihr Menschenbild wird allerdings nicht aus den alten religiösen Vorstellungen Vorderasiens gespeist wie das Christentum, sondern fusst auf der Philosophie der Aufklärung, die letztlich ebenfalls antike Wurzeln hat in den Philosophenschulen Griechenlands und Unteritaliens/Siziliens.
Beide, Freimaurerei und Glaubensgesellschaft sollten die geistige Entwicklung des Menschen fördern. Es dürfte eine Frage der Reife sein, ob sich jemand für den autoritären Weg der Kirche entscheidet, die ihm jede Eigenverantwortung abnimmt, oder ob er seinen Weg lieber selbst erkundet, immer in der Gefahr, in die Irre zu laufen.
Beide, Freimaurerei und Kirche, bedienen beim Menschen das Bedürfnis, sich irgendwie zu bessern, sich in einen höheren Zusammenhang einzufügen, in dem das Leben eingebettet wird in einen Sinn, der über die physische Existenz hinausgeht. Beide arbeiten daher mit Begriffen der Transzendenz, die sie mit verschiedenen Vorstellungen füllen. Man kann den Kirchen ankreiden, dass sie ihre Mitglieder oft in Krisen stürzt indem sie ihnen Angst machen, Angst vor Sünde, Angst vor der Hölle, vor einem letzten Gericht usw.usw. Als Geschäftsidee mag sich das bewährt haben und wird auch in anderen bereichen mit Erfolg verwendet (der ganze Medizinbetrieb dreht sich um nichts anderes als Angst), aber der gezielte Einsatz von Angst nimmt den Menschen die Freiheit, oder anders gesagt: Angst essen Seele auf. Und deshalb redet der Rabbi Jeshua aus Galilea ja auch nicht von Angst, sondern vom ganzen gegenteil, von Vertrauen (gr. pisteuein, glauben, vertrauen).
Also Leute: keine Panik.
gruss
Thomas

T.G.
20.05.2007, 10:42
Es gibt ebensowenig einen Widerspruch zwischen der christlichen Religion in Form ihrer katholischen Konfession und der Freimaurerei, wie es einen Widerspruch zwischen Religion an sich und der Freimaurerei gibt.

Insoweit finde ich diese Diskussion weitgehend unsinnig und sie zeigt lediglich die jeweiligen persönlichen Aversionen, Vorlieben, Welt- und Glaubensanschauungen der Beteiligten.

Diese sind aber weder für die Lehren der Freimaurerei noch für die Lehren des Christentums oder gar für die Lehren der katholischen Religion maßgeblich oder repräsentativ.

Es hat gute Gründe und entstammt einer weisen und in höchstem Maße lebenspraktischen Einsicht unserer Vorväter, daß wir über die Inhalte, Sinn und Zweck von Religionen und Konfessionen nicht disputieren.

Das sollte auch in diesem Forum Beachtung finden.

Malakim
21.05.2007, 11:21
Es gibt ebensowenig einen Widerspruch zwischen der christlichen Religion in Form ihrer katholischen Konfession und der Freimaurerei, wie es einen Widerspruch zwischen Religion an sich und der Freimaurerei gibt.

Wenn dies der Fall ist, wieso sieht der Vatikan das dann anders?

Ich nehme doch stark an, daß dem "Verbot" der FM für Katholiken vom Vatikan eine theologisch Begründung zugrunde liegt.

Aber ich glaube kaum das wir hier gründlich genug theologisch und freimaurerisch geschult sind um darüber zielführend zu debattieren, ich zumindest fühle mich dazu nicht in der Lage :hmmm:

oberon
21.05.2007, 11:49
Über die Gründe des Vatikans kann man in der Tat nur mutmaßen, solange kein höherer Kirchenvertreter hier im Forum ist und das erläutern könnte.

Und ich gebe Dir auch Recht, dass so eine Debatte, fußend auf Mutmaßungen und persönlichen Meinungen nicht hier ins Forum gehört. Zumal der Teil von Seiten der Freimaurer ja bereits geklärt ist. Der Rest würde in ein Kirchenforum gehören.

Viele Grüße,

Thomas

T.G.
21.05.2007, 13:25
Wenn dies der Fall ist, wieso sieht der Vatikan das dann anders?

Da muß ich Dich korregieren. Der Vatikan sieht es überhaupt nicht (mehr) anders. Seit dem II. Vatikanum gibt es keine im Corpus Iuris Canonicium (dem Gesetzbuch der Römischen Kirche) festgelegte Unvereinbarkeit oder gar (im kirchenrechtlichen Sinne) "Strafbarkeit" der Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge. Expressis Verbis verboten ist demnach seitdem nur noch die Mitgliedschaft in "kirchenfeindlichen Vereinigungen". Ansonsten hat der Vatikan (kluger- und realistischerweise) die Beurteilung der Vereinbarkeit von Mitgliedschaft in der Römisch-Katholischen Kirche und der Freimaurerei den jeweiligen Bischöfen in ihrer jeweiligen Jurisdiktion überlassen.

Und in Deutschland (u.a. in anderen Ländern) hat die Deutsche Bischofskonferenz nach erfolgsversprechenden Gesprächen mit Vertretern der VGL eine "Unvereinbarkeitserklärung" abgegeben, die für jeden nachlesbar ist. Das es hierzu gekommen ist, dazu hat im Übrigen auch das Verhalten von Beteiligten Brüder Freimaurern nicht wenig zu beigetragen. Auch dies kann der Interessierte in einschlägiger Literatur näher erlesen.

Ich nehme doch stark an, daß dem "Verbot" der FM für Katholiken vom Vatikan eine theologisch Begründung zugrunde liegt.

S.o. und wer sich für die historischen Gründe der gegen unseren Bund von verschiedenen Päpsten geschleuderten Bullen interessiert, dem kann ich nur die Lektüre von Alec Mellor`s "Unsere getrennten Brüder, Die Freimaurer" ans Herz legen. Theologische (Schein)gründe hatte die inbesondere die erste päpstliche Verurteilung der Freimaurerei mitnichten.

Malakim
21.05.2007, 17:51
Hm, dann habe ich diesen Text vom Vatikan falsch ausgelegt:


KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE URTEIL DER KIRCHE UNVERÄNDERT
Es wurde die Frage gestellt, ob sich das Urteil der Kirche über die Freimaurerei durch die Tatsache geändert hat, daß der neue CIC sie nicht ausdrücklich erwähnt wie der frühere.
Diese Kongregation ist in der Lage zu antworten, daß diesem Umstand das gleiche Kriterium der Redaktion zugrunde liegt wie für andere Vereinigungen, die gleichfalls nicht erwähnt wurden, weil sie in breitere Kategorien eingegliedert sind.
Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt. Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen.
Autoritäten der Ortskirche steht es nicht zu, sich über das Wesen freimaurerischer Vereinigungen in einem Urteil zu äußern, das das oben Bestimmte außer Kraft setzt, und zwar in Übereinstimmung mit der Erklärung dieser Kongregation vom 17. Februar 1981 (vgl. AAS 73/1981; S. 240-241).
Papst Johannes Paul II, hat diese Erklärung, die in der ordentlichen Sitzung dieser Kongregation beschlossen wurde, bei der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz bestätigt und ihre Veröffentlichung angeordnet.
Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, 26. November 1983.
Joseph Kardinal RATZINGER
Präfekt

+ Erzbischof Jérôme Hamer, O.P. Sekretär




Leider kann man keinen Link setzen. Zu finden unter dem Author "Ratzinger" in der masonic-library.org, dort ist der Link zum Vatikan. Die müsstens doch wissen. Oder gibt es da eine neuere Fassung? Ich kenne keine.

:hmmm:

Link: //www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19831126_declaration-masonic_ge.html

Stambolov
21.05.2007, 19:19
Es ist ja nicht nur der Vatikan. Alle orthodoxen Kirchen sind auch
FM-feindlich eingestellt. Hier wird hauptsächlich behauptet, dass die FM eine jüdische Organisation ist, ohne anti-semitische Äusserungen aber schon ein bischen abwertend, und dass die Lehre Christi nicht mit der FM vereinbar wäre.... :rolleyes2:aus folgenden zentralen ''theologischen'' Gründen (meine Quelle ist mein Grossvater, der ein orthodoxes Prieterseminar absolviert hat und eigentlich immer auf dem Laufenden ist):

- einzig und allein Jesus Christus kann uns erlösen, und nur in seinem Namen können wir erlöst werden,...d.h. A.B.a.W. und die Akzeptanz anderer Religionen ist völlig abwegig, d.h. man verbrennt in der Hölle...:rolleyes2:

- die Bibel ist je nach Konfession (die evangelische, Kath. und orth. Bibel sind unterschiedlich, wobei die kath. und orth. fast übereinstimmen) und Religion desjenigen, der einen Eid, Versprechen etc. ablegt, austauschbar...also wird Christus gegebenfalls verleugnet...

- Jesus Christus hat Geheimniskrämerei, Eide, etc... strikt verboten,...

- Die Freimaurerei lehrt oder läuft darauf hinaus, dass man durch gute Taten erlöst werden könnte. Jedoch nur der Glaube an Christus kann uns erlösen...

- Die zentrale Rolle, die der Tempel des Solomon spielt, weist eindeutig darauf hin, dass der jüdische Einfluss viel grösser ist, als der christliche

- Die Freimaurerei ist eine Religion und damit ist jeder Freimaurerei nicht mehr zu retten,...:rolleyes2:

- Die Freimaurerei strebt eine Weltreligion an, die alle möglichen Elemente vereinen soll, nur um das Christentum zu zerstören und die Menschen ihrer Erlösung zu berauben,...die FM vollbringt also das Werk des Teufels...:icon_smile_lachuh:

Sooo, dass ist ungefähr die offizielle Position, wobei es allgemein bekannt ist, dass mehrere Patriarchen der gr.orthodoxen Gemeinde Freimaurer waren...:icon_smile_lachuh:

Die Anti-Freimaurerische Position wird aber viel härter von der russisch-Orthodoxen Kirche vertreten, auch mit anti-zionistischen/semitischen Untertönen. Da wird ganz scheinheilig darauf hingewiesen, dass die russische Kirche in den höheren Positionen ganz frei von Freimaurerei wäre,...was wirklich eine Frechheit ist, weil man das den Kommunisten zu verdanken hat, die übrigens auch nicht gerade zimperlich mit der Kirche im ehemaligen GUS-Gebiet umgegangen sind. Liegt wahrscheinlich daran, dass alle möglichen Kommunistenfuzzis plötzlich das finanzielle und politische Potenzial der Kirche erkannt haben und fleissig unterwandern...:angryfire:

Ich kann jedem nur empfehlen sich nicht zuerst auf die Freimaurerei zu stürzen und loszukritisieren...es wäre angebracht sich mit dem eklektischen Charakter des Judentums und Christentums auseinanderzusetzen, sich mit den Fakten der Enstehung der Bibel (Zeiträume) zu befassen, sich mit der kanaanitischen und ägyptischen Symbolik, Religionen zu beschäftigen und sich einen eigenen Standpunkt über die Lehre Christi zu verschaffen...

dann wird einiges klar...:shocked: und es sollte nie mehr ein Problem mit FM und Rel. für einen geben...wenn man die theologischen Fragen geklärt hat, werden die machtpolitischen Interessen nur noch offensichtlicher...:ohwell:

LG,
Dimitar

T.G.
21.05.2007, 20:11
Hm, dann habe ich diesen Text vom Vatikan falsch ausgelegt:

Nein, der (allseits bekannte) "Text" ist in seiner Aussage glasklar. Allerdings muß man zu ihm zweierlei wissen:

1. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, hat diesen "Text" (die Anführungszeichen setze ich ganz bewußt, was sich noch im folgenden erklären wird), in der Nacht vor dem Inkraftreten des neuen C.I.C. (das wie gesagt die Mitgliedschaft von Katholiken in Freimaurerlogen nicht mehr eo ipso unter Strafe stellt oder auch nur überhaupt irgendwo thematisiert) einfach so nach gutdünken herausgegeben.

2. Papst Johannes Paul II. hat diesen "Text" später "Billigend zur Kenntnis genommen".

Aus diesen beiden Punkten ergibt sich (nachvollziehbar), daß die kirchenrechtliche Einordnung des Textes unter Kirchenrechtlern (sowohl solchen des Klerus als auch denen, die (nur) Angehörige der weltlichen Universitäten sind) auf das höchste umstritten ist. Es gibt dort eine Meinungsbandbreite von "privater Ansicht des damaligen Präfekten der Glaubneskongreation" bis hin zu "päpstlicher Verlautbarung". Unbestritten ist aber, daß es sich bei diesem "Text" weder um eine päpstliche Bulle (mit aller ihrer kirchenrechtlichen Durchsetzungskraft) noch um "Text" im Range der sonstigen kirchenrechtlichen Bestimmungen des C.I.C. handelt.

Und genau dies führt zu der - de facto gleichermaßen nicht bestreitbaren - stark uneinheitlichen Handhabung der "Freimaurerfrage" unter den verschiedenen Bischöfen und klerikalen Jurisdiktionen auf der ganzen Welt.

1. Fazit: Es gibt de facto keine einheitliche Stellungnahme der Römisch-Katholischen Kirche gegen die Mitgliedschaft von Katholiken in der Freimaurerei.

2. Fazit: Mann kann das Ganze (mit guten Gründen) auch ganz anders bewerten.

Im Übrigen möchte ich bei den Diskussionen rund um das Verhältnis von "Freimaurere und Römisch-Katholischer Kirche" einmal aus meiner persönlichen Sicht als Bruder Freimaurer und Katholik einmal eines kritisch anmerken:

Sie wird doch häufig sehr unehrlich geführt, denn die Römisch-Katholische Kirche lehnt (wenn) allein die Mitgliedschaft von Katholiken (!) in der Freimaurere ab, nimmt also schlicht das Recht jeder Organisation wahr, ihren Mitgliedern die Mitgliedschaft in anderen Vereinigungen zu untersagen (wie es z.B. bei politischen Parteien, verschiedenen freimaurerischen Großlogen und verschiedenen anderen "Initiationsbünden" gleichfalls gang und gebe ist).

Daß dann diejenigen am meisten gegen diesen "Angriff der Kirche" wettern, die entweder überhaupt keine Katholiken sind oder jemals Katholiken waren ist daher m.E. dann weniger ein Ausdruck eigener Betroffenheit, sondern ein willkommener Anlaß zur Bestätigung des eigenen (antikatholischen oder auch antichristlichen) Weltbildes.

Die meisten Brüder Freimaurer, die ich kenne und die gleichfalls gläubige Katholiken sind, haben dieses Problem mit ihrer Kirche nicht, bzw. haben sich die Frage gestellt und auch selbst zufriedenstellend beantwortet ob gegen ihre Mitgliedschaft und Betätigung in der Freimaurerei ihr Gewissen spricht.

Man sollte also m.E. rund um das Thema "Römische Kirche und Freimaurerei" genaueste Sachkenntnis walten lassen und genau prüfen, wer aus welchen Gründen sich wie dazu äußert. Dies gilt sowohl für kirchliche, als auch freimaurerische (zumal von einzelnen Brüder Freimaurern getätigte) Verlautbarungen zu diesem Thema.

maral
21.05.2007, 21:38
1. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, hat diesen "Text" (die Anführungszeichen setze ich ganz bewußt, was sich noch im folgenden erklären wird), in der Nacht vor dem Inkraftreten des neuen C.I.C. (das wie gesagt die Mitgliedschaft von Katholiken in Freimaurerlogen nicht mehr eo ipso unter Strafe stellt oder auch nur überhaupt irgendwo thematisiert) einfach so nach gutdünken herausgegeben.

2. Papst Johannes Paul II. hat diesen "Text" später "Billigend zur Kenntnis genommen".
Sehr geehrter T.G.
ich respektiere Ihren Glauben sehr, wenngleich ich mich in früheren Diskussionen hier im Forum manchmal über Ihr beharrliches Festhalten an Regeln (ich erinnere mich besonders an die Frage, ob ein FM tatsächlich an "das höhere Wesen" glauben muss) gewundert habe. Allerdings darf ich Ihnen auch sagen, dass gerade diese Beiträge mich sehr zum Nachdenken angeregt haben.
Jetzt sagen Sie - ich zitiere Sie oben - der damalige Kardinal und heutige Heilige Vater hätte besagten Text mehr oder weniger "über Nacht" (im Zeitdruck und wenig reflektiert?) hingepinselt.
Der damalige Papst hätte dann - ich interpretiere hier wieder - um nicht Widerspruch erheben zu müssen, das ganze durchgewinkt.
Ich bitte Sie hier um Aufklärung. Ich möchte sicherstellen Sie hier wirklich verstanden zu haben. Sollte meine Wortwahl Sie verletzt haben, bitte ich jetzt schon aufrichtig um Entschuldigung.

Gruß

Martin

T.G.
21.05.2007, 21:54
Sehr geehrter Martin,


Jetzt sagen Sie - ich zitiere Sie oben - der damalige Kardinal und heutige Heilige Vater hätte besagten Text mehr oder weniger "über Nacht" (im Zeitdruck und wenig reflektiert?) hingepinselt.
Der damalige Papst hätte dann - ich interpretiere hier wieder - um nicht Widerspruch erheben zu müssen, das ganze durchgewinkt.
Ich bitte Sie hier um Aufklärung. Ich möchte sicherstellen Sie hier wirklich verstanden zu haben.

Ja, Sie haben meine Ausführungen soweit richtig verstanden. Der inhaltliche Schwerpunkt derselben liegt allerdings auf der Feststellung, daß sowohl die Erklärung des damaligen Kardinal Ratzinger und die spätere Billigung von Johannes Paul II. kirchenrechtlich (und allein dies ist für die Frage der Beurteilung einer Vereinbarkeit der Mitgliedschaft in der Freimaurerei aus kirchlicher Sicht maßgeblich) nicht eindeutig einordbar ist und damit auch ihre kirchenrechtliche Bedeutung umstritten ist.

Nun wird es natürlich auch eine Vielzahl von Katholiken geben, denen diese kirchenrechtlichen Feinheiten nebensächlich sind und denen es vollkommen ausreicht, wenn ein einzelner Papst seine "Mißbilligung" einer Mitgliedschaft von Katholiken in einer Freimaurerloge zum Ausdruck bringt um von eben einer solchen Abstand zu nehmen. Dies ist aber eine rein persönliche Glaubens- und Gewissensfrage.

Die Frage zum Verhältnis der Freimaurerei zur Römisch-Katholischen Kirche hingegen ist eine Frage des Verhältnisses von zwei Institutionen bzw. Organisationen zueinander. Und diese Frage ist aus kirchenrechtlicher Sicht nicht (mehr) eindeutig geklärt. Es gibt auch in Deutschland Bischöfe, die - natürlich in Kenntnis der hier angeführten Erklärungen - bereits einzelnen katholischen Brüdern Freimaurern die Mitgliedschaft in ihrer Freimaurerloge erlaubt haben, da sie in diesen Erklärungen und einer etwaigen Gewissensentscheidung des einzelnen, daß seine freimaurerische Betätigung weder gegen seinen katholischen Glauben verstoße, noch eine (vom CIC unter Strafe gestellte) antikirchliche Betätigung sei, repektierten und genehmigten, also nicht eo ipso eine Unvereinbarkeit von "Freimaurerei" und "Kirche" sehen, sondern auf den Einzelfall abstellen.

Sollte meine Wortwahl Sie verletzt haben, bitte ich jetzt schon aufrichtig um Entschuldigung.

Keinesfalls! Wie kommen Sie darauf? :hmmm:

Mit freundlichen Grüßen

T.G.

oberon
21.05.2007, 22:33
Ich denke, ein pointierter Abschluss ist für dieses Thema sicherlich das Beste. Die inhaltlichen Punkte sind alle angesprochen worden.

Da sich das Thema immer mehr in die Richtung persönlicher Ansichten entwickelt, möchte ich es hiermit schließen. Das was es noch zu diskutieren gibt, macht bitte via PN oder E-Mail.


Viele Grüße,


Thomas