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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der verworfene Eckstein


Nixurath
20.04.2007, 15:56
Hallo zusammen,

Als neues Mitglied möchte ich mich kurz vorstellen:

ich bin Kunst- und Theologiestudent kurz vor dem Examen und interessiere mich schon seit einigen Jahren für FM. Schon oft habe ich überlegt, einmal einen Informationsabend der Freimaurerloge meiner Stadt zu besuchen. Dennoch habe ich mich dazu noch nicht entschließen können. (In meiner Stadt gibt es eine Johannisloge. Aus verschiedenen Quellen habe ich erfahren, daß sich die Johannislogen eher wenig mit den Mysterien beschäftigen, für die ich ein großes Interesse pflege) Ich bedaure es aber, das für mich interessante Informationen nur schwer zugänglich sind. Ich habe ein großen Interesse an Symbolik und Ritual und stelle fest, daß mir neue Informationen langsam ausgehen, solange ich mich nur an Bibliotheken und das Internet halte.
Als ich in letzter Zeit verschidene Internet-Foren zur Freimaurerei durchsuchte, kam ich zu dem Schluß, meine Frage(n) auf diesem Weg direkt an die "Insider" zu richten:

Seit beinahe zwei Jahren bearbeite ich immer wieder das Thema "verworfener Eckstein" im Rahmen meines Theologiestudiums. Die christlich-theologische Auslegung dieses Themas ist eigentlich sehr klar und einfach verschiedenen Bibelkommentaren zu entnehmen:

Jesus Christus ist der im AT angekündigte Eckstein, der im NT von den Juden verworfen wird. Der Ecksteinbegriff wird verstanden im Sinne einer Tempeltheologie, derer sich Jesus in der der Schrift häufig bemächtigt. Nach der Zerstörung des letzten Jerusalemer Tempels ist der Tempel Jahwes das jüdische (später dann das christliche) Volk, dessen Fundament/Schlußstein/Eckstein (je nach Übersetzung der zu Grunde liegenden, griechischen Begriffe „kephalae gonias“ und „akrogoniaios“) eben Jesus ist.
Strittig ist höchstens in welchem Zusammenhang sich Jesus selbst als Eckstein vorstellt (Vgl. bei Interesse dazu MK 12,1-12; Mt 21,33-46; Luk 20,9-19 mit Thomas Logion 66 und 67). Eine Ausführung dieser Thematik ginge an dieser Stelle aber zu weit.

Eine historische Analyse des Themas führt mich allerdings zu anderen Schlüssen, da ich davon ausgehe, daß sich bereits der Bau des ersten Tempels durch Salomo, von der sakralen Architektur älterer Kulturen herleitet. Somit kann man davon ausgehen, daß auch im Tempel verwendete Symbole älteren Ursprungs sind, wie das eherne Meer, die Säulen am Eingang des Tempels oder eben der Eckstein.

Aus verschieden Quellen erfuhr ich, daß der Eckstein auch im freimaurerischen Ritual eine wichtige Rolle spielt.

-Die Freimauer Christopher Knight und Robert Lomas deuten in ihrem Buch "The Hiram Key" an, daß der Eckstein ein wichtiges Symbol im Ritual der Meistermaurer sei. Und erwähnen, daß besonders das Thomas Logion 67, in dem Jesus jenen Stein gezeigt haben möchte, eine Parallele zu besagtem Ritual darstelle.

-Horst E. Miers schreibt im Lexikon des Geheimwissens, der Eckstein käme im Mark-Maurer-Grad vor.

-die für mich merkwürdigste Information stammt von Eliphas Levi (Geschichte der Magie, 2001 München, S.182): "Wenn sie Jesus Christus anklagten, einen falschen Eckstein gesetzt zu haben, wußten sie etwa um den wahren? Dieser Eckstein, kubische Stein, symbolischer Name für dieselbe Sache, dieser Grundstein des kabbalistischen Tempels mit viereckiger Basis und dreieckigem Gipfel wie die Pyramiden, kannten ihn die Juden zur Zeit der Pharisäer denn noch?


Immerhin bezeichnet Levi den Eckstein als "kubischen Stein", zu dem ich dann reichlich Bezüge zur Freimaurerei finden konnte. Ingesamt beschränken sich die gefunden Informationen hierzu inetwa auf die Tatsache, daß der Freimaurer eine Persönlichkeitsentwicklung erfährt, die in der Bearbeitung des unbehauenen, rauhen Steins zum geglätteten kubischen Stein symbolisiert ist.

-Endres führt das Symbol des rauhen Steins wohl auf ägyptische Esoterik zurück. (diese Information stammt allerdings aus dem Internet)


Des weiteren führte mich Levi vom Begriff "Kabbalistischer Tempel" zum Begriff "Tempel der Humanität". Der "Humanität" wiederum wird mit Chesed in Verbindung gebracht. In einem Gedicht zu Chesed schreibt Gerd Scherm auf seiner Internetseite (www.scherm.de/kabbala/) folgende Zeile:
"Der verworfene Eckstein, der zum Schlussstein wird"



Ich werde das Gefühl nicht los, das es über den Eckstein weit mehr zu sagen gibt, als die christliche Theologie weis machen will. Gleichzeitig habe ich aber das dringende Gefühl, daß ich hier alleine nicht mehr weiter komme. (Meine Theologieprofessoren wollen von verborgenen Bedeutungen natürlich nichts wissen und sind nicht wirklich eine Hilfe).:hmmm:

Ich wäre sehr froh, wenn hier neue Beiträge zum Thema ihren Platz finden würden. Vermutlich weiß der ein oder andere einiges mehr als ich zu diesem Thema zu sagen. Ich bin für alle Beiträge dankbar, die einen zumindest entfernten Bezug zum Ecksteinbegriff aufweisen.


Grüße an alle, die dieses lesen,
Nixurath

Malakim
20.04.2007, 17:00
Hallo Nixurath,

(In meiner Stadt gibt es eine Johannisloge. Aus verschiedenen Quellen habe ich erfahren, daß sich die Johannislogen eher wenig mit den Mysterien beschäftigen, für die ich ein großes Interesse pflege)


Also ich für meinen Teil kann sehr viel der Mysterien im AFuAM Ritual entdecken. Da kommt es auch darauf an was man darin sehen möchte und wie man das erlebt bzw. anwenden/einordnen möchte. Aber, so wurde es mir berichtet, der FO (der Freimaurer Orden) ist da die "bessere" Adresse zu diesem Thema.


Aus verschieden Quellen erfuhr ich, daß der Eckstein auch im freimaurerischen Ritual eine wichtige Rolle spielt.


Vermutlich ist der Grad des "Mark Master Mason" gemeint. Ein Seiten Grad der im Anschluß an den "Johannis Meister Grad" (als den 3 Grad in allen blauen Logen) beschritten werden kann.


-Horst E. Miers schreibt im Lexikon des Geheimwissens, der Eckstein käme im Mark-Maurer-Grad vor.


Bingo.

Dieser Eckstein, kubische Stein, symbolischer Name für dieselbe Sache, dieser Grundstein des kabbalistischen Tempels mit viereckiger Basis und dreieckigem Gipfel wie die Pyramiden, kannten ihn die Juden zur Zeit der Pharisäer denn noch?

Hmm, das klingt mehr nach Alchemie und Quadratur des Kreises.


Des weiteren führte mich Levi vom Begriff "Kabbalistischer Tempel" zum Begriff "Tempel der Humanität". Der "Humanität" wiederum wird mit Chesed in Verbindung gebracht. In einem Gedicht zu Chesed schreibt Gerd Scherm auf seiner Internetseite (www.scherm.de/kabbala/ (http://www.scherm.de/kabbala/)) folgende Zeile:
"Der verworfene Eckstein, der zum Schlussstein wird"


Wie gesagt, soetwas kann man in den Ritualen der Johanneslogen finden, wenn man denn möchte. Bzw. die Beschäftigung mit den Ritualen hat mich auch an diesen Ecken vorbeigeführt.


Ich werde das Gefühl nicht los, das es über den Eckstein weit mehr zu sagen gibt, als die christliche Theologie weis machen will. Gleichzeitig habe ich aber das dringende Gefühl, daß ich hier alleine nicht mehr weiter komme. (Meine Theologieprofessoren wollen von verborgenen Bedeutungen natürlich nichts wissen und sind nicht wirklich eine Hilfe).:hmmm:


Falls Sie diese nicht bereits gelesen würde ich auf folgendes Buch hinweisen:
CG Jung, Psychologie und Alchemie. Besonders der letzte Teil behandelt eine Jesus / Lapis betrachtung die evtl. interessante Einblicke für Sie bringt.


Sie schreiben das sie sich sehr für Rituale und Symbole interessieren. Mich würde interssieren wie Sie ein Ritual denn verstehen wenn Sie es lesen? Meiner Meinung nach liegt DIE wesentliche Komponente im Erleben.


Gruß
Malakim

Nixurath
20.04.2007, 19:48
Hallo Malakim,

danke für die rasche Antwort.


Also ich für meinen Teil kann sehr viel der Mysterien im AFuAM Ritual entdecken. Da kommt es auch darauf an was man darin sehen möchte und wie man das erlebt bzw. anwenden/einordnen möchte. Aber, so wurde es mir berichtet, der FO (der Freimaurer Orden) ist da die "bessere" Adresse zu diesem Thema.Ich blicke durch die unterschiedlichen Logen noch nicht so durch. Habe aber mal Logen, die den AFuAM angeschlossen sind gesucht. Da gibt es hier lokal vier Stück. Die haben merkwürdigerweise alle die selbe Postanschrift. Die bezeichnen sich aber wohl zum Teil ebenfalls als Johannisloge, während der FO die Johannislogen als Teil seiner "Unterlogen" versteht???
Die große Zahl unterschiedlicher Logen bzw. Orden ist für mich noch sehr unübersichtlich. Ich hab da wohl noch einiges rauszufinden.
Ich wohne übrigens in Köln.

Vermutlich ist der Grad des "Mark Master Mason" gemeint. Ein Seiten Grad der im Anschluß an den "Johannis Meister Grad" (als den 3 Grad in allen blauen Logen) beschritten werden kann.Vor einiger Zeit las ich, die Mark-Maurerei gäbe es eigentlich nur in Großbritannien. Miers Lexikon des Geheimwissens scheint dies zu bestätigen. Stimmt das so?

Hmm, das klingt mehr nach Alchemie und Quadratur des Kreises.Und doch frage mich, wovon Levi eigentlich spricht. (Das frage ich mich allerdings bei vielen Stellen dieses Buches...)


Wie gesagt, soetwas kann man in den Ritualen der Johanneslogen finden, wenn man denn möchte. Bzw. die Beschäftigung mit den Ritualen hat mich auch an diesen Ecken vorbeigeführt.
Ich vermute mal, daß man außerhalb der FM nicht über die Inhalte des "Eckstein-Mysteriums" spricht und das ich derartige Geheimnisse selbst "erfahren" kann, wenn ich mich einer Loge anschließe?
Das war jedenfalls bisher meine Vermutung, da die geschriebenen Quellen nichts mehr herzugeben schienen.


Falls Sie diese nicht bereits gelesen würde ich auf folgendes Buch hinweisen:
CG Jung, Psychologie und Alchemie. Besonders der letzte Teil behandelt eine Jesus / Lapis betrachtung die evtl. interessante Einblicke für Sie bringt.Dieses Buch habe ich noch nicht gelesen, werde es aber demnächst mal einsehen.

Sie schreiben das sie sich sehr für Rituale und Symbole interessieren. Mich würde interssieren wie Sie ein Ritual denn verstehen wenn Sie es lesen? Meiner Meinung nach liegt DIE wesentliche Komponente im Erleben.Ich muß sagen, daß ich nicht viele FM-Rituale 'gelesen' habe, da es meiner Erfahrung nach nicht besonders viel darüber zu lesen gibt. Scheinbar werden lediglich Auszüge einiger Rituale preisgegeben. (Vielleicht weiß ich auch nur nicht, wo ich suchen muß...)
Mein Interesse an den Ritualen und vor allem den Symbolen entspricht vielleicht eher dem Interesse eines Geschichtsstudenten, als dem eines Religionsstudenten. Auf diesem Weg bin ich dennoch überhaupt dazu gekommen, Theologie zu studieren.
Ich bin mir allerdings bewußt, daß die Symbole und Rituale nicht der Erweiterung der Bildung dienen, sondern die persönliche Entwicklung von Individuen förden sollen.
Vielleicht sollte ich so sagen: "Ich erforsche Zusammenhänge, die mich interessieren und probiere Erfahrungen, die mir zusagen."
Ich stimme also zu, daß man wirklich versteht nur durch Erfahrung.
Mein Lieblingsautor sagte ständig "The map is not the territory". Dennoch benötigt man eine Speisekarte, um das Menue auszuwählen, aber man ißt nicht die Karte. Ich hoffe, das ich in meinem Leben noch einiges erfahren kann, worüber ich bereits gelesen haben.

Vielen Dank jedenfalls, ich bin offen für weitere Anregungen,

Gruß,
Nixurath

oberon
20.04.2007, 21:12
Es ist so eine Sache, Details aus der freimaurerischen Symbolik hier im Forum zu posten. Zum einen haben die Brüder sehr unterschiedliche Ansichten darüber, was der Verschwiegenheit (nicht Geheimhaltung!) unterliegt, andererseits sind viele Bedeutungen erst aus dem Kontext des Erlebens heraus verständlich.

Ich habe Dir eine PN bezüglich dieses Themas geschrieben, möchte aber darum bitten, hier im Forum nicht tiefer auf die Symbolbedeutung, eventuell auch einzelner Grade, einzugehen.

Für uns Brüder ist das eine Gratwanderung zwischen dem Bedürfnis, einem verständigen, interessierten und anscheinend auch versierten Mann "unser Tun" näher zu bringen, und unserer Verpflichtung zur Verschwiegenheit.

Mein Tip ist: Beschäftige dich weiter mit dem Thema, und frage vielleicht mal einen Bruder bei einem persönlichen Gespräch. Dazu kannst Du sicherlich in Köln auch Gästeabende besuchen. Für den Rahmen eines Gästeabends ist das Thema aber sicherlich ebenso zu speziell wie hier im Forum.

Viele Grüße,

Thomas

Malakim
23.04.2007, 09:57
Hallo Nixurath,


Ich blicke durch die unterschiedlichen Logen noch nicht so durch. Habe aber mal Logen, die den AFuAM angeschlossen sind gesucht. Da gibt es hier lokal vier Stück. Die haben merkwürdigerweise alle die selbe Postanschrift. Die bezeichnen sich aber wohl zum Teil ebenfalls als Johannisloge, während der FO die Johannislogen als Teil seiner "Unterlogen" versteht???


Die Grade 1-3 werden im Allgemeinen als Johannisgrade bezeichnet. Der Unterschied liegt lediglich darin begründet, das der FO ein geschlossens System über mehr als 3 Grade bietet. Unter der Großloge zu den 3 Weltkugeln gibt es auch mehr als 3 Grade in einem geschlossenen System. Unter der Großloge AFuAM werden "nur" die Grade Lehrling, Geselle, Meister bearbeitet.
Danach kann man sich jedoch weiterführenden Sytemen anschließen (muß dies jedoch nicht tun).

Das mehrere Logen die gleiche Adresse haben ist nichts ungewöhnliches. Es ist durchaus üblich das sich mehrere Logen ein Logenhaus teilen.



Vor einiger Zeit las ich, die Mark-Maurerei gäbe es eigentlich nur in Großbritannien. Miers Lexikon des Geheimwissens scheint dies zu bestätigen. Stimmt das so?


Nein, stimmt so nicht. Es gibt in Deutschland reine Mark Logen. Diese arbeiten unter der jurisdiction von London, aber als AFuAM Bruder kann man sich diesen anschließen.
Ausserdem gibt es auch den Mark Grad im York Ritus (Grad 4).



Und doch frage mich, wovon Levi eigentlich spricht. (Das frage ich mich allerdings bei vielen Stellen dieses Buches...)


Wenn Sie einige Aussagen von Levi auf die FM angewendet wiederfinden möchten, empfehle ich das Buch:
Morals & Dogma von Albert Pike.


Ich vermute mal, daß man außerhalb der FM nicht über die Inhalte des "Eckstein-Mysteriums" spricht und das ich derartige Geheimnisse selbst "erfahren" kann, wenn ich mich einer Loge anschließe?


Dieses ganze Thema bringt system immanent mit sich das man nur schwer darüber sprechen kann.


Vielleicht sollte ich so sagen: "Ich erforsche Zusammenhänge, die mich interessieren und probiere Erfahrungen, die mir zusagen."


An dieser Stelle ist es sicher angebracht darauf hinzuweisen, das man soetwas wie die Freimaurerei nicht einfach "konsumieren" kann. Nicht umsonst handelt es sich um einen Zusammenschluß für das ganze Leben.

Gruß
Malakim

Jumalia
06.09.2008, 22:59
Es gibt auch eine ganz andere Bedeutung des Ecksteins, aus dem Buch Bahir § 61:

Im § 61 wird das Ganze umgedeutet. Die Krone die beim Gebet sehr hoch emporsteigt, "ist selber der gekrönte Edelstein", den in ihr ist alles zusammengefaßt. Außerdem ist sie auch der verworfene Eckstein, der empor steigt bis zu dem Ort aus dem er herausgebrochen wurde.

LG.Jumalia