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Stambolov
10.04.2007, 21:18
Seid gegrüsst Ihr Interessierten, Suchenden und Freimaurer,
Ich bin auch ein Suchender, der sich schon seit einiger Zeit über die Freimaurerei informiert. Das erste Mal stiess ich auf die Freimaurerei als ich ein Referat über 'Krieg und Frieden' halten musste. Nachdem ich daraufhin nachforschte, wurde mir zum ersten Mal klar, dass sooooo viele grosse Persönlichkeiten Freimaurer waren. Der positive Einfluss der Freimaurerei war für mich seitdem einfach eine Tatsache. Egal welche Hirngespinste ich las (und ich muss sagen, dass es tonnenweise sehr effektive Abschreckungskampagnen gibt), sobald ich recherchierte gingen die Vorwürfe den Bach runter. Je mehr ich herausfand, desto mehr Positives offenbahrte sich. Ich erkannte langsam aber sicher, dass die Freimaurerei ausser grossen Persönlichkeiten, noch viel, viel mehr zu bieten hat und alles andere als ein elitärer Gentleman's Club ist...
Jetzt bin ich mittlerweile am Grübeln ob Zinnendorfsches/schwedisches, Schroedersches, York Ritus, Schottischer Ritus etc... ich werde auch einige Logen besuchen,...das ist auch eine meiner Fragen:
Wie habt Ihr gewählt, war es ausschlaggebend welche Lehrart? Oder habt Ihr eher nach der Chemie in der bestimmten Loge entschieden? Das soll jetzt keine entweder-oder Frage sein,...
zweite Frage:
Wie habt Ihr die 'Brüderlichkeit' bis jetzt erfahren?
dritte Frage:
Wie hat sich Eure Einstellung, Weltanschauung verändert seitdem Ihr Freimaurer seit?
Grüsse aus Hamburg,
Dimitar
Sehr geehrter Dimitar,
Ich bin auch ein Suchender, ...
Und was suchen Sie?
Mit freundlichen Grüßen
T.G.
Wie habt Ihr gewählt, war es ausschlaggebend welche Lehrart? Oder habt Ihr eher nach der Chemie in der bestimmten Loge entschieden? Das soll jetzt keine entweder-oder Frage sein,...
Nun, diese Frage ist eigentlich ganz einfach mit einer Gegenfrage zu beantworten. Wie genau kennst Du denn die verschiedenen Systeme? Hast Du genug von ihrem esoterischem Inhalt, ihrer Lehre und Geschichte erfahren um das als Beurteilungsgrundlage zu nehmen?
Vermutlich nein. Was ich mit diesen Gegenfragen zum Ausdruck bringen will: Allen anderen ging und geht es genau so. Die grundsätzlichen Marschrichtungen der verschiedenen Lehrarten können zwar mit zu einer Entscheidung beitragen, aber als Grundlage eignet es sich überhaupt nicht. Nicht umsonst kommen diese Hochgradsysteme in der Regel erst ins Spiel, nachdem man die Freimaurerei 2 1/2 bis 3 Jahre kennengelernt hat.
Und wenn man sich vorher entscheidet und feststellt, dass es gar keine Loge dieser Lehrart in der Nähe gibt, oder dass die Lehrart zwar ganz toll ist, man sich zwischen den Brüdern seiner Loge nicht wohl fühlt ...... was hätte das für einen Nutzen?
Man sollte sich, so wie Du es ja wohl auch gemacht hast, über die verschiedenen Lehrarten der Freimaurerei in Deutschland informieren, den Ausschlag können aber nur die Persönlichkeiten "Deiner" zukünftigen Loge geben.
Die beiden anderen Fragen kann ich einfach nicht beantworten. Dazu müsste ich wissen, wie sich meine Weltanschauung ohne Freimaurerei entwickelt hätte. Und die Brüderlichkeit? Das ist mir zu komplex und auch zu persönlich, um darauf zu antworten. Ich müsste persönliche Beispiele bringen, das würde aber nur langweilen, weil es die alltäglichen Kleinigkeiten sind, die diese Brüderlichkeit ausmachen, nicht die "großen Gesten" oder Rettung aus höchster Not.
Viele Grüße,
Thomas
Stambolov
11.04.2007, 00:17
Sehr geehrter T.G.,
Nun,... darüber habe ich oft nachgedacht, ich versuche mich kurz zu fassen und vor allem will ich ehrlich sein:
Ich suche etwas, dass mein Verständnis/ meine Erkenntnis erweitert, mir gar innere Ruhe verleiht, Erfahrungen, die die Zeit still stehen lassen, durch 'Überkomplexität' an intellektueller, emotionaler und seelischer Herausforderung, eine Herausforderung, der man nicht gewachsen sein kann, aber indem man diese Herausforderung annimmt und sich ihr bewusst stellt, man an ihr innerlich wächst. Diese Herausfordeung möchte ich aber nicht nur durch einsames lesen, grübeln und 'erfühlen' annehmen, denn dann ist es einfach nicht lebendig/ nicht erfahrend genug, zu einseitig, irgendwie beschränkt (zumindest kommt es mir so vor). Ich möchte diese Herausforderung mit anderen teilen, jedoch mit anderen, die es interessiert, oder vielleicht sogar nicht in Ruhe lässt. Vielleicht suche ich nach einer 'Karte', die ein paar Anhaltspunkte liefert, um einen 'Weg' zu erkennen. Aber in einer 'Expeditionsgruppe', die einen Weg durch 'was auch immer' sucht und jeder seinen Teil dazu beiträgt, nur leider gibt es bei dieser 'Expedition' nicht 'DEN WEG', alle unterstützen sich gegenseitig mit vermeintlichen 'Anhaltspunkten', damit jeder 'SEINEN WEG' findet.
Ich möchte meine Zeit hier auf Erden 'bereichern', vielleicht kann ich sogar die Zeit anderer 'bereichern'. Ich möchte mir immer wieder und wieder Gedanken machen über die schwersten Fragen, die unser Leben betreffen, ich möchte die Meinungen und das Feedback anderer hören, aber nicht die üblichen indifferenten, oberflächlichen, ja einen innerlich abwürgenden Schwafeleien. Nein, die Meinungen von 'Mitinteressierten', mit unterschiedlicher Sicht- und Lebensweise und verschiedenen Erfahrungen (damit will ich sagen, dass z.B. ein Gespräch interessanter sein wird, wenn ein Bäcker, ein Opernsänger, ein Polizist, ein Zaharzt, ein Kaufmann und ein Sportler teilnehmen, die alle unterschiedlich alt sind, sagen wir von 25 bis 85, und nicht z.B. sechs Bänker sich unterhalten, die alle in den dreisigern sind)
Vielleicht suche ich nach Freundschaften und einer 'Versicherung' gegen Einsamkeit im Alter.
Oder vielleicht will ich nur ein innerlich erfüllter Mensch werden und mir bei diesem Prozess helfen lassen, und sofern es in meiner 'Macht' steht anderen dabei helfen.
Ansonsten suche ich nach ganz einfachen Dingen, die so ziemlich alle suchen...
Und nach was suchen Sie?
Gruss,
Dimitar
Sehr geehrter Dimitar,
Und nach was suchen Sie?
Über Selbsterkenntnis die Ergründung der Frage was der Mensch an sich ist. Und über diese Frage wiederum die Ergründung der Frage, was das Leben, die gesamte Schöpfung, alles was ist, eigentlich ist. Von den "Erscheinungen" zum "Wesen" durchzudringen. Ganz im Sinne des Satzes: "Erkenne Dich selbst, und alles andere, was Du benötigst, wird Dir gegeben werden".
Letztlich also wohl - wenn es auch vermessen sein mag - gleich dem Doktor Faustus das "was die Welt im innersten zusammenhält".
Mit freundlichen Grüßen
T.G.
Stambolov
11.04.2007, 21:05
@Oberon
Danke sehr,...eine einleuchtende Antwort,
' Hast Du genug von ihrem esoterischem Inhalt, ihrer Lehre und Geschichte erfahren um das als Beurteilungsgrundlage zu nehmen?'
Nein, genug definitiv nicht. Ich befasse mich aber so oft es geht...und als Beurteilungsgrundlage werde ich es definitiv nicht nehmen...
Hast Du vielleicht einen Buchtipp für mich um esoterischen Inhalt, Lehre und Geschichte besser zu verstehen/kennen???
LG,
Dimitar
Stambolov
11.04.2007, 21:26
Sehr geehrter T.G.,
Ich muss zugeben, dass mir Ihre Art zu ''suchen'' gefällt.
was meinen Sie, muss man sich nicht immer wieder aufs neue erkennen?
:hmmm:
LG,
Dimitar
Lieber Dimitar,
daß läßt sich pauschal sicher kaum beantworten. "Selbsterkenntnis" ist ja nicht nur ein sehr hohes und schwierig zu erreichendes Ziel, sondern vor allem auch auf ganz verschiedenen Ebenen möglich.
Wenn Sie die Selbsterkenntnis auf der oberflächlichsten Ebene meinen, also etwa in dem Sinne einer Erkenntnis was man selbst für einen Charakter hat, welche Stärken, Schwächen und Eigenschaften man selbst als Individuum hat, dann würde ich Ihre Frage bejahen. Der Mensch ändert sich für gewöhnlich im Laufe seines Lebens. Dementsprechend muß auch eine ständig ihn begleitende kritische Selbstreflexion stattfinden, wenn er den Stand seiner "Selbsterkenntnis" stets aktuell halten will.
Auf "tieferen" Ebenen hingegen, z.B. in dem Sinne einer "Erkenntnis" von der Wesenheit des Menschen, meine ich, daß die "Selbsterkenntnis" kaum einem Wandel unterliegt und daher bestenfalls immer genauer werden wird. Das Wesen des Menschen in seinem Verhältnis zur Welt war immer dasselbe und wird es auch stets sein.
Ich hoffe mein Gedankengang ist nicht zu abstrakt, aber in der Freimaurerei geht es - auf der tieferen Ebene - u.a. um solche "ewigen Wahrheiten", und diese lassen sich leider nur recht schwer in ein paar Sätzen umreißen.
"Wenn ihr es nicht fühlt, ihr werdet es nie erjagen" hat Goethe treffend gesagt. So ist es auch mit der inneren Lehre, der Esoterik, der Freimaurerei.
Nicht umsonst wurde früher von einem Suchenden erwartet, daß er "hoch denken" und "tief empfinden" können müsse, um die Lehren der Freimaurerei verstehen zu können
Mit freundlichen Grüßen
T.G.
Stambolov
12.04.2007, 09:53
Lieber T.G.,
Ihr Gedankengang ist keinesfalls zu abstrakt. Das ist was ich mit 'Erfahrungen und Erkenntnisse, die die Zeit still stehen lassen' meinte. Oder besser formuliert, was mich eigentlich auf die Frage brachte, von 'den Erscheinungen zum Wesen durchdringen'.
Das ist eine Herausforderung (Selbsterkenntnis), der man schwer gewachsen sein kann, denn die 'wahre' Selbsterkenntnis würde die anderen grossen Fragen beantworten, zumindest glaube ich das.
Ist die Freimaurerei, Ihrer Meinung nach, auch dafür da um solche 'abstarkten Gedanken/Erkenntnisse' bewusst auf den Alltag zu übertragen?
Denn schliesslich ist/ sind unser Handeln, 'unsere Früchte', der 'Massstab' unseres Seins (ich spekuliere nach meinem Verständnis der Dinge bisher in diese Richtung).
Vielleicht ist aber auch kein Massstab vorhanden, aber das würde bedeuten, dass unser Handeln bedeutungslos wäre, ich kann mich damit nicht so recht anfreunden...?
LG Dimitar
P.S.: Wenn Ihnen die Fragerei auf den Geist geht, sagen sie bescheid, ich möchte keinesfalls aufdringlich werden...
Lieber Dimitar,
P.S.: Wenn Ihnen die Fragerei auf den Geist geht, sagen sie bescheid, ich möchte keinesfalls aufdringlich werden...
Keineswegs. Ganz im Gegenteil. Es freut mich, wenn ich Ihnen ein wenig zur Reflektion Ihrer Fragen und Gedanken dienen kann. Meinen "Lohn" erhalte ich ebenso durch Ihre kritischen Fragen und Gedanken. Denn diese machen mich wiederum nachdenklich.
Sehen Sie es mir bitte nur nach, wenn es ggf. ein wenig dauern kann, bis ich Ihnen antworte. Aber antworten werde ich Ihnen auf jeden Fall.
Das ist was ich mit 'Erfahrungen und Erkenntnisse, die die Zeit still stehen lassen' meinte. Oder besser formuliert, was mich eigentlich auf die Frage brachte, von 'den Erscheinungen zum Wesen durchdringen'. Das ist eine Herausforderung (Selbsterkenntnis), der man schwer gewachsen sein kann, denn die 'wahre' Selbsterkenntnis würde die anderen grossen Fragen beantworten, zumindest glaube ich das.
Ja, diesen Glauben kann ich Ihnen nicht nehmen. Ich habe summa summarum dieselbe Auffassung vom "Phänomen unserer Existenz". Entscheidend ist m.E., daß man sich darüber im klaren ist bzw. wird, daß die zentralste Forderung, die unser Bund an seine Brüder richtet, nämlich die nach "Selbsterkenntnis" weitaus mehr beinhaltet als lediglich eine individuelle "Icherkenntnis" i.S.e. "Charakterüberprüfung".
Nach meiner Auffassung von der Freimaurerei darf unsere "Arbeit" auf dieser Ebene nicht stehenbleiben, sondern muß weitaus tiefer gehen zu der Frage, was der Mensch an sich ist. Wenn man sich diese Frage eröffnet, dann kann man sich die ganze Welt "eröffnen". Ganz so, wie sie sich in unserer Symbolik - inbesondere der unserer Arbeitstafeln und Tempeleinrichtungen - darstellt.
Ist die Freimaurerei, Ihrer Meinung nach, auch dafür da um solche 'abstarkten Gedanken/Erkenntnisse' bewusst auf den Alltag zu übertragen? Denn schliesslich ist/ sind unser Handeln, 'unsere Früchte', der 'Massstab' unseres Seins.
Ja, das ist sie. Besser: Das kann sie sein.
Denn ihr eigentliches (esoterisches) Ziel, wenn es auch häufig in Vergessenheit geraten ist, war und ist immer noch die innere "Wandlung" des Menschen.
Nicht umsonst ist Johannes der Täufer, der den Menschen zurief "Ändert euren Sinn!" der Schutzpatron der Freimaurer und nennen sich viele Logen eingedenk dieses Zieles "Johannislogen". Die Freimaurerei hat für sich genommen keine besondere Ethik, die sie (heute!) maßgeblich von anderen gesellschaftlichen Vereinigungen unterscheidet. Sie ist aber weit mehr als eine "Wertegemeinschaft", sie ist ein "Initiationsbund" mit dem hehren Ziel die Welt im besten Sinne "menschlicher" zu machen, indem sie ihren Brüdern, wenn sie ausdauernd und hart arbeiten, diejenigen Anstöße gibt sich ihres Daseins mit all seinen konsquenzen voll bewußt werden zu können. "Können" deswegen, weil dieser (Erkenntnis)prozeß nicht zwingend stattfindet.
Eine (esoterische) Lehre ohne praktische Nutzanwendung wäre indes vollkommen nutzlos und würde dem sich mit ihr Beschäftigenden lediglich die Gedanken vernebeln und wertvolle Lebenszeit stehlen. Die Praxis, die "Arbeit" ist daher das entscheidende, gerade auch in der Freimaurerei. Schließlich sind wir (symbolische) Maurer und Steinmetzen und wesentliche Teile unserer Symbolik vergegenwärtigen eine schweiß- und tränenreiche Arbeit.
Wo jedoch die theoretische "Erkenntnis" fehlt, da kann es auch keine wirksame "Praxis", keine Arbeit, geben.
Vielleicht ist aber auch kein Massstab vorhanden, aber das würde bedeuten, dass unser Handeln bedeutungslos wäre, ich kann mich damit nicht so recht anfreunden...?
Genau so sehe ich das auch. Unser Handeln ist meiner Wahrnehmung nach aber alles andere als bedeutungslos. Es ist m.E. der "Weg", der den Menschen mit seinem Leben als eine lebenslange Aufgabe mit- und aufgegeben worden ist. Wer diesen "Weg", ein entsprechend bewußtes Wahrnehmen und Erkennen des Menschen in der Welt, aber nicht erkennt, der wird ihn auch nicht - durch ein dementsprechendes Handeln - "gehen" können. Und dann kann es in der Tat sein, daß ein Mensch sein Leben einfach so dahinlebt und womöglich als kleines Kind intuitiv mehr vom Leben verstanden und erfahren hat, als am Ende seines Lebens - nachdem er durch das Leben und die menschliche Gesellschaft "verbeult" worden ist.
Herzlichst
T.G.
Stambolov
12.04.2007, 21:59
Lieber T.G.,
Ich kann mich nur für die sehr aufschlussreichen Antworten bedanken, bin von der 'Tiefe' beeindruckt.
Wenn man nur Definitionen, Analysen und Berichte über die Freimaurerei passiv 'registriert', dann erscheint es einem sogar teilweise trivial. Mit Freude stelle ich fest, dass eine ganze Menge dazugehört, die grundlegendsten Dinge in der Freimaurerei zu verstehen. Vielleicht sind gerade die Dinge mit simplifizierendem Beigeschmack die Knackpunkte.
Jedenfalls entfaltet der/die esoterische, metaphysische, erkenntnistheoretische Ansatz/Lehre der Freimaurerei (wie sich das mit der Symbolik verhält, kann ich noch nicht beurteilen) erst im Kontext einer 'Diskussion', auch in einer anschliessenden Diskussion mit sich selbst, sein/ihr wahres Wesen. D.h. die zeitlosen, 'unbeweglichen' 'Weisheiten' in der Freimaurerei offenbahren sich einem erst im aktiven Prozess der 'Anwendung'. Das ist mir bis jetzt aus unserem 'Gespräch' klargeworden, ich kann mich aber auch in der vermeintlichen 'Breite' irren...
Für mich folgere ich daraus, dass ich als 'Suchender' möglichst progressiv, von den 'Erscheinungen' zum 'Wesen' des freimaurerischen 'Grundkonzeptes' versuche durchzudringen, anstatt mich übermässig mit Detailles zu befassen, die wiederum reine Luftschlösser sind, wenn man sich keinen eigenen konzeptionellen Denkansatz (es ist viel mehr als das,...aber mir fällt momentan nichts besseres ein) in Verbindung mit einigen Allgemeingültigkeiten (die man zumindest strukturell verstanden hat; innerhalb der freimaurerischen Lehre) als Fundament geschaffen hat. Ansonsten könnte man trotzt Mitgliedschaft und aktiver Teilnahme 'leer ausgehen'. In diesem Zusammenhang verstehe ich das als Analogie, die sich genauso gut auch auf die Freimaurerei bezieht:
Und dann kann es in der Tat sein, daß ein Mensch sein Leben einfach so dahinlebt und womöglich als kleines Kind intuitiv mehr vom Leben verstanden und erfahren hat, als am Ende seines Lebens - nachdem er durch das Leben und die menschliche Gesellschaft "verbeult" worden ist.
In diesem Sinne kann ich mich nur für die vorausgegangene Frage nach meiner 'Suche bedanken', es scheint mir, dass ich den Wald (die Freimaurerei) vor lauter Bäume (Information über die Freimaurerei) nicht gesehen habe...:icon_smile_lachuh:...jetzt habe ich meiner Ansicht nach schon eine kleine, aber haltbare Vorahnung...
Es wird mir auch klar, dass die Freimaurerei ein Wundermittel gegen innere Verbohrtheit/Stillstand sein kann, denn: Ohne Einsicht, kein Wandel, keine Erkenntnis...
Übrigens,...'Erscheinungen' und 'Wesen' hört sich ein wenig wie Spinoza an...wie wärs mit Selbsterkenntnis= zur Transzendenz 'aufgrund' von/durch das 'Erkennen' von Immanenz, sozusagen jenseits aller Gegensätze und Bestimmungen?
herzliche Grüsse,
Dimitar
P.S.: teilweise ist dies auch 'lautes Denken'...ich bitte um Verständnis!
Lieber Dimitar,
dieses "laut Denken", ohne sich entschuldigen zu müssen, ohne jemanden mit aller Macht vom eigenen Standpunkt überzeugen zu wollen, sondern vielmehr Freude daran haben, in den Gedankenwelten des Anderen eingeladen zu werden, dort herumzuwandern und ein paar besonders schöne Blumen mit in die eigene Welt zu nehmen, das ist es, was man an der Freimaurerei nicht erklären kann, was aber bei den Logenveranstaltungen im Idealfall zu finden ist.
Wir sind hier dem "freimaurerischen Geheimnis" schon recht nah, und vielleicht kannst Du schon sehen, warum man dieses Geheimnis gar nicht verraten kann, selbst wenn man es wollte.
Mit Deiner Frage nach der Literatur ist es schwierig. Über Geschichte, Aufbau und Grundgedanken der FM kann man viel lesen. Da findest Du in dem Thread "Literatur für Suchende" einige Anregungen.
Über das Esoterische etwas wirklich Gutes zu finden ist weit schwieriger. Das meiste, selbst nicht frei zugängliche Literatur, die speziell für die Brüder geschrieben wurde, bleibt im Bereich der Charaktererkenntnis - Tugendschule. Deutlich tiefer gehende Literatur gibt es kaum.
Viele Grüße,
Thomas
bigbalou
15.04.2007, 11:23
Hallo Dimitar,
ich möchte noch ein bisschen beitragen zum Thema "Symbole" in Verbindung mit "Selbsterkenntnis".
Wenn ein Mensch darüber nachdenkt, wie er sich zu anderen verhält, so hat er schon zwei Dinge erkannt:
1. es gibt andere Menschen, die anders sind
2. er kann darüber nachdenken, was er hierüber denkt
Seit es Menschen gibt, geschieht dies; nicht nur in der FM. Doch die Erscheinungen der Zeit (Revolutionen, religiöse Verfolgungen) führten zu geschützten Kreisen (Logen), wo man eben dies in Sicherheit praktizieren konnte.
Wenn nun zwei Menschen sich darüber unterhalten, was und wie sie über andere Menschen denken, kann es passieren, dass sie Gemeinsamkeiten feststellen. Wenn sie nun hierfür ein gemeinsames Bild wählen (z.B. die Winkelwaage für die gleiche Ebene der Begegnung von Menschen), so haben sie es fürderhin leichter, sich darüber zu unterhalten. Wenn sie dann dieses Bild benutzen, um andere auch in diese Kunst des Denkens einzuführen, so haben wir ein: "Symbol". Taataa!
Einen sonnigen Sonntag wünscht
Bernd
Lieber Dimitar,
Wenn man nur Definitionen, Analysen und Berichte über die Freimaurerei passiv 'registriert', dann erscheint es einem sogar teilweise trivial. Mit Freude stelle ich fest, dass eine ganze Menge dazugehört, die grundlegendsten Dinge in der Freimaurerei zu verstehen. Vielleicht sind gerade die Dinge mit simplifizierendem Beigeschmack die Knackpunkte.
Ja, dem würde ich persönlich klar zustimmen. Es gibt einige "Dinge" in der Freimaurerei, an denen man schnell achtlos im Geiste "vorübergeht" bzw. von denen man meint, daß man sie bereits verstanden und verinnerlicht habe, die bei einem wirklich "Suchenden", der diesen "Dingen" - vor allem durch Lektüre und Gespräche - immer tiefer auf den Grund geht, sie geistig durchdringt, immer neue Impulse für sein inneres Leben abgewinnen kann, die dann auch sehr nachhaltige Veränderungen in seinem praktischen Leben nach sich ziehen können.
Jedenfalls entfaltet der/die esoterische, metaphysische, erkenntnistheoretische Ansatz/Lehre der Freimaurerei (wie sich das mit der Symbolik verhält, kann ich noch nicht beurteilen) erst im Kontext einer 'Diskussion', auch in einer anschliessenden Diskussion mit sich selbst, sein/ihr wahres Wesen. D.h. die zeitlosen, 'unbeweglichen' 'Weisheiten' in der Freimaurerei offenbahren sich einem erst im aktiven Prozess der 'Anwendung'. Das ist mir bis jetzt aus unserem 'Gespräch' klargeworden, ich kann mich aber auch in der vermeintlichen 'Breite' irren...
Kein Widerspruch meinerseits. Freimaurerei ist durchaus eine Form einer theoretisch hart zu erarbeitenden Entwicklung des Einzelnen mit dem Ziel diese Entwicklung im Leben für den Einzelnen, aber auch ganz besonders für dessen Nächsten und Mitmenschen spürbar werden zu lassen.
Für mich folgere ich daraus, dass ich als 'Suchender' möglichst progressiv, von den 'Erscheinungen' zum 'Wesen' des freimaurerischen 'Grundkonzeptes' versuche durchzudringen, anstatt mich übermässig mit Detailles zu befassen, die wiederum reine Luftschlösser sind, wenn man sich keinen eigenen konzeptionellen Denkansatz (es ist viel mehr als das,...aber mir fällt momentan nichts besseres ein) in Verbindung mit einigen Allgemeingültigkeiten (die man zumindest strukturell verstanden hat; innerhalb der freimaurerischen Lehre) als Fundament geschaffen hat.
Das klingt engagiert und m.E. sehr gut. Von einer solchen Herangehensweise an unseren Bund kann und möchte ich Sie nicht abhalten.
Nur zwei Anmerkungen dazu:
1. Sie haben Zeit. So Gott will, das ganze Leben. Die Probleme oder Fragen des Lebens lassen sich nicht an einem Tag oder in einigen Jahren "klären". Einzig theoretisch erreichbares Ziel kann es nach meiner persönlichen Meinung nur sein, daß man am Ende seines Lebens rückblickend sich selbst attestieren kann einen klaren und geraden Weg gegangen zu sein - und zwar als "Mensch" (wo wir dann wieder bei der Selbsterkenntnis sind) und nicht mit Blick auf berufliche Erfolge oder materielle Beute. Ein solcher Mensch kann dann meiner Erfahrung nach auch vom Leben lassen und hadert nicht mit dem Tod, denn er wird zu einer unüberwindbaren und sich vor nichts fürchtenden Gewißheit gekommen sein. Er wird so "meisterlich" sterben können, wie er meisterlich gelebt hat. Zugegeben: Ein sehr hohes Ideal. Vielleicht sogar das höchste überhaupt. Aber genau deswegen lohnt es sich m.E. sehr danach zu streben.
"Und wenn du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf dieser dunklen Erde". (Goehte)
2. Wenn Sie sich - und diesen Eindruck habe ich von Ihnen bekommen - ernsthaft mit dem Gedanken tragen bei einer Loge anzuklopfen und um Aufnahme zu ersuchen, dann rate ich Ihnen nicht zuviel vorab zu lesen. Vor allem nicht, was die Rituale bzw. die Symbolik angeht. Sie werden sich sonst etwas nehmen, was grundlegend zur Methode und zur Lehre der Freimaurerei gehört: Die schritt- und stufenweise "Einweihung", die es ihnen ermöglicht "einzelne Mosaiksteine" selbst zu einem "Gesamtbild" zusammenzusetzen. Diese eigene Erkenntnis, dieses eigene Erleben kann ihnen niemand nehmen, außer sie selbst, wenn Sie diesen Weg nicht ganz bewußt und seine einzelnen Etappen Schritt für Schritt gehen.
Ansonsten könnte man trotzt Mitgliedschaft und aktiver Teilnahme 'leer ausgehen'.
Genau so ist es. Und dann ist die Freimaurerei schlicht vertane kostbare Lebenszeit und verschwendetes Geld.
In diesem Sinne kann ich mich nur für die vorausgegangene Frage nach meiner 'Suche bedanken', es scheint mir, dass ich den Wald (die Freimaurerei) vor lauter Bäume (Information über die Freimaurerei) nicht gesehen habe...:icon_smile_lachuh:...jetzt habe ich meiner Ansicht nach schon eine kleine, aber haltbare Vorahnung...
Es freut mich, wenn ich Ihnen ein wenig weiterhelfen konnte.
Es wird mir auch klar, dass die Freimaurerei ein Wundermittel gegen innere Verbohrtheit/Stillstand sein kann, denn: Ohne Einsicht, kein Wandel, keine Erkenntnis...
Ja. Eigentlich eine Banalität. Aber - wie es Johannes der Täufer zeigte - doch so unendlich schwer.
Übrigens,...'Erscheinungen' und 'Wesen' hört sich ein wenig wie Spinoza an...wie wärs mit Selbsterkenntnis= zur Transzendenz 'aufgrund' von/durch das 'Erkennen' von Immanenz, sozusagen jenseits aller Gegensätze und Bestimmungen?
Gerne. Keine Einwände. Auch diese Wörter treffen das, was ich zum Ausdruck bringen wollte.
P.S.: teilweise ist dies auch 'lautes Denken'...ich bitte um Verständnis!
Das bitte ich auch. Denn bei mir ist es nicht anders. Aber es hat mir viel Freude bereitet mit Ihnen gemeinsam "laut" nachzudenken. :ohwell:
Herzliche Grüße
T.G.
Stambolov
17.04.2007, 19:25
Lieber T.G.,
nochmals vielen Dank,...Sie haben mich auf das wesentliche aufmerksam gemacht...
Wenn Sie sich - und diesen Eindruck habe ich von Ihnen bekommen - ernsthaft mit dem Gedanken tragen bei einer Loge anzuklopfen und um Aufnahme zu ersuchen, dann rate ich Ihnen nicht zuviel vorab zu lesen. Vor allem nicht, was die Rituale bzw. die Symbolik angeht. Sie werden sich sonst etwas nehmen, was grundlegend zur Methode und zur Lehre der Freimaurerei gehört: Die schritt- und stufenweise "Einweihung", die es ihnen ermöglicht "einzelne Mosaiksteine" selbst zu einem "Gesamtbild" zusammenzusetzen. Diese eigene Erkenntnis, dieses eigene Erleben kann ihnen niemand nehmen, außer sie selbst, wenn Sie diesen Weg nicht ganz bewußt und seine einzelnen Etappen Schritt für Schritt gehen.
Guter Rat ist teuer...danke sehr...
LG,
Dimitar
P.S.: 'meisterlich' zu leben und zu sterben, der Gedanke daran erfüllt mich mit einer sonderbaren Zufriedenheit...:yes:
Seid gegrüsst Ihr Interessierten, Suchenden und Freimaurer,
das ist auch eine meiner Fragen:
Wie habt Ihr gewählt, war es ausschlaggebend welche Lehrart? Oder habt Ihr eher nach der Chemie in der bestimmten Loge entschieden? Das soll jetzt keine entweder-oder Frage sein,...
zweite Frage:
Wie habt Ihr die 'Brüderlichkeit' bis jetzt erfahren?
dritte Frage:
Wie hat sich Eure Einstellung, Weltanschauung verändert seitdem Ihr Freimaurer seit?
Grüsse aus Hamburg,
Dimitar
Zu 1) ich habe bei der nächstbesten Loge angeklopft ohne irgendetwas über Lehrarten zu wissen, einfach neugierig
zu2) verschieden, von herzerwärmenden Kontakten bis zu Gemeinheiten
zu3) ich kann nicht sagen, wie ich mich ohne Freimaurerei entwickelt hätte. Aber eines ist ganz sicher: ich verdanke ihr ganz wesentliche Impulse für mein Leben.
Gruss Thomas
(seit 26 Jahren Freimaurer, 9 Jahre Meister vom Stuhl)
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