PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wissen und unsere Freiheit


IanusStörtebeker
13.04.2007, 19:05
13. April 07

„Der Niedergang des amerikanischen Geistes“ befand sich wieder in meinen Händen.

Das Leben der Universität wird in diesem Kapitel behandelt. Vor allem das Wirken von Philosophen, eines Sokrates, wurde erklärt. Die Stellung der Philosophie in den Landschaften der Politik und der Religion wurde umschrieben. Die Philosophie hat einen schweren Stand. Sie sucht einen Weg, der der Religion nicht entspricht, und dabei gerät sie in einen Konflikt mit dem Dogma, der von der Religion verbreitet wird. Die Philosophie behandelt Politik als eine Unterworfene, dem Gefallen der Mächtigen entsprechend, oder teilt ihre Lösungen den Brüdern aus dem Volk mit. Der erste Fall entsteht durch die Ruhmsucht eines Mächtigen, er habe die alltäglichen Probleme der Wissenschaft verstanden, ein Wink des Zaunpfahls. Der zweite Fall soll dem Volk dienen, doch wie oft werden die Weisheiten der Philosophen durch die Ignoranz des Gewinnsüchtigen verunstaltet, dass die Praxis nicht mehr der Theorie entspricht. Dies zeigt, wie sich Philosophen alles gefallen lassen müssen. Nicht jeder Philosoph, der ein weitaus milderes Urteil bekommt, als ein Sokrates, eines das nur über die Weisheit gefällt wird, lässt dieses Urteil mit dem Witz und der selben Gleichgültigkeit über sich ergehen, als es in der Apologie des Sokrates beschrieben wird. Dem Sokrates diente dieses Urteil noch. Er hatte die Gelegenheit, Erfahrungen über den Tod zu sammeln. So verschieden ist ein Philosoph gegenüber Mächtigen, Bürgern, Frauen und Sklaven. Es war keine Tugend, der Sokrates folgte. Er handelte im Wissen, er mache Dinge besser, im Sinne von richtig, als seine Bundesgenossen, die ihre Rituale aus einem Skript kopierten. Der Sinn, den Sokrates in einem solchen Leben fand, diente nicht nur ihm persönlich. Er sah darin eine Aufgabe, die er anderen zukommen lassen müsse. Er wagte dabei keinen Schritt mit Gefühlen der Aggression oder Provokation, so wie wir Andersdenkende heute verstehen, die sich ebenfalls von der Gesellschaft abwenden. Er versuchte sein Handeln zu erklären, indem er auch darauf hinwies, er sei nicht anders als jene, denen er etwas zu erklären versuchte. Sein Handeln lässt sich nicht dem Handeln eines gottergebenen Menschen erklären, da für ihn keine Götter vorhanden waren. Er zollte aber den Menschen Respekt, die an Götter glaubten. So wies er jedoch immer darauf hin, dass das einfache Handwerk eines Menschen niemals vergessen werden durfte, dass eben ein Priester auch nicht über einen Menschen stehe. Dieses Handeln zählte für manchen als das Gift in einer Gesellschaft. Athen, die zentrale Stadt in Sachen von Kultur und Wissenschaft, für Sokrates ein Punkt auf einer Karte, war Ausgangspunkt einer Bedrohung, die heute ebenso noch geachtet wird.

Das Schicksal eines Sokrates ist kein Einzelfall, denn die Jahrhunderte der Blüte neigten sich zur Neige und Dunkelheit holte Kultur und Wissenschaft ein. Sokrates wurde nie mehr so verstanden, wie er von seinen Richtern verstanden wurde. Die Zeit heilt eben nicht nur Wunden. Die Zeit ließ ihn in Vergessenheit geraten und dies war das Schicksal der europäischen Welt. Das Vergessen eines Sokrates wurde auch nicht durch die von Plato verfassten vorhandenen Schriften verhindert, welche nur von der geistlichen Elite gelesen wurde, von denen die Gefahr ausging, die Unterdrückung würde nie ein Ende nehmen. Der Glaube der Menschen an Freiheit war nur ein Traum, der in den wenigen Worten verstanden wurde, die eben ein Bauer kannte. Die Bildung, das Wissen über Sokrates, blieb bei jenen, die sich einer anderen Lehre verschrieben hatte. So war es für Europa zu spät, als Sokrates wieder entdeckt wurde. Sein Wirken schrieb keine Geschichte mehr, doch viele Philosophen nehmen seine Weisheiten als den Ursprung, die in ihrem eigenen Wissen neu erfunden wurde. So schreibt Sokrates seit Jahrhunderten wieder Geschichte, doch was blieb von ihm übrig. Gegensätze, die nicht in einem Leben zu überwinden sind, spiegeln nicht das, was Sokrates in Verbundenheit zu seinen Gegnern erklärte. Übrig bleibt eine steinerne Phalanx, die während der Aufklärung wieder gelernt hatte, aufrecht zu stehen, doch bröckelt sie immer mehr. Menschen, die einem Sokrates gleichen, sind keine Philosophen mehr. Selbstverletzung hat sie eingeholt. Die Entfremdung mit der Gesellschaft, eine Sache die Sokrates nie kannte, macht Menschen heute zu einer Subkultur. Sie entstehen und verbreiten ihre Tugend in eigenen Zirkeln. Subkultur bleibt aber eine Verständigung mit den restlichen Posten, die ihre Wahrheit erst aufgeben, da diese von eigenen Reihen ausgehend erschüttert wurde. Die Subkultur kämpft nicht mehr wie Sokrates, der für einen Soldaten einem Soldat entsprach, doch der Kampf des Sokrates wurde mit Mitgefühl ausgetragen. Das verlorene Wissen während der Periode der Dunkelheit, machte uns zu denen, die der Gesellschaft mehr als gehorsam hörig sind. Die Träume einer Subkultur entfalten sich nicht mehr darin, den Menschen einen Weg zu weisen, doch die von der Subkultur ausgehende Provokation, macht die Subkultur zu einem Gegner, dem ein härteres Urteil erwartet, als jenes des Sokrates. Zu sehr lehnt die Subkultur das Leben als flatterhaft ab. Die Unbekümmertheit ist ein einer Senke verschwunden, in die niemand hinab klettern möchte. Es wäre ihnen nicht zu anstrengend, doch hadern sie mit dem ins Leben eingebrachte Dogma der Anständigkeit und Sitten, die gut und böse zu einem Glauben machen.

Wäre das Wissen über Sokrates in der Geschichte nicht verloren gegangen, so würden die eines Sokrates vergleichbaren Menschen keinen Kampf führen, der einem Hügel bergauf geführt. Das Wissen sprengte die Ketten der Unmündigkeit. Er war ein Mensch, der sein Leben der Freiheit widmete. Eine Freiheit, die er mit anderen teilte. Die Unwissenheit der späteren Generationen und das Zurückhalten der über ihn bekannten Philosophie, werfen einen sehr langen Schatten über den Idealismus und den Realismus einer Subkultur, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit anstrebt. Doch auch diese Ziele sind ein Mekka der politischen und religiösen Philosophien, die harte Auseinandersetzungen möglich machen.

Über Sokrates habe ich noch nichts gelesen. Ich las keines der Werke von Xenophon, Aristophanes oder Plato. Ich begann mal „Der Staat“, doch ist dies lange her. Ich las es auch nie zu Ende. Ich entdeckte aber heute Sokrates Vermächtnis.

kauli
28.04.2007, 10:35
13. April 07



Über Sokrates habe ich noch nichts gelesen. Ich las keines der Werke von Xenophon, Aristophanes oder Plato. Ich begann mal „Der Staat“, doch ist dies lange her. Ich las es auch nie zu Ende. Ich entdeckte aber heute Sokrates Vermächtnis.

Dann würde ich das nachholen, wenn es Dich interessiert, und nicht auf das hören, was andere darüber zu sagen haben, sondern mir selbst ein Bild machen. Vielleicht darf ich Dir empfehlen, mit einem der Dialoge anzufangen, und nicht gleich mit dem "Staat". Das Schöne an den Dialogen ist, dass sie keinerlei Kenntnis voraussetzen, weil ja Sokrates davon ausgeht, dass wir ohnehin alles wissen, dass dieses Wissen aber teilweise in Vergessenheit geraten ist, und wir es nur wieder an die Oberfläche des Bewußtseins bringen sollten. Wenn ich Dir einen Rat geben darf: lies diese Dialoge von Sokrates und seinen Schülern ganz unvoreingenommen, dann kannst Du den Charme der Diskussion besser erkennen als wenn Du ihn durch eine christlich-abendländische Brille siehst. Die Dialoge des Sokrates sind reine Lebensl- und Denkenslust, und selbst den Tod vor Augen bleibt Sokrates völlig gelassen: wer weiß denn, so sagt er, ob ich nicht ein viel besseres Los ziehe, wenn ich sterbe.

Gruss
Thomas (kauli)